Donnerstag, 18. August 2011

Odo Casel - eine Kurzbiographie in LQF 98,1

Angelus A. Häußling (Maria Laach) stellt in der kürzlich an dieser Stelle vorgestellten Schrift "Gottesdienst als Feld theologischer Wissenschaft im 20. Jahrhundert" (LQF, Band 98,1) den bekannten Laacher Benediktiner Odo Casel (1886-1948) vor. Die wenige Seiten (236-241) umfassende Würdigung dieses bedeutenden Theologen enthält sehr bemerkenswerte Aussagen über Casels Verständnis von Liturgie und Theologie, die grundsätzlich bedenkenswert bleiben:
"Die hörend-glaubende, ihre Liturgie feiernde Gemeinde ist je und je Zeitgenosse der im Gedenken verkündeten Heilstaten Gottes. [...] Theologie ist Sakramententheologie, Liturgiewissenschaft eigentliche Theologie. Das "Mysterium" ist die Mitte von Gottes Handeln und dem Leben der Kirche." (S. 237)
Ritus, Observanz, Usus - alles das darf nicht in leeres Tun münden, sondern die Liturgie muss über "ein bloßes Erinnern an Geschehnisse der Vergangenheit" (ibid., S. 237) hinausgehen, wenn sie wahrhaft katholisch und "orthodox" sein will. Der Gottesdienst als "eine ethisch hochwertige, auch geschuldete Ehrung Gottes" (ibid.) ist zu wenig, die Spendung der Sakramente als bloßes Mittel zum Zweck völlig unzureichend, um das Geheimnis der Unmittelbarkeit zwischen Gott und Mensch in der Liturgie auszudrücken. Der Begriff des "mysterion" ist ein Versuch, der Unzulänglichkeit scholastischen Denkens beizukommen und der Theologie der Liturgie ein tragendes Fundament zu geben. Odo Casel hatin erheblichem Maße dazu beigetragen, dass dieser Weg weiter beschritten werden kann.

Mittwoch, 17. August 2011

Rituale cisterciense Deutsch - 1. Buch, 13. Kapitel: Vom Gesang und der Psalmodie

Rituale cisterciense (1892), Buch 1, Kapitel 12:
[1.] In einer größeren Gemeinschaft, das Urteil darüber kommt dem Visitator und möglichst dem Vaterabt zu, wird das Offizium mit dem gregorianischen Gesang vollzogen. In einer kleineren aber, das Urteil darüber [steht] demselben [zu], wird in directum [auf einem Ton] psalliert. Der Visitator hat zu entscheiden, was zu singen ist nach den Möglichkeiten und der Beschaffenheit der Gemeinschaft.
2. Immer jedoch und überall werden in directum gesungen: Zu den Nokturnen der Vers Herr, öffne, der Psalm Herr, wie haben sich vermehrt [Ps 3]; [dann] der Psalm Kommt, lasst uns jubeln [Ps 94], wenn er ohne Invitatorium gesungen wird; ebenfalls zu den Laudes der Psalm Gott erbarme sich [Ps 66]. Zur Komplet der Vers Converte nos und alle Psalmen. Dann in allen Horen die Verse Die göttliche Hilfe, Die Seelen der Verstorbenen und die Antiphon Der Heilige Geist mit dem Vers und der Collecta.
3. Wo jedoch gesungen wird, können der Obere und der Kantor entscheiden, wie zu singen ist, sowie auch wann gesungen wird: Doch [soll es so geschehen], dass an der alten Form des Singens, die vom seligen Bernhard überliefert und in unseren Brevieren eingefügt wurde, getreulich festgehalten wird: Kopfstimmiger [sincopationibus] und gekünstelter oder musikalischer [überbetonter?] Gesang ist gänzlich verboten, sowohl in der Messe als auch bei den Prozessionen, sowie bei allen Teilen des Offiziums.
4. Von dieser Form [des Gesangs] aber spricht der ehrwürdige Vater in der 47. Predigt zum Hohelied: Aus unserer Regel etc. Siehe dazu im Brevier.
5. Bei den Versen der Psalmen und Cantica, bei denen zwei Pausen in der Mitte gemacht werden, also die Flexa und der Asteriscus, wird die letzte Betonung [? -> dictio], die der ersten Pause vorangeht, gebeugt und es wird geatmet. Wenn aber diese Betonung einsilbig ist oder ein hebräisches Wort, wird sie auf einem Ton (in directum) ausgesprochen. Bei den Metren [dem Asteriscus nämlich] wird eine doppelte Atmung vollzogen. Am Ende des [gesamten Psalm-]Verses eine einfache. Und diese [kann] größer oder kleiner [sein], das heißt kürzer, aus Gründen der Feierlichkeit des Tages oder des Offiziums. Das Maß nämlich soll dazu dienen, dem Gesang oder der Psalmodie Gravität zu vermitteln und die Frömmigkeit zu erwecken.

Dienstag, 16. August 2011

Neuerscheinung Liturgiewissenschaft

Der 98. Band der Liturgiewissenschaftlichen Quellen und Forschungen (LQF) widmet sich in zwei Teilbänden den großen Persönlichkeiten deutscher Zunge, die im 20. Jahrhundert wesentliche Anstöße zum Ausbau und zur Etablierung der Liturgiewissenschaft als theologischer Disziplin gegeben haben. In alphabetischer, namentlicher Ordnung werden diese Wissenschaftler - und vor allem: Christen vieler Konfessionen! - in Einzelporträts vorgestellt. Dankbar darf man für die Hinzufügung einer Photographie einer jeden porträtierten Person sein; nicht weniger dankbar ist man jedoch für die Übersicht über Leben und Wirken und die Auswahlbibliographie am Ende eines jeden Porträts. Es wird lohnenswert sein, einige dieser Wissenschaftler und Forschenden auch an dieser Stelle vorzustellen - unter ihnen Angehörige des Benediktinerordens und solche, die der benediktinischen Familie sehr verbunden waren. Einige Namen gewürdigter Personen: Anton Baumstark, Urbanus Bomm, Balthasar Fischer, Klaus Gamber, Aemiliana Löhr, Christhard Mahrenholz, Kunibert Mohlberg, Burkhard Neunheuser, Otto Nußbaum, Erik Peterson, Max von Sachsen, Emmanuel von Severus, Anton Thaler, Athanasius Wintersig (L.A. Winterswyl)... Ein Dank an das Abt-Herwegen-Institut (Maria Laach) für diese Veröffentlichung!

Sonntag, 14. August 2011

Responsorium prolixum ad Vesperas Assumptionis B.M.V.

Responsorium prolixum vesperale Assumptionis B.M.V.  (Antiphonarium cisterciense)

Rituale cisterciense Deutsch - 3. Buch, 26. Kapitel: Vom Festtag der Aufnahme [Mariens]

Rituale cisterciense, Buch 3, Kapitel 26:
[1.] Am Vigiltag der Aufnahme [Mariens] feiert der Abt die Messe in der Gemeinschaft mit zwei Dienern, wie an Sonntagen. In der Messe jedoch wird die violette Farbe benutzt, [es wird zelebiert] mit Dalmatiken. Weder Ehre sei Gott in der Höhe noch Alleluia werden gesungen, noch die Präfation der Seligen [Jungfrau], sondern die allgemeine; und nach dem Heilig, [das gesungen wird] im Ferialton, prosternieren sich die Brüder über die Formae wie in den Horen des Offiziums.
2. Am Tag geschieht alles wie an vorgeschriebenen Festtagen des Jahres: Da [nämlich] alle unsere Klosterkirchen zu ihrer Ehre gegründet und geweiht werden. Und vor der Messe findet die feierliche Prozession im ganzen Orden statt mit den Stationen im Kreuzgang.
3. Zudem wird in Frankreich, nachdem die Vesper am Festtag beendet wurde, die Lauretanische Litanei begonnen, mit gebeugten Knienzum Altar gewandt, wie in den Prozessionalien [angegeben]; und wenn die Kantoren bei Heilige Maria ankommen, geht der Konvent, indem Weihrauch vorausgeht, Weihwasser und Kreuz mit [in Albe] bekleideten Kerzenträgern, feierlich durch die Kirche, wie in Buch 1, Kap. 17 [beschrieben], gefolgt vom Oberen, der Stola und Pluviale von weißer Farbe über der albe trägt. Der Obere singt am Ende der Prozession kniend an der Altarstufe die Versikel und stehend die Collecta zum Gelöbnis des allerchristlichsten Königs [von Frankreich]: Alle im Chor knien zusammen nieder, außer Kreuzträger und Akolythen, die mit dem hinter dem Kreuze knienden Subdiakon und Thuriferar an der Presbyteriumsstufe stehenbleiben.

Mittwoch, 3. August 2011

Rituale cisterciense Deutsch - 1. Buch, 6. Kapitel: Wie die Brüder sich in der Kirche verhalten sollen

Rituale cisterciense (1892) - 1. Buch, 6. Kapitel:
[1.] Niemand soll in der Kirche umhergehen, sprechen oder irgendeinen Lärm verursachen: Wenn aber das Opus Dei beendet wurde, gehen sie in größtem Schweigen hinaus, außer jenen, die für sich still beten wollen. Zum Gebet können die Brüder nämlich in die Kirche gehen während der Zeit der Lesung und bei jedem Intervall [d.i. eine kurze freie Zeit]; doch sollen sie dort weder sitzen, noch lesen, noch ein Buch halten, noch die Kapuze auf dem Kopf behalten. Sie sollen nicht zur Gänze hingestreckt beten, sondern nur stehend oder mit gebeugten Knien, es sei denn, sie sind krank.
2. So lesen sie gleicherweise nicht, solange das Opus Dei gefeiert wird, es sei denn, dies sei für sie notwendig, noch bedecken sie die Häupter, außer zu den Psalmen, Antiphonen, Lesungen, Responsorien, zur Epistel und zum Tractus oder zum Alleluia.
3. Die Sitze heben sie auf oder lassen sie nieder, indem sie sie mit der Hand ohne Lärm bewegen; und sind sie gezwungen zu husten, zu niesen, auszuspucken oder sich zu schnäuzen, so tun sie dies, so gut sie können, still und schicklich, indem sie weder den Boden noch die Sitze beschmutzen. Die Bücher öffnen sie übrigens nur, wenn es ihnen zukommt, und schließen sie ziemlich, sowie unter Vermeidung von Lärm.
4. Sie treten nur aus einer Notwendigkeit heraus in den Chor ein oder gehen durch ihn hindurch, wenn die Brüder sich verneigen oder außerhalb der Stalle stehen; ebenso zum Vers O Gott, komm mir zu Hilfe, Ehre sei dem Vater, zu den Hymnen, Antiphonen oder feierlichen Collectae, zum Evangelium, dem Vaterunser, und zu ähnlichen Gelegenheiten. Derjenige trete beiseite und verhalte sich wie der Chor [der Mönche], bis dieses Gebet oder das Evangelium beendet wurde, und geht an seinen Platz.
5. Niemand rezitiere oder lese einzeln das Offizium, auch wenn er zu spät zum Opus Dei gekommen ist: Sondern er singe es mit den anderen, sobald er sich dem Konvent beigesellt hat, und wenn die Hore beendet wurde, nehme er sein[en Teil des] Offizium auf. Wenn jemand zum Buch geht oder von dort zurückkehrt, der durch den Chor gehen muss, soll niemand singen, außer den Kantoren oder anderen, die die Brüder aufmuntern.

Montag, 1. August 2011

Liturgie - Archäologie - Rekonstruktion

Vor Kurzem sind interessante Rekonstruktionen alter Kirchengebäude veröffentlicht worden (im Blog "Traditio liturgica"). Diese "Visualisierungen" sind auch für das Verständnis der Entwicklung des Zisterzienserritus wichtig:
S. Peter in Rom:
traditioliturgica.blogspot.com
Hagia Sophia in Konstantinopel:
http://traditioliturgica.blogspot.com/2011/07/i-veli-e-le-cortine-nel-tempio.html
Andere Photos der Rekonstruktionen von S. Peter in Rom finden sich hier.