Samstag, 20. August 2011

Notierte Editionen der liturgischen Bücher des Zisterzienserritus im Netz


Wie durch einen "Zufall" entdeckt: Eine Webseite mit den abphotographierten liturgischen Büchern des Zisterzienserritus: http://splendorveritatis.org/  Damit sind auch im Netz die abphotographierten notierten liturgischen Texte von Antiphonale (1947), Graduale (1899) und Antiphonale pro vigiliis nocturnis / pro horis diurnis (1955) zugänglich! Den Betreibern und Initiatoren dieser Seite sei herzlich gedankt! 

Rituale cisterciense Deutsch - 1. Buch, 14. Kapitel: Von der Orgel

Orgel im Kloster Tarrawarra (Australien)

Rituale cisterciense (1892), Buc 1, Kapitel 14:
[1.] Wo es eine Orgel (organa) gibt, sei ihr Gebrauch gemäßigt und man hüte sich, dass nicht leichtfertige oder profane Töne sich unter den Rhythmus der göttlichen Lobgesänge mischen. Die Orgel jedoch kann gespielt werden während des ganzen Jahres an Sonntagen, Festen, innerhalb der feierlichen Oktaven: ausgenommen sind der Advent und die Septuagesima. An den Sonntagen Gaudete und Laetare, am Vigiltag der Geburt des Herrn, des Osterfestes und von Pfingsten, am Gründonnerstag zur Messe und immer dann, wenn festlich [voller] Freude gefeiert wird, kann sie ebenfalls spielen.
2. Zu den Horen während des Tages wird das Orgel[spiel] nicht eingeschoben, außer zum Hymnus und der Antiphon der Terz. Doch zur feierlichen Messe spielt sie im Wechsel, wenn gesungen wird Kyrie eleyson. Und hier beginnt die Orgel das erste [Kyrie eleyson], der ganze Chor jedoch singt das zweite, und so weiter. Ähnlich beim Hymnus Gloria. Nach der Epistel spielt sie zum Responsorium; doch den folgenden Vers Alleluia mit dem Vers, sowie den Tractus in der Quadragesima singt der Chor, wobei die Neuma [Modulation am Ende des Verses] von der Orgel weitergeführt wird: nicht gedoch am Ende des Tractus. Auf dieselbe Weise spielt [sie] zum Sanctus und zum Agnus Dei im Wechsel. Und endlich [auch] zum Deo gratias.
3. Zu den Vigilien kann sie im Wechsel gespielt werden zum Hymnus und zum Canticum Te Deum, dergestalt, dass der erste Vers des Hymnus vom Oberen angestimmt wird, die Orgel hingegen Te Dominum weiterführt. Zu den Laudes und der Vesper [kann sie gespielt werden] zu den Antiphonen, dem Hymnus, dem Canticum und zum Deo gratias. Die Kommemorationen aber, wenn welche vorgesehen sind, singt der Chor. Zur Komplet hingegen spielt zum ersten und dritten Vers des Hymnusdie Orgel.
4. Zum Salve Regina führt die Orgel, nachdem der Kantor das erste Wort angestimmt hat, bis zu Vita dulcedo nicht eingeschlossen fort, übernimmt wieder bei Ad te clamamus. Der Chor [wieder bei] Ad te suspiramus, und so bis zum Ende.
5. Das jedoch, was in den Hymnen, Cantica oder Antiphonen von der Orgel gespielt wird, muss mit erhobener Stimme vom Kantor extra stalla (außerhalb der Stalle) oder von den Kantoren inmitten des Chores vorgetragen werden, damit nicht etwas vom Offizium ausgelassen wird oder Verwirrung entsteht hinsichtlich des vom Chor wiederauszunehmenden Verses.

Donnerstag, 18. August 2011

Odo Casel - eine Kurzbiographie in LQF 98,1

Angelus A. Häußling (Maria Laach) stellt in der kürzlich an dieser Stelle vorgestellten Schrift "Gottesdienst als Feld theologischer Wissenschaft im 20. Jahrhundert" (LQF, Band 98,1) den bekannten Laacher Benediktiner Odo Casel (1886-1948) vor. Die wenige Seiten (236-241) umfassende Würdigung dieses bedeutenden Theologen enthält sehr bemerkenswerte Aussagen über Casels Verständnis von Liturgie und Theologie, die grundsätzlich bedenkenswert bleiben:
"Die hörend-glaubende, ihre Liturgie feiernde Gemeinde ist je und je Zeitgenosse der im Gedenken verkündeten Heilstaten Gottes. [...] Theologie ist Sakramententheologie, Liturgiewissenschaft eigentliche Theologie. Das "Mysterium" ist die Mitte von Gottes Handeln und dem Leben der Kirche." (S. 237)
Ritus, Observanz, Usus - alles das darf nicht in leeres Tun münden, sondern die Liturgie muss über "ein bloßes Erinnern an Geschehnisse der Vergangenheit" (ibid., S. 237) hinausgehen, wenn sie wahrhaft katholisch und "orthodox" sein will. Der Gottesdienst als "eine ethisch hochwertige, auch geschuldete Ehrung Gottes" (ibid.) ist zu wenig, die Spendung der Sakramente als bloßes Mittel zum Zweck völlig unzureichend, um das Geheimnis der Unmittelbarkeit zwischen Gott und Mensch in der Liturgie auszudrücken. Der Begriff des "mysterion" ist ein Versuch, der Unzulänglichkeit scholastischen Denkens beizukommen und der Theologie der Liturgie ein tragendes Fundament zu geben. Odo Casel hatin erheblichem Maße dazu beigetragen, dass dieser Weg weiter beschritten werden kann.

Mittwoch, 17. August 2011

Rituale cisterciense Deutsch - 1. Buch, 13. Kapitel: Vom Gesang und der Psalmodie

Rituale cisterciense (1892), Buch 1, Kapitel 12:
[1.] In einer größeren Gemeinschaft, das Urteil darüber kommt dem Visitator und möglichst dem Vaterabt zu, wird das Offizium mit dem gregorianischen Gesang vollzogen. In einer kleineren aber, das Urteil darüber [steht] demselben [zu], wird in directum [auf einem Ton] psalliert. Der Visitator hat zu entscheiden, was zu singen ist nach den Möglichkeiten und der Beschaffenheit der Gemeinschaft.
2. Immer jedoch und überall werden in directum gesungen: Zu den Nokturnen der Vers Herr, öffne, der Psalm Herr, wie haben sich vermehrt [Ps 3]; [dann] der Psalm Kommt, lasst uns jubeln [Ps 94], wenn er ohne Invitatorium gesungen wird; ebenfalls zu den Laudes der Psalm Gott erbarme sich [Ps 66]. Zur Komplet der Vers Converte nos und alle Psalmen. Dann in allen Horen die Verse Die göttliche Hilfe, Die Seelen der Verstorbenen und die Antiphon Der Heilige Geist mit dem Vers und der Collecta.
3. Wo jedoch gesungen wird, können der Obere und der Kantor entscheiden, wie zu singen ist, sowie auch wann gesungen wird: Doch [soll es so geschehen], dass an der alten Form des Singens, die vom seligen Bernhard überliefert und in unseren Brevieren eingefügt wurde, getreulich festgehalten wird: Kopfstimmiger [sincopationibus] und gekünstelter oder musikalischer [überbetonter?] Gesang ist gänzlich verboten, sowohl in der Messe als auch bei den Prozessionen, sowie bei allen Teilen des Offiziums.
4. Von dieser Form [des Gesangs] aber spricht der ehrwürdige Vater in der 47. Predigt zum Hohelied: Aus unserer Regel etc. Siehe dazu im Brevier.
5. Bei den Versen der Psalmen und Cantica, bei denen zwei Pausen in der Mitte gemacht werden, also die Flexa und der Asteriscus, wird die letzte Betonung [? -> dictio], die der ersten Pause vorangeht, gebeugt und es wird geatmet. Wenn aber diese Betonung einsilbig ist oder ein hebräisches Wort, wird sie auf einem Ton (in directum) ausgesprochen. Bei den Metren [dem Asteriscus nämlich] wird eine doppelte Atmung vollzogen. Am Ende des [gesamten Psalm-]Verses eine einfache. Und diese [kann] größer oder kleiner [sein], das heißt kürzer, aus Gründen der Feierlichkeit des Tages oder des Offiziums. Das Maß nämlich soll dazu dienen, dem Gesang oder der Psalmodie Gravität zu vermitteln und die Frömmigkeit zu erwecken.

Dienstag, 16. August 2011

Neuerscheinung Liturgiewissenschaft

Der 98. Band der Liturgiewissenschaftlichen Quellen und Forschungen (LQF) widmet sich in zwei Teilbänden den großen Persönlichkeiten deutscher Zunge, die im 20. Jahrhundert wesentliche Anstöße zum Ausbau und zur Etablierung der Liturgiewissenschaft als theologischer Disziplin gegeben haben. In alphabetischer, namentlicher Ordnung werden diese Wissenschaftler - und vor allem: Christen vieler Konfessionen! - in Einzelporträts vorgestellt. Dankbar darf man für die Hinzufügung einer Photographie einer jeden porträtierten Person sein; nicht weniger dankbar ist man jedoch für die Übersicht über Leben und Wirken und die Auswahlbibliographie am Ende eines jeden Porträts. Es wird lohnenswert sein, einige dieser Wissenschaftler und Forschenden auch an dieser Stelle vorzustellen - unter ihnen Angehörige des Benediktinerordens und solche, die der benediktinischen Familie sehr verbunden waren. Einige Namen gewürdigter Personen: Anton Baumstark, Urbanus Bomm, Balthasar Fischer, Klaus Gamber, Aemiliana Löhr, Christhard Mahrenholz, Kunibert Mohlberg, Burkhard Neunheuser, Otto Nußbaum, Erik Peterson, Max von Sachsen, Emmanuel von Severus, Anton Thaler, Athanasius Wintersig (L.A. Winterswyl)... Ein Dank an das Abt-Herwegen-Institut (Maria Laach) für diese Veröffentlichung!

Sonntag, 14. August 2011

Responsorium prolixum ad Vesperas Assumptionis B.M.V.

Responsorium prolixum vesperale Assumptionis B.M.V.  (Antiphonarium cisterciense)

Rituale cisterciense Deutsch - 3. Buch, 26. Kapitel: Vom Festtag der Aufnahme [Mariens]

Rituale cisterciense, Buch 3, Kapitel 26:
[1.] Am Vigiltag der Aufnahme [Mariens] feiert der Abt die Messe in der Gemeinschaft mit zwei Dienern, wie an Sonntagen. In der Messe jedoch wird die violette Farbe benutzt, [es wird zelebiert] mit Dalmatiken. Weder Ehre sei Gott in der Höhe noch Alleluia werden gesungen, noch die Präfation der Seligen [Jungfrau], sondern die allgemeine; und nach dem Heilig, [das gesungen wird] im Ferialton, prosternieren sich die Brüder über die Formae wie in den Horen des Offiziums.
2. Am Tag geschieht alles wie an vorgeschriebenen Festtagen des Jahres: Da [nämlich] alle unsere Klosterkirchen zu ihrer Ehre gegründet und geweiht werden. Und vor der Messe findet die feierliche Prozession im ganzen Orden statt mit den Stationen im Kreuzgang.
3. Zudem wird in Frankreich, nachdem die Vesper am Festtag beendet wurde, die Lauretanische Litanei begonnen, mit gebeugten Knienzum Altar gewandt, wie in den Prozessionalien [angegeben]; und wenn die Kantoren bei Heilige Maria ankommen, geht der Konvent, indem Weihrauch vorausgeht, Weihwasser und Kreuz mit [in Albe] bekleideten Kerzenträgern, feierlich durch die Kirche, wie in Buch 1, Kap. 17 [beschrieben], gefolgt vom Oberen, der Stola und Pluviale von weißer Farbe über der albe trägt. Der Obere singt am Ende der Prozession kniend an der Altarstufe die Versikel und stehend die Collecta zum Gelöbnis des allerchristlichsten Königs [von Frankreich]: Alle im Chor knien zusammen nieder, außer Kreuzträger und Akolythen, die mit dem hinter dem Kreuze knienden Subdiakon und Thuriferar an der Presbyteriumsstufe stehenbleiben.