Sonntag, 9. Oktober 2011

Rituale cisterciense Deutsch - 1. Buch, 19. Kapitel: Von der Beweihräucherung (I)





19. Kapitel: Von der Beweihräucherung

[1.] Die Materie des Räucherwerks soll einzig aus reinem Weihrauch bestehen, der einen guten Geruch [verbreitet]; wenn aber etwas hinzugefügt wird, überwiege die Menge des Weihrauchs bei weitem.
2. Wenn er jedoch ins Weihrauchfass einzulegen ist, hält der Thuriferar mit der Rechten das geschlossene Schiffchen mit dem Weihrauch und dem Löffel und trägt das mit glühenden Kohlen gefüllt und geöffnete Rauchfass mit der Linken; er verneigt sich vor dem Zelebranten. Dann nimmt der Diakon am Altar oder der assistierende Priester außerhalb des Altar[bereichs] mit seiner Hand das Schiffchen und legt, nachdem er es geöffnet hat, den leeren Löffel, den er küsst, in die Hand des Abtes oder (in seiner Abwesenheit) in die des zelebrierenden Priesters, die er ebenfalls küsst und spricht: Benedicite Pater Reverende [Sprecht den Segen, Hochwürdiger Vater]. Zum Herrn [Abt] von Cîteaux spricht er Reverendissime [Hochwürdigster].
3. Der Zelebrant steht, auch vor ausgesetztem Allerheiligsten, und nimmt drei Mal den Weihrauch aus dem Schiffchen, entblößten Hauptes (es ist erlaubt außerhalb des Altar[bereichs]) und nachdem er den Löffel empfangen hat; dann gibt er [ihn] drei Mal in das Weihrauchfass, wobei er spricht: Ab illo benedicaris in cujus honore cremaberis. Amen. [Von ihm mögest du gesegnet sein, zu dessen Ehre du verbrannt wirst. Amen.]  Der Thuriferar steht unterdessen zur Linken des Altardieners und hält mit der Rechten den Fuß des vor dem Zelebranten erhobenen Rauchfasses. Der Zelebrant hingegen macht mit der rechten Hand, nachdem er den Löffel dem Altardiener zurückgegeben hat, worauf der seine Hand und den Löffel küsst, das Zeichen des Kreuzes über den Weihrauch im Rauchfass.
4. Auf diese Weise wird immer und überall der Weihrauch eingelegt und gesegnet: Ausgenommen aber, wenn das Allerheiligste Sakrament ausgesetzt ist, [denn dann] wird [der Ritus] des Kusses unterlassen, und auch der Segen [wird unterlassen], wenn außerhalb der Messe ihm [dem Allerheiligsten] Weihrauch dargebracht wird. In Messen für Verstorbene wird gleichfalls [der Ritus] des Kusses unterlassen. Zum Offertorium jedoch in diesen Messen wird mit der eigenen Oration, die an ihrem Ort zu erklären ist, der Weihrauch gesegnet. Zur Elevation der Hostie und des Kelches in der Messe schließlich legt der Thuriferar selbst Weihrauch ohne Segen ein.


Vom Inzens des Altars
5. Nachdem der Weihrauch eingelegt und gesegnet wurde, nimmt der Diakon, wenn sofort inzensiert wird, wie in der Messe üblich, mit der Rechten das geschlossene Rauchfass vom Thuriferar, nachdem er dem Thuriferar das Schiffchen zurückgegeben hat, [und zwar] am oberen Teil der Ketten, und mit der Linken am unteren, wendet sich bald dem Zelebranten zu, küsst den oberen Teil des Rauchfasses und die linke Hand dessen, in die er diesen [Gefäß]-Teil legt, und mit ähnlichem Ritus legt er, nachdem er ihn geküsst hat, den unteren Teil der Ketten in die rechte Hand des Priesters, die der Diakon küsst.
6. Nachdem er das Weihrauchfass so empfangen hat, dass er es leicht führen und zurückziehen kann, beugt der Zelebrant vor dem allerheiligsten Sakrament die Knie mit den Altardienern [zu beiden Seiten => „hier und dort“], die ihm maßvoll die Kasel an den Achseln anheben, darauf inzensiert er aufgerichtet das Kreuz mit dreifachem Ductus, als würde er das Rauchfass ehrfürchtig darbieten; darauf beugt er die Knie wiederum.
7. Dann, wenn Reliquien oder Figuren der Heiligen auf dem Altar aufgestellt sind, inzensiert er diese, [und zwar] zuerst diejenigen, die auf der Evangelienseite stehen, indem er zwei Mal das Rauchfass schwingt, und gleicherweise diejenigen, die auf der Epistelseite stehen.
8. Dann wird der Inzens des Altars fortgeführt, wobei er drei Mal das Rauchfass in gleicher Entfernung von seiner Mitte bis zur Ecke der Epistel[-Seite] schwingt. Dann senkt er die Hand und inzensiert den hinteren Teil dieser Seite mit einem Ductus und mit einem weiteren den oberen. Darauf erhebt der die Hand, wendet sich dem Altar zu und beweihräuchert die Altarplatte mit dreifachem Ductus, als ließe er das Rauchfass kreisen, bis zur Mitte. Wenn er an der Altarmitte vorbeigeht, beugt er die Knie und beweihräuchert in gleicher Ordnung und Weise den anderen Teil dieses [Altars]. Nachdem er jedoch mit ebenso vielen Ductus den oberen Teil, den unteren und die Altarplatte der Evangelienseite inzensiert hat, führt er die Hand abwärts und beweihräuchert, als würde er zurückweichen, die Vorderseite des Altars von der Ecke der Evangelienseite an zur Altarmitte. Dort beugt er die Knie, schreitet zur Beweihräucherung der restlichen Vorderseite und bleibt an der Ecke der Epistelseite.
9. Nachdem er so den Altar inzensiert hat, gibt er das Rauchfass dem Diakon zurück, der dann unterhalb der besagten Ecke steht: Dieser legt die rechte Hand unter die Rechte des Zelebranten, die er küsst, nimmt das Rauchfass am unteren Teil der Ketten, mit der Linken jedoch am oberen, wobei er dessen Handhabe ebenfalls küsst. Dann jedoch tritt er in angemessener Weise zurück, inzensiert drei Mal den Zelebranten, wobei der sich vorher und nachher tief verneigt.
10. Fernerhin sei der Zelebrant, während er beweihräuchert, sich bewusst, dass er nicht den Kopf oder den Körper zugleich mit dem Rauchfass bewegt: Vielmehr hält die Linke bewegungslos die oberen Ketten, während er mit einer würdevollen und schönen Bewegung der Rechten das Rauchfass zugweise und gefällig mit angemessenem Intervall nach vorne und zu sich zurück schwingt. Deshalb bewege er, während er hin- und wieder zurückgeht, den Fuß, der dem Altar näher ist, und gleiche den Schritt dem Zug des Rauchfasses an, so dass Hände und Füße dezent in der Bewegung übereinstimmen.


Von der Beweihräucherung des Evangeliums und der Opfergaben
11. Wenn zum Evangelium Weihrauch genommen werden soll, wird zuerst etwas Weihrauch eingelegt und gesegnet, wie gesagt wurde. Nachdem jedoch der Diakon gesprochen hat Aus dem heiligen Evangelium etc. [und] während der Chor antwortet Ehre sei Dir, o Herr., beweihräuchert er das Buch, nachdem er das Rauchfass aus der Hand des Thuriferars entgegengenommen hat, der zu seiner Rechten etwas hinter ihm steht. [Er beweihräuchert es] zuerst in der Mitte, dann die rechte Seite dieses Buches, drittens schließlich die linke. Nach dem dritten Zug gibt er das Rauchfass dem Thuriferar zurück und singt das Evangelium.
12. Nachdem vom Zelebranten das Komm, Heiligmacher etc. [Veni, sanctificator] gesprochen wurde, wird Weihrauch eingelegt, wie oben gesagt, wenn die Opfergaben zu beweihräuchern sind: Er wird jedoch mit dem eigenen Gebet Auf die Fürsprache [Per intercessionem] gesegnet, wie im Messordo [angegeben]. Nachdem er sofort (wie wir gesagt haben) das Rauchfass entgegengenommen hat, ohne dass eine Ehrbezeigung gemacht wurde, zeichnet er (auch wenn das Allerheiligste Sakrament ausgesetzt ist) dreimal mit dem Rauchfass das Kreuz ab über Kelch und Hostie zugleich. Darauf umkreist er zweimal Kelch und Hostie von rechts nach links und einmal von links nach rechts.
13. Bei einem jeden Inzens aber betet er die folgenden Worte: Beim ersten Kreuzzeichen spricht er: Dieser Weihrauch [incensum istud], beim zweiten von dir gesegnet [a te benedictum], beim dritten steige, Herr, zu dir auf. [ascendat ad te Domine]. Beim ersten Umkreisen Und laß herabkommen [Et descendat], beim zweiten auf uns [Super nos]. Beim dritten Deine Barmherzigkeit [Misericordia tua].
14. Nach einer Kniebeugung und nachdem vom Diakon der Kelch beiseite gestellt wurde, inzensiert er aufgerichtet dreimal das Kreuz und beugt wiederum die Knie. Wenn er auch den Altar beweihräuchern muss, (wie es an Sermo-Festen und bei feierlichen Messen geschieht) beginnt er mit den Worten des Gebets Wie Weihrauch steige [Dirigatur] etc. und inzensiert das Kreuz, wie im Messordo angegeben. Und er fährt mit dem Inzens fort, wie oben unter Nummer 7, wobei er das Gebet so verteilt, dass es zugleich mit der Beweihräucherung beendet ist. Nachdem dies [so] vollzogen wurde, gibt er das Rauchfass dem Diakon zurück und spricht: Der Herr entzünde [Accendat] etc.
15. An Festen mit 12 Lektionen, während der feierlichen Oktaven und an Tagen mit zwei Messen (MM.) gibt der Zelebrant, nachdem er das Kreuz inzensiert hat, das Rauchfass dem Diakon zurück, ohne etwas zu sagen, und wäscht sich die Hände.

Von der Beweihräucherung der Personen
16. In feierlicheren Messen, nachdem der Altar zu Beginn der Messe beweihräuchert wurde, wird der Zelebrant mit dreifachem Zug vom Diakon inzensiert; gleicherweise auch nach dem Evangelium, wenn der Abt nicht im Chor sein sollte; wenn er jedoch anwesend ist, wird keiner von beiden beweihräuchert.
17. Wenn nach den Opfergaben auch der Altar inzensiert wird, hält der Diakon, nachdem er den Zelebranten wie oben beweihräuchert hat, das Rauchfass, beugt die Knie an der Altarstufe und begibt sich zur Presbyteriumsstufe, wo er stehend auf der Abtsseite zuerst den Abt selbst mit dreifachem Zuge inzensiert. Darauf den Kantor (wenn er mit dem Pluviale bekleidet ist) und nachher seine Chor[seite] mit doppeltem Zug. An dritter Stelle [inzensiert er], auf der Priorseite stehend, den Sukzentor, dann dessen Chor[seite]. An vierter Stelle [inzensiert er], nachdem er zur Altarstufe zurückgekehrt ist, auf der Evangelienseite den Subdiakon, dem er dann zugewendet steht. An fünfter Stelle wird er selbst, an seiner Stufe stehend, vom Thuriferar  ebenfalls mit doppeltem Zug inzensiert. Dann beweihräuchert der Thuriferar einen jeden der Akolythen mit einfachem Zug.
18. Wenn vielleicht ein zu beweihräuchernder Prälat anwesend sein sollte, zum Beispiel ein Kardinal, ein Legat oder ein apostolischer Nuntius, ein Erzbischof oder ein Bischof, [wird so verfahren]: Wenn er mit Mitra und Pluviale angetan ist, wird er zu Beginn der Messe nach dem Zelebranten inzensiert, nach dem Evangelium und zum Offertorium. Wenn er jedoch in gewöhnlicher Kleidung der feierlichen Messe beiwohnt, wird er nur nach den Opfergaben und nach dem Zelebranten beweihräuchert, [unf zwar] in dieser Ordnung: 1. natürlich (wenn es mehrere sind) der Kardinal, 2. der Legat oder apostolische Nuntius, 3. der Erzbischof, 4. der Bischof, 5. der benedizierte Abt. Doch wenn der Kaiser oder König anwesend sein sollte, wird er beweihräuchert vor dem Bischof oder Erzbischof. Doch in diesen Fällen sollen deren Kapläne und der Brauch befragt werden.
19. Das Allerheiligste Sakrament, das Kreuz, der Zelebrant, der König und die Prälaten werden mit dreifachem Zug inzensiert. Der Chor und die [geweihten] Altardiener mit doppeltem Zug, die Akolythen nur mit einfachem Zug.
20. Der Beweihräuchernde und der Beweihräucherte sollen einander zugewandt stehen und sich gegenseitig mit der Verneigung des entblößten Hauptes grüßen, wobei die Würde zu bedachten ist. Denn der Größere / Gewichtigere wird sich vor dem Kleineren / Unbedeutenderen nur leicht verneigen, und der gewichtigste inzensierte Prälat segnet den Beweihräuchernden: Wenn er die Mitra gebraucht und (liturgisch) bekleidet ist, soll er sie auf dem Haupt tragen, ausgenommen, wenn er nach dem Evangelium inzensiert wird.

Montag, 3. Oktober 2011

Klaus Gamber - ein Priester, Forscher und Kritiker

Msgr. Dr. Dr. Klaus Gamber (1919-1989)
 Die "Liturgiewissenschaftlichen Quellen und Forschungen", Band 98, stellen in ihrer Publikation "Gottesdienst als Feld theologischer Wissenschaft im 20. Jahrhundert", wie schon berichtet, viele eminente Liturgiewissenschaftler in Kurzbiographien vor. Auch Klaus Gamber gehört zu ihnen, obwohl der Laacher Benediktiner P. Angelus A. Häußling gleich zu Beginn seiner Zeilen ausführt, wie umstritten und streitbar der 1989 plötzlich Verstorbene war. Gleichwohl ist dem Verfasser eine Würdigung gelungen, die den Zuspruch des Gewürdigten gefunden hätte. Wiederholt führt Häußling aus, wie fleißig Gamber seine Forschungen betrieb und wie zahlreich seine Publikationen waren, die er, oft in eigens von ihm gegründeten Reihen, der Öffentlichkeit übergab. Klaus Gamber hatte einen eigenwilligen Stil, in der Forschung argumentativ weiterzukommen: Nicht selten waren es Vermutungen, von ihm selbst angestellt, die seine weiterführenden Thesen stützen sollten. Auch das ist manchmal vonnöten, gerade wenn man, wie Gamber, vor allem die Zeit vor dem Jahr 1000 beleuchtet. Weshalb Gamber hier vorgestellt wird, liegt deshalb aber auf der Hand: Seine Fleißarbeit "Codices liturgici latini antiquiores" versammelt die für die abendländische Liturgiegeschichte wesentlichen Quellen. Zudem gehörte die "Alt-Gallikanische" Liturgie zu den besonderen Interessengebieten von Msgr. Klaus Gamber, ein Umstand, der ihn empfänglich gemacht hat für die geistliche Dimension des spätantiken Christentums.

Freitag, 30. September 2011

Rituale cisterciense Deutsch - Index der Bücher I - VIII

Titelblatt des Rituale cisterciense von 1892. Photo: Cistopedia

In der Zisterzienser-Enzyklopädie Cistopedia ist das gesamte Inhaltsverzeichnis des Rituale cisterciense von 1892 in deutscher Übersetzung als pdf-Datei abruf- und recherchierbar.

Dienstag, 27. September 2011

Rituale cisterciense Deutsch - 1. Buch, 18. Kapitel: Von der heiligen Eucharistie, dem Krankenöl und den Reliquien der Heiligen


Rituale cisterciense (1892), Buch 1, Kapitel 18:
Eucharistische Reserve, Abbaye d'Hauterive
[1.] Die Hostien werden aus nichts als reinem Weizen hergestellt, nach dem Ritus, der weiter unten anzuführen ist: Und die heilige Eucharistie soll unter sicherem Verschluss ehrerbietig aufbewahrt werden in einer silbernen Pyxis, die innen vergoldet ist, soweit das geschehen kann.
2. Dieses Gefäß oder Ciborium wird als ganzes mit einem kostbaren weißen Velum bedeckt; und innen sei ein sehr reines Leinentuch (Corporale), in das einige konsekrierte Hostien gelegt werden, die man jeden Sonntag zur ersten oder zweiten Konventmesse erneuert. Dieses Leinentuch soll jedes Jahr am Gründonnerstag gewechselt werden. Nichtsdestotrotz wird der Fuß dieser Pyxis auf ein anderes Corporale im Tabernakel abstellt, sei er aufgehängt oder feststehend.
3. Das Krankenöl wird geziemend aufbewahrt in einem gesonderten Schrank und in der Nähe des Hochaltars in einem silbernen Gefäß, zusammen mit den Wergstücken und dem anderen Zubehör zur Letzen Ölung. Und in jedem Jahr in der Osterzeit wird es erneuert, wobei das alte über der Piscina oder dem Sacrarium verbrannt wird, in das die heilige Asche geschüttet wird.
4. Auch die Reliquien der Heiligen werden ihrer ihnen geschuldeten Verehrung und Ehrerbietung nicht entblößt, sondern in sicheren und angemessen geschmückten Schränken verwahrt, von wo sie nur dann weggetragen werden sollen, wenn sie zur feierlichen Messe am ersten Adventssonntag und an Feiertagen mit Predigt [Sermo-Festen] und wenn Professfeiern stattfinden nach dem folgenden Ritus auf den Hochaltar übertragen werden.
5. Ein Priester, mit der Stola über der Kukulle, geht, nachdem vorher zwei Kerzen entzündet wurden, zum Schrank, in dem die Reliquien aufbewahrt werden, und nimmt sie, nachdem er den Schrank geöffnet und sich entblößten Hauptes tief verneigt hat, ehrfürchtig, indem er sie mit beiden Händen trägt, angefangen bei den vornehmeren. Diejenigen, die die Kerzen tragen, gehen ihm dann voran und er begibt sich zum Altar, [wobei] er mit ihnen abwechselnd Psalm 150 rezitiert: Laudate Dominum in Sanctis eius [Lobt den Herrn in seinen Heiligen] und ähnliche. Nachdem er am Altar angekommen ist, beugt er nicht die Knie, sondern verneigt sich nur an der Stufe; darauf aber steigt er hinauf und ordnet sie [die Reliquien] so an, dass die ehrwürdigeren immer näher beim Kreuz stehen und niedriger als dieses. Niemals nämlich sollen sie höher sein als das Allerheiligste Sakrament oder das Kreuz. Solange jedoch die Reliquien dort stehen, sollen zwei Kerzen auf dem Altar brennen.
6. In gleicher Weise und gleicher Ordnung sollen sie nach der Messe vom Priester wieder in ihren Schrank zurückgetragen werden. Von der Aussetzung des Allerheiligsten Sakraments wird weiter unten gesprochen, im 3. Buch, wo sein Fest [Fronleichnam] behandelt wird.

Samstag, 24. September 2011

Rituale cisterciense Deutsch - 1. Buch, 17. Kapitel: Von den Prozessionen (II)

Rituale cisterciense (1892), Buch 1, Kapitel 17 (7-12):

7. Nachdem sie sich bereitet haben, gehen sie aus der Sakristei hinaus und stellen sich vor dem Altar auf, der der erste Halt beim Presbyterium ist; sie wenden sich dem Eingang des Chores zu, und zwar so, dass der Thuriferar an erster [Stelle] steht, der Subdiakon an zweiter, der Diakon als letzter zwischen zwei Akolythen, die ihm etwas vorausgehen mit den Kerzen.
8. Zwischenzeitlich zieht der Zelebrant, nachdem der Vers Die göttliche Hilfe gesungen wurde, das Pluviale an, nach der Terz oder einer anderen [Hore], wobei ihm der Hebdomadar der vorherigen [Woche] oder ein anderer Altardiener hilft. Und während er vom Altar die Reliquien empfängt, die in den Händen getragen werden: [,] geht der Thuriferar zum Abt oder, wenn er abwesend ist, zum Zelebranten, der mit dem Pluviale bekleidet ist und an der Altarstufe steht, damit dieser, bevor er die Reliquien empfängt, Weihrauch einlegt und segnet nach dem Ritus, der weiter unten beschrieben wird.
9. Nachdem sie sich so aufgestellt haben, oder auch schon eher, und nachdem der Kantor die Antiphon oder das Responsorium angestimmt hat, gehe der Thuriferar hinaus, [wobei] er in der linken Hand das geschlossene Schiffchen hält und mit der rechten das Rauchfass leicht hin und her schwenkt. Der Subdiakon, mit dem Weihwasser in seiner Linken, besprengt mit der Rechten den Weg. Und der Diakon [geht] mit dem Kreuz, das er mit beiden Händen erhoben trägt ([wobei] das Bild Christi immer zum Konvent zeigt), zwischen den Akolythen, die ihm mit den Leuchtern ein wenig vorangehen sollen zu seiner Rechten und Linken: Es folgt der Konvent, [wobei] die jüngeren Mönche vorangehen, in der Weise, dass der Zelebrant und der Abt hinter dem Zelebranten alleine hinterher geht. Und nach ihm [folgen] die Novizen, nach den Novizen die Laienbrüder oder Konversen, zwei zu zwei; danach [folgen] die Gäste und die ‚Familia’ [die Mitarbeiter etc.].
10. Wenn ein einziges Responsorium [vorgesehen ist], wird es gedehnt gesungen, damit es ausreichend ist mit der folgenden Antiphon, bis alle [wieder] in den Chor eingetreten sind; dann wird der Introitus der Messe begonnen. Und, wenn es nötig sein sollte, fügt der Kantor den Vers Ehre sei dem Vater hinzu mit der üblichen Wiederholung vor der Antiphon, die beim Einzug in die Kirche angestimmt wird.
11. Wenn Stationen gehalten werden, sei die erste in dem Abschnitt des Kreuzgangs, der nahe beim Dormitorium ist; und zwar so, dass diejenigen, die in der Mitte des Zuges sind, vor dem Kapitelsaal stehen: Dann wenden sich der Diakon, die Akolythen, der Subdiakon vor dem Diakon und der Thuriferar vor dem Subdiakon um und stehen mit dem Gesicht und dem Bild des Gekreuzigten zum Konvent gewendet, der hier und dort ebenfalls einander zugewendet steht: Ausgenommen der Abt oder der Zelebrant, die ihr Gesicht zum Kreuz gewendet halten und [so] stehen.
12. Nachdem die erste Station beendet wurde, wie in den Processionalia vorgesehen, und nachdem der folgende Vers oder das Responsorium begonnen wurde, machen sich die Brüder wieder auf den Weg, wie vorher gesagt, und in gleicher Weise wird die zweite Station beim Refektorium gehalten: Darauf geht man weiter zur dritten im ‚Lesegang’ (Kollationsgang) bei der Kirche: Wenn der Abt oder (in seiner Abwesenheit) der Kantor jedoch die Antiphon angestimmt hat, treten alle singend in die Kirche ein; und nachdem die Antiphon gesungen wurde, wird die Messe vom Kantor angestimmt, während die Altardiener und der Zelebrant geradewegs in die Sakristei gehen und sich vorbereiten, um zum Altar zu gehen, auch [dann], wenn die Tabula für einen Verstorbenen geschlagen wird.

Montag, 19. September 2011

Rituale cisterciense Deutsch - 3. Buch, 27. Kapitel: Vom feierlichen Tricenarium und den vorgeschriebenen Totenoffizien

Rituale cisterciense (1892), Buch 3, Kapitel 27:

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[1.] Am 17. September (auch wenn es ein Sonntag ist), wenn alle im Kapitelsaal versammelt sind, verbeugt sich der Leser nach der Lesung der Regel und der Kapitelsbeschlüsse, nachdem er das gewöhnlich [stattfindende] Gedächtnis der verstorbenen Brüder ausgelassen hat, und geht an seinen Platz. Der Kantor jedoch tritt zu demjenigen, der dem Kapitel vorsteht, verneigt sich mit entblößtem Haupt und singt stehend im Lektionston:
Sprecht die Seelen unserer Brüder, Schwestern, Familiaren und Wohltäter los, die in diesem Jahr verstorben sind.
Nachdem er das gesungen hat, verneigt er sich wiederum und kehrt zu seinem Sitz zurück.
2. Bald darauf singt der Obere, der zusammen mit dem Konvent aufrecht steht, mit entblößtem Haupt, indem er am Schluss eine Flexa macht:
Die Seelen unserer Brüder, Schwestern, Familiaren und Wohltäter, die in diesem Jahr verstorben sind, mögen ruhen in Frieden. ¶
Nach der Antwort ‚Amen’ wenden sich alle, die vorher einander zugewandt standen, nach Osten oder zum Sitz des Oberen, und singen wechselseitig, vom Kantor angestimmt, mit der Flexa den Psalm De profundis [Aus den Tiefen]. Nach dem Vers Requiem aeternam [Ewige Ruhe] beginnt der Kantor:
Kyrie eléyson.
Und alle werfen sich (auch am Sonntag) nieder, wie oben in Kapitel 8 und fügen hinzu:
Christe eléyson, Kyrie eléyson.
Und still Vater unser  etc. [worauf] am Ende der Obere, bis dahin niedergeworfen, singt:
Und führe uns nicht etc.
A porta inferi. ¶
Requiescant in pace. ¶
Domine exáudi, etc.
Und sich zum Der Herr sei mit euch erhebend, singt er aufgerichtet:
Orémus. ¶ Deus véniae, etc. mit vollständiger Konklusion.
3. Danach sitzen alle wie vorher und der Kantor singt ‚in directum’ [auf einem Ton], nachdem er in gleicher Weise wieder zum Oberen gegangen ist:
Sprecht die Seelen unserer Väter, Mütter, Brüder, Schwestern und aller unserer Verwandten los, die in diesem Jahr verstorben sind.
Der Obere antwortet sitzend:
Sie mögen ruhen in Frieden, und der Konvent [antwortet]: Amen.
4. Nachdem darauf Benedicite gesagt worden ist von demjenigen, der vorsteht, mache der Kantor, wenn ein Verstorbener zu absolvieren oder ein [Toten-]Breve für ihn zu lesen oder sein ‚Dreißigster Tag’ zu kommemorieren ist, dies in gewohnter Weise. Der Obere aber erinnert an die [Gebets-]Verpflichtung, die wir gegenüber den Verstorbenen einhalten; ‚von der Ordnung [unseres Ordens]’ wird gesprochen wie zu anderer Zeit; und endlich, nachdem alles behandelt wurde, was zu behandeln war, beginnt der Kantor De profundis etc. ‚in directum’ [auf einem Ton] und der Obere singt am Ende die Collecta Fidelium anstelle von Deus veniae, die schon gesungen wurde.
5. Fernerhin fällt unter die obige Verpflichtung: 1° dass an diesem Tag des 17. [September] zur Vesper das Feierliche Tricenarium begonnen wird, es sei denn, dass vielleicht am folgenden Tag ein vorgeschriebener Fasttag ist, also die Quatember[-woche] oder der Vigiltag des hl. Matthäus; oder dass darauf ein Sonntag oder ein Festtag mit 3. Lektionen fällt. Wenn das eintritt, wird das Offizium bis nach der Vesper jenes Tages, des Festes oder des Sonntags, verschoben, und am folgenden Tag werden die Laudes und die Messe, die dritte in der Ordnung, feierlich gesungen, wie auch die Vesper und die entsprechende Nokturn am Vortag, mit der einzigen Collecta Deus veniae. 2° Während des Tricenariums wird diese Collecta Deus veniae als erste in allen Messen und Totenoffizien gesungen, die nicht für einen gegenwärtigen [also noch nicht begrabenen] Verstorbenen sind oder von irgendeinem Jahresgedächtnis sind, und in den Ferialmessen oder [in solchen] von einem kommemorierten Heiligen, für den eine Eigenmesse gefeiert wird, singt man sie an zweiter Stelle. Nicht jedoch an Festen mit 3 oder 12 Lektionen. 3° Ein jeder Priester des Ordens soll 20 Messen privat für jene [Verstorbenen] feiern, außer jenen, die am Tag dieses Jahresgedächtnisses oder anderer - Feierlicher oder monatlicher – Jahresgedächtnisse gesungen werden sollen. Auch Kleriker sollen zehn Psalterien [die 150 Psalmen] mit den Vers Requiem am Schluss des letzten der Psalmen, die sie beten, rezitieren; und die Konversen 1500 Herrengebete [Vaterunser] oder ebenso viele Miserere [Ps. 50]. 4° Drei ‚Präbenden’ [hier: ‚Dargereichtes’] werden an jedem Tag des Tricenariums im Refektorium für die Verstorbenen offeriert, nachdem dem Oberen aufgetischt wurde; diese ‚Präbenden’ werden an den dazu bestimmten Ort gestellt oder jedenfalls an die rechte Seite des Haupttisches und werden vom Pförtner des Klosters nach der Mahlzeit weggenommen und an die Armen verteilt.
6. Auch an Allerseelen, dem 2. November, am Gedächtnistag unserer Eltern, dem 18. November, dem der Oberen des Ordens, dem 28. Januar, und der unter der Regel [gelebt habenden] Personen des Ordens, dem 21. Mai, halten wir ein feierliches Offizium mit Vesper, Nokturn und Messe; und wenn einer dieser Tage auf einen Montag oder den Folgetag irgendeines Festes fällt, wird nach der regulären Vesper [des Sonn- oder Festtags] die Totenvesper feierlich gesungen. An diesen Offizien und Ähnlichem sollen alle teilnehmen, wenn sie nicht aus schwerwiegendem Grund verhindert sind. Und die einzelnen Priester, der Hebdomadar ausgenommen, sind gehalten, für diese [Verstorbenen] an jenem Tag [die Eucharistie] zu feiern: Und der Hebdomadar [soll in der Messe] von der Seligen [Jungfrau Maria] die zweite Collecta von diesen [Verstorbenen] singen.
7. Fernerhin werden in jedem feierlichen Totenoffizium die Psalmen stehend und ein wenig langsamer gesungen, das Vaterunser wird von den Brüdern über die Miserikordien verneigt vor den Lesungen der Nokturn gesprochen; diese [Brüder] sitzen später zu den Lesungen, die der Invitator singt, wie es [sonst] üblich ist. Doch das dritte Responsorium beginnt der Kantor und dessen Vers singt er stehend; wenn er dessen Beginn wiederholt, stehen alle auf und stehen bis zum Herrengebet [Vaterunser], das still zu sprechen ist, mit dem folgenden Psalm und der Collecta, entweder über die ‚Formen’ oder über die Miserikordien [verneigt], je nach Festrang des Regularoffiziums, und der Hebdomadar selbst singt den Vers Reciescant nach der Collecta: nicht jedoch der Kantor. Zur Messe werden das Responsorium Si ambulem oder Requiem und der Tractus Absolve gemeinsam von beiden Chorseiten gesungen, wobei der Kantor beginnt: und nach dem Sanctus knien wir uns über die ‚Formen’ gebeugt, wenn die [liturgische] Zeit die Kniebeugung erlaubt. Alles übrige geschieht, wie wir oben in Kap. 5 gesagt haben.
8. Am Ende der Messe findet keine Absolution an der Bahre statt, die nicht herbeigebracht werden soll, außer in den Fällen, die im 5. Buch angegeben sind. Nur an Allerseelen, am 2. November, wird eine Prozession gehalten nach folgendem Ritus.
9. Auf der Epistelseite zieht der Zelebrant das Messgewand aus und kleidet sich in ein Pluviale [Chormantel], und wenn er an der Altarstufe steht, legt er Weihrauch ins Weihrauchfass ein, ohne Segen oder Kuss, wobei ihn der Subdiakon unterstützt: Dann nimmt der Diakon das Prozessionskreuz, das dort vom Sakristan bereitgestellt wurde, und der Chor in den Stallen fährt fort mit dem R[esponsorium] Libera me etc, wobei der Kantor beginnt. Darauf folgt der Konvent in der Ordnung dem vorangehenden Thuriferar und dem [darauf folgenden] Diakon mit dem Kreuz und den Kerzenträgern, wie im 1. Buch, Kap. 17 [beschrieben] und hält die Prozession durch den Kapitelsaal, den Kreuzgang, die Kirche und den Friedhof. An diesen [Orten] geht der Abt mit dem Weihwasserwedel umher und besprengt mit der rechten Hand die Gräber auf dem Weg, und der Subdiakon zu seiner Rechten, ein wenig hinter ihm, hebt mit der Linken den vorderen Teil seines Pluviales an, und mit der Rechten hält er das Gefäß mit dem Weihwasser. Die in den Büchern verzeichneten Responsorien werden jedoch so getragen gesungen, dass beim Ausgang des Friedhofs die sieben Bußpsalmen vom Kantor begonnen werden können. Der Konvent rezitiert sie wechselseitig und mit Gravität, und geht in die Kirche zurück durch die Tür, durch die man auf den Friedhof geht; und diese Psalmen beendet er [der Konvent] auf der Presbyteriumsstufe kniend, wie oben in Kap. 17 [beschrieben], indem er den Vers Requiem etc. am Ende des letzten [Psalms] hinzufügt. Inzwischen legt der Zelebrant, der mit dem Kreuz und den anderen Altardienern in die Sakristei zurückgekehrt ist, [die Gewänder] ab. Danach aber kniet er an seiner Stelle [in der Rangordnung] nieder und singt mit den anderen die Psalmen weiter. Am Schluss richtet er sich vor der Altarstufe auf die Knie auf und singt die Versikel A porta, Domine exaudi, Dominus vobiscum, die Collecta Fidelium und Requiescant in pace: nachdem ihm alle geantwortet haben Amen, stehen sie auf und entfernen sich.

Mittwoch, 14. September 2011

Erhöhung des Hl. Kreuzes - Exaltatio S. Crucis

Antiphonarium cisterciense. Paris 1737

Das Kreuz des Erlösers hat für die Zisterzienser eine herausragende Bedeutung: In der Frühzeit des Ordens war es das einzige Bild, das in ihren Klöstern vorhanden war. Umso mehr wurde es verehrt. Die Kreuzverehrung am Karfreitag wird in den Ecclesiastica Officia auch "adoratio Crucis" genannt. Die Benedictusantiphon des Festes der Erhöhung des hl. Kreuzes wird während der Kreuzverehrung des Karfreitags gesungen. Sie begleitet und deutet dort aus, was in der Kreuzverehrung geschieht.
"Erhabener als aller Zedern Holz bist du, an dem das Heil der Welt hing, an dem Christus triumphierte und der Tod den Tod überwunden hat. Alleluia."