Donnerstag, 23. Februar 2012

Rituale cisterciense Deutsch (1892), 3. Buch, 18. Kapitel: Von der Zeit der Quadragesima [Fastenzeit]

"Cortina" (Fastentuch) in der ehem. Abteikirche Marienfeld (Westf.), ca. 18. Jahrh., Photo: Daniel Brockpähler, Wikipedia


Rituale cisterciense (1892), Buch 3:

18. Kapitel: Von der Zeit der Quadragesima
[1.] Am Aschermittwoch wird keines Heiligen gedacht, wessen Festtag auch immer sei, noch wird irgendeine Votivmesse gesungen. An anderen Festtagen außerhalb der Karwoche werden, wenn ein Fest mit zwölf Lektionen gefeiert wird, zwei Messen im Konvent gesungen; die erste vom Festtag nach der Terz ohne Kommemoration oder Evangelium des Wochentags am Ende; die andere vom Wochentag nach der Non, mit vorheriger Antiphon Sub tuum [Unter deinem Schutz], mit der üblichen Prostration an den Formen, wo gesungen wird. In einer kleineren Gemeinschaft hört der Konvent diese zur Gänze mit gebeugten Knien im Chor.
2. Zum Vers Adjuva nos [Hilf uns] während des Traktusgesangs der Quadragesima beugen wir die Knie vor den Formen, und gleicherweise zur Oration über das Volk bis zum letzten Der Herr sei mit euch, [dieser Gruß] ausgenommen, zu dem wir aufstehen und dem Brauch nach zum Altar gewandt stehen.
3. An einem jeden Freitag, wenn nicht durch ein Fest mit 12 Lektionen behindert [und] ausgenommen der Karfreitag, beginnt der Kantor nach dem Psalm De profundis [Aus den Tiefen], der Oration und dem Vers Requiescant [Sie mögen ruhen] die sieben Bußpsalmen: Und mit dem den Wochendienst ausübenden Diakon, der das enthüllt Prozessionskreuz genommen hat [und] ohne Kerzen[-begleitung] im Mönchskleid [Kukulle] voranschreitet, umkreist der Schuhe tragende Konvent in Prozession den Kreuzgang [und] geht langsamen Schrittes in die Kirche, so dass [alle] beim Eingang des Chores die Psalmen, welche sie abwechselnd und auf einem Ton [„in directum“] ohne Ehre sei dem Vater singen, abschließen. Sie fügen am Schluß des letzten [Psalms] den vorgenannten Vers Ehre sei ohne Verneigung an.
4. So in den Chor eingetreten, singen sie die Antiphon Ne reminiscaris [Denke nicht an] [und] nachdem die Cortina [das Fasten- oder Hungertuch, der Fastenvorhang] weggezogen wurde, prosternieren die Priester an der Presbyteriumsstufe, so dass sich die älteren in der Mitte befinden, und beide Chöre einander zugewandt an der Seite, mit dem Arm den Kopf abstützend. Die Juniores prosternieren gleicherweise hier und dort im Novizenchor, doch nicht in derselben Linie; die Kranken [prosternieren] im Hinteren Chor, die Novizen außerhalb des Chores und die Konversen (so sie anwesend sein sollten) in ihrem Chor, das ist im Schiff der Kirche.
5. Der Obere hingegen, in der Mitte der Altarstufe und er selbst auf Knien, beginnt die Litanei, wie im Kollektar [angegeben], und der Chor wiederholt das, was er singt, bis zum Vers Pater de coelis Deus [Gott Vater im Himmel]. Dann nämlich und zu den folgenden Versen antwortet [der Chor] nur Miserere nobis [Erbarme dich unser] oder Ora pro nobis [Bitte für uns]. Nachdem die Orationen vom knienden Oberen gesungen wurden, stehen alle auf, verneigen sich vor dem Altar und entfernen sich.
6. Am Samstag vor dem ersten Sonntag [der Quadragesima] und darauffolgend (die Sonntage ausgenommen) wird die Vesper am Ende der Messe vom Fasten gesungen, vor der Mahlzeit. Der [Fasten-]Vorhang [Cortina] wird vor dem Presbyterium aufgehängt und die Kreuze und Bildnisse werden nach der Komplet ebendieses [ersten] Sonntags verhüllt.
7. Der [Fasten-]Vorhang wird jedoch nicht an Festtagen mit 12 Lektionen und an Sonntagen ausgebreitet, [das heißt: nicht] von der ersten Vesper bis zum Ende der Komplet des Festtages oder Sonntags, sowie nicht zur Messe des Wochentags, die gesungen wird nach der Non an Festtagen. An Wochentagen wird er sodann weggezogen zur Elevation des Sakraments während der Messe, zur Litanei nach der Prozession am Freitag, zur Segnung eines Novizen, zur feierlichen Messe oder zu Exequien, wenn ein Verstorbener anwesend ist, bis die sieben Bußpsalmen nach dem Begräbnis beendet sind, wenn ein Bischof der Konventmesse beiwohnt und bei ähnlichen [Gelegenheiten].
8. Gleicherweise wird das Kreuz enthüllt, wenn es in Prozession mitgetragen oder zum Kommunionempfang oder zur Salbung eines Kranken, zum Begräbnis der Verstorbenen etc. [vorangetragen] wird, bis es wieder an seinem Ort aufgestellt wird.
9. An allen Tagen, an denen die Vesper vor der Mahlzeit gesungen wird, zur fünften nachmittäglichen Stunde, kommt ein jeder der Brüder, wenn der Sakristan zum Biberes [Trunk] das Zeichen in der Kirche gegeben hat, in den Chor. [Er] bringt dem Herrn ein schlichtes, privates Gebet mit gebeugten Knien vor seiner Stalle zum Altar gewandt dar, indem er still die Suffragien [Bittgebete] der Quadragesima Tribularer etc. spricht.
10. An jenem ersten Sonntag [der Quadragesima], während die Matutinalmesse gesungen wird, trägt der Kantor, dem die vom Prior zugewiesenen Brüder helfen, die vom Oberen am vorhergehenden Samstag ausgewählten Bücher in den Kapitelsaal und ordnet sie auf einem Tisch, der mit einer Decke oder einem Tuch ehrenvoll und geziemend bedeckt ist, so vor dem Sitz des Abtes an, dass die einzelnen [Bücher] auf der Seite des jeweiligen Chores liegen, an den sie ausgeteilt werden sollen, [zusammen] mit den Namen der Brüder, denen sie zugedacht sind.
11. Nachdem alle also im Kapitelsaal nach der Messe versammelt sind, auch die Kranken, die dasein können, und wenn die gewöhnlichen Gebete gesprochen wurden, wird aus der Regel De Quadragesimae observatione [Die Beobachtung der vierzigtägigen Fastenzeit] etc. gelesen, wie im 1. Buch, Kapitel 22 [beschrieben, und] nachdem dies nach der Kommemoration der Verstorbenen ausgelegt wurde, geht der Kantor auf Weisung des Abtes mit seinem Helfer zum Tisch, verneigt sich zuerst vor dem Oberen selbst und nimmt das bezeichnete Buch entblößten Hauptes mit beiden Händen vom Tisch [und] übergibt es ihm ehrfürchtig, indem er sich vorher und nachher verneigt. Der Sukzentor verhält sich ebenso und gibt das Buch dem Prior; und danach verteilen sie hier und dort die Bücher nach demselben Ritus. Die Einzelnen jedoch, die die Bücher, ebenfalls mit beiden Händen, in Empfang nehmen, verneigen sich aus Freude über die göttlichen Schriften tief und frohgemut.
12. In den Messen während der Zeit der ganzen Quadragesima gebrauchen die Altardiener keine Dalmatiken, außer am vierten Sonntag. Am Passionssonntag [5. Sonntag in der Fastenzeit] zum Introitus warten die Diener nicht, wie üblich, die Zeit ab, um in den Chor einzutreten, sondern, sobald sie hören, dass der Vers des Psalms nach dem Introitus angestimmt wird, treten sie sofort ein und gehen zum Altar, nachdem sie sich vor der Presbyteriumsstufe wie gewohnt verneigt haben. Und auch während des letzten Responsoriums einer jeden Nokturn stehen alle auf, da nach der Wiederholung kein Ehre sei dem Vater gesungen wird, bis zum Osterfest, wenn der Kantor es von Neuem aufnimmt, und bleiben stehen, wie während des feierlichen Totenoffiziums.

Samstag, 18. Februar 2012

Rituale cisterciense Deutsch (1892), 3. Buch, 17. Kapitel: Vom Beginn der Fastens

Rituale Cisterciense (1892) - 3. Buch, 17. Kapitel: Vom Beginn des Fastens
[1.] Am Mittwoch des Fastenbeginns (i.e. am „Aschermittwoch“] werden die Terz und die Sext im unteren Chor gesungen, zur Mitte der achten Morgenstunde, und die Brüder sind frei für die Lesung bis zur Non, deren erstes Zeichen zur zehnten Stunde gegeben wird. Der Sakristan jedoch stellt die zu segnende Asche in einem Gefäß zusammen mit dem Weihwasser und dem Weihwasserwedel auf einen Schemel, der mit einem Leinentuch bedeckt ist, [und zwar] rechts vom Analogium, das in der Mitte der Presbyteriumsstufe steht. Die Asche soll hergestellt werden aus den am vorhergehenden Palmsonntag gesegneten Zweigen oder aus anderen verbrennbaren Dingen.
2. Um die elfte [Stunde], nachdem das gewöhnliche Zeichen gegeben wurde, wird die Non im unteren Chor gesungen, während der Obere und die Altardiener sich in der Sakristei in die angemessenen Gewänder kleiden, das heißt der Obere [bekleidet sich] mit Stola und violettem Pluviale über der Albe, der Diakon mit der Stola, die übrigen nur mit der Albe.
3. Nachdem die Non gesungen wurde, ziehen alle außerhalb des Chores die Schuhe aus und gehen, nachdem sie die Nachtschuhe oder Sandalen [dort] zurückgelassen haben, in den oberen Chor, wo sie sich in der Ordnung aufstellen, wie zur Messe üblich, zum Altar gewandt. Danach, wenn der Kantor die Antiphon Exurge [Erhebe dich] anstimmt, wenden sie sich einander zu und setzen sie fort, während der wie oben ausgeführt angekleidete und barfüßige Obere mit den Altardienern, angeführt vom Thuriferar, hinzutritt zu Stufe, mit Stab, wenn er Abt ist, [jedoch] ohne Akolythen.
4. Nachdem die Antiphon wiederholt wurde, wenden sich die Brüder dem Altar zu, und der Obere singt den Vers Ostende nobis [Zeige uns]. Nach der Antwort Et salutare [Und [dein] Heil] etc. fallen sie über den „Formen“ [auf die Knie], wobei sie sprechen Kyrie eleyson. Nachdem der Obere gesprochen hat Et ne nos inducas [Und führe uns nicht] etc., antworten sie Sed libera [Sondern erlöse uns] etc. Und vom Kantor begonnen, wird der ganze Psalm Deus misereatur [Got erbarme sich] mit Ehre sei dem Vater und Flexa [i.e. der übliche Rezitationston] abwechselnd gesungen. Sobald der Obere Der Herr sei mit euch gesungen hat, stehen sie auf und stehen in den Stallen, zum Altar gewandt, bis zum Introitus der Messe.
5. Der Obere, nach Norden gewandt, segnet die Asche, wie im Messbuch angegeben. Nachdem er sie besprengt und inzensiert hat, wobei der Diakon ihm mit den üblichen Küssen Weihrauch, Weihwasserwedel und Weihrauchfass anreicht, tritt der Chorsenior mit Stola, wie oben in Kapitel 16 [beschrieben], hinzu, nimmt von der Asche mit dem rechten Daumen und Zeigefinger, wobei er auf der Stufe steht, während der Obere ihm zugewandt verneigten Hauptes steht, [und] legt ihm in Kreuzesform [die Asche] auf, wobei er spricht: Memento, homo, quia pulvis es et in pulverem reverteris [Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst].
6. Bald darauf verneigt er sich vor dem Oberen, wenn er nicht selbst der Abt ist, beugt die Knie auf der Stufe, und der Abt legt ihm, zum Chor gewandt, in ähnlicher Weise die Asche auf, darauf den Altardienern und den übrigen Herantretenden, in der gleichen Ordnung, wie es im vorangehenden Kapitel gesagt worden ist über die Kerzen, die [er] entgegennimmt. Die Einzelnen treten hinzu jeweils zu zweit, verneigen sich vorher und nachher, empfangen mit gebeugten Knien die Asche, die der Thuriferar, der das Rauchfass weggestellt hat, in einem Gefäß etwas hinter dem Oberen zu seiner Rechten hält.
7. Währenddessen steht der Chor gegen den Altar gewendet und singt die Antiphonen, wie in den Büchern [verzeichnet]; der Prior aber oder der Obere, bei Abwesenheit des Priors, bringt die [Asche] aus dem Chor hinaus und legt sie den Gästen und der Familia auf, nachdem er die Asche [selbst] empfangen hat. [Er] legt sich eine violette Stola über die Kukulle und ihm ist ein Bruder beigegeben, den der Kantor bestimmt hat, der vor ihm die Asche in einem anderen Gefäß trägt.
8. Wenn im Chor ein Bischof oder Fürst anwesend sein sollte, der nicht zur Stufe kommen möchte, [so wird] dem Bischof oder Abt dort von einem würdigen [Senior] des Chores, der dem Abt die Asche aufgelegt hat oder vom Abt selbst, sobald ihm die Asche aufgelegt wurde, in ähnlicher Weise [die Asche] aufgelegt vor den Altardienern, dem knienden Fürsten jedoch nach diesen [Altar-]Dienern.
9. Wenn außer dem Zelebranten kein Priester anwesend ist, um [ihn] bestreuen zu können, legt er selbst sich die Asche auf und spricht, wie bei allen anderen: Gedenke, Mensch etc.
10. Nachdem die Antiphon Immutemur [Wir werden umgewandelt] begonnen wurde, geht der Wochendienst habende Priester in die Sakristei und legt die Schuhe und die entsprechenden Gewänder an, [und] bereitet sich darauf vor, die Messe zu feiern. Doch wenn der Abt selbst Hebdomadar sein sollte, trägt der Kantor einem anderen die [Zelebration der] Messe auf.
11. Wenn die Auflegung der Asche beendet ist, wendet sich der Obere, am gleichen Ort stehend, dem Altar zu und singt die Oration Concede nobis [Gewähre uns], und nachdem der Konvent Amen geantwortet hat, beginnt der Kantor sogleich mit dem Introitus der Messe. Der Abt zieht sich, nachdem er dem Altar die Ehre erwiesen hat, mit den Altardienern in die Sakristei zurück, und der vorbereitete Priester, dem der Altardiener ohne Dalmatik vorausgeht, schreitet zum Altar wie üblich. Der Chor hingegen bleibt bis zum Ende der Messe barfüßig.

Dienstag, 24. Januar 2012

Rituale cisterciense Deutsch (1892), 2. Buch: Von der Feier der Messen, Kap. 1

Abbaye cistercienne de Tamié, historische Aufnahme mit der Altaraustattung nach Dom Alexis Presse

Buch 2, Kap. 1: Von der Zurichtung des Altars und des Ministeriums [der Kredenz]

[1.] Ein Altar, an dem die Messe gefeiert wird, muss aus Stein sein, konsekriert von einem Prälaten, der dies tun darf; oder aber [zumindest muss es] eine steinerne Altarplatte sein, gleicherweise konsekriert, die wenigstens anderthalb Fuß lang und fünfzehn Daumen breit, die eingelassen ist in die schlichte hölzerne Tafel auf achtzehn Linien [, wobei sie das Holz] etwas überragt, damit sie wahrgenommen werden kann; sie soll von der Vorderseite des Altars etwa fünf Daumen entfernt sein.
2. Selten jedoch und nur bei dringender Notwendigkeit werden diese Altäre in Gebrauch genommen: doch (wenn es sich machen lässt) sollen steinerne Altäre konsekriert werden, die ungefähr vier Fuß hoch und breit, sowie fünf oder sechs lang sind. Der Hoch[-Altar] jedoch habe neun oder zehn Fuß in der Länge, wo die Örtlichkeit ausreicht.
3. Keine hölzernen Profile werden um die Ecken des Altars geführt: Hingegen werden vier, oder wenigstens drei Tücher über ihm ausgebreitet; von ihnen bedecken zwei die gesamte flache Oberseite, das oberste jedoch fällt so an beiden Seiten hinab, dass es nach beendeter Messe der Länge nach unter der Decke aufgefaltet wird, die sie bedecken muss. Nichtsdestoweniger kann die Vorderseite des Altars oder der vordere Teil mit einem „Mantel“ (pallium) geschmückt werden, der farblich dem Offizium entspricht.
4. In der Mitte des hinteren Teiles wird ein Kreuz mit dem Bildnis des Gekreuzigten aufgestellt, das zum vorderen Teil gewendet ist; und zwei Leuchter mit Kerzen werden daneben so aufgestellt, dass das gesamte Kreuz hervorsticht und der Fuß des Kreuzes höher als die Leuchter ist. Diese Leuchter sollen sich unterscheiden von den gewöhnlichen und (wenn mehrere aufgestellt werden) sollen sie verschieden sein, das heißt, einige größer, nämlich diejenigen, die dem Kreuz am nächsten stehen, andere kleiner, die weggerückt werden, [allerdings] in gleichmäßigem Abstand.
5. Nichts werde beim oder auf dem Altar abgestellt, das der Bescheidenheit und der geziemlichen Armut des Ordens zuwider ist; alle überflüssigen Neuheiten und bekanntermaßen Kurioses werde mit Bestimmtheit ausgeschlossen; noch werde irgendetwas aufgestellt, das für das Opfer nicht gebraucht wird.
6. Zur Zeit der Messen wird zu Füßen des Kreuzes eine Tafel mit den Stillgebeten aufgestellt; auf der Epistelseite [liegt] das Messbuch auf einem Kissen und auf der Evangelienseite [steht] die Tafel mit dem Evangelium des hl. Johannes [d.i. das sogen. „Schlussevangelium „]. An Sermo-Festtagen, bei Professfeiern und am ersten Sonntag des Advents werden die Reliquien der Heiligen hinzugefügt, sie sind zwischen den Leuchtern aufzustellen, wie in Buch 1, Kap. 18 [ausgeführt].
7. Von der rechten Seite aus, das ist die Epistelseite, zur Wand hin befinde sich das „Ministerium“ bzw. die Kredenz ohne darauf stehendes Bildnis oder Kreuz; sie wird zur Zeit der Messe mit einem reinen Leinentuch bedeckt, das seitlich hinunterreicht: auf sie werden gestellt ein Schälchen mit den (so es machbar ist) gläsernen Ampullen und das Handtuch; und für die Konventmesse der Kelch mit dem Purifikatorium, die Patene, die Hostie, die Palla, das lange und ausgebreitete Offertoriumsvelum und die Burse mit dem sudarium [Schweißtuch], das ist das Korporale. Daneben befinde sich der Stab mit der dünnen Kerze zum Anzünden der Kerzen, die Lichtputze und der Auslöscher; und dann noch die Piscina, um die Ablution der Finger ausgießen zu können.
8. Auf derselben Seite, unterhalb der Hochaltarstufe befinden sich die Sedilien, die Stallen mit den „Formen“ für den Zelebranten und die Altardiener der Konventmesse; und in der Mitte der Presbyteriumsstufe das Analogium für die Segnungen und die Epistel.
9. Auf der linken Seite, das ist die Evangelienseite, befinde sich ein anderes Analogium auf der Ebene des Presbyteriums, um den Text der Evangelien ablegen zu können, der in der feierlichen Messe gelesen wird; es [das Analogium] sollte deshalb eine Decke in der geeigneten Farbe bekommen.
10. Im Vestiarium [der Sakristei] werden daraufhin auf einem Tisch die Gewänder des Priesters ausgelegt, in der Reihenfolge, wie sie angelegt werden müssen; und ähnliches [gilt] für die Gewänder des Diakons zur Rechten und des Subdiakons zur Linken. Die anderen niederen Altardiener bekleiden sich gegenseitig. Es wird ebenfalls eine Pfanne vorbereitet, das heißt eine Feuerstelle mit glühenden Kohlen, Zangen, das Schiffchen mit Weihrauch und dem Löffel und das Weihrauchfass, wenn es gebraucht wird.
11. Das Wasser jedoch zum Händewaschen, zwei Handtücher, eines für den Priester und den Diakon, ein anderes für den Subdiakon und die übrigen Altardiener befinden sich wenn möglich zusammen mit dem Wein außerhalb des Vestiariums, der größeren Schicklichkeit und Sauberkeit wegen, vor allem [aber] außerhalb der Kirche.

Freitag, 30. Dezember 2011

Rituale cisterciense Deutsch: 1. Buch, 20. Kapitel


Rituale cisterciense 1892, Buch 1:
20. Kapitel: Von der Segnung des Wassers und anderer Dinge
[1.] Am Sonntag, nachdem das erste Zeichen zur Terz gegeben wurde, stellt der Sakristan, nachdem er eine formula oder einen Schemel zur Rechten des Analogiums in die Mitte der Presbyteriumsstufe gestellt hat, Salz und Wasser in unterschiedlichen Gefäßen mit einem Weihwasserwedel auf die formula.
2. Nachdem jedoch das Vaterunser und das Gegrüßet seist Du gebetet wurden, nach der Terz der Seligen [Jungfrau Maria], und nachdem der Obere des Chores das Zeichen gegeben hat, nimmt der Priester, der die Messe zelebrieren wird und der bekleidet ist mit Albe und einer Stola, die vor der Brust gekreuzt ist, das Kollektar in beide Hände, geht zum Analogium, legt das Buch darauf und verneigt sich tief vor dem Altar. Danach segnet er, nachdem er sich aufgerichtet hat, das Salz und das Wasser, wie es im Buch steht: Die Altardiener und der Konvent stehen derweil entblößten Hauptes in ihren Stallen zum Altar gewendet.
3. Zum Vers Die göttliche Hilfe (adjutorium) bezeichnet er sich [mit dem Kreuz]. Wenn er den Exorzismus betet, streckt er die geöffnete rechte Hand, deren Finger aneinandergelegt sind, über das Salz oder das Wasser aus, während er die Linke auf die Brust legt. Zu den Orationen aber und zum Der Herr sei mit euch legt er beide Hände vor der Brust zusammen.
4. Etwa gegen Ende der vorletzten Oration kommt der Subdiakon zum Priester, bietet ihm das Gefäß mit Salz dar, aus dem er dreimal Salz mit dem rechten Daumen und Zeigefinger entnimmt und in das Wasser gibt, wobei er mit diesem [Salz] das Kreuzzeichen macht und spricht: Die Vermischung von Salz und Wasser geschehe gleichermaßen im Namen des Va+ters und das Soh+nes und des Heiligen +Geistes. Amen. Danach nimmt der Subdiakon dieses Gefäß weg und stellt es an einem geeigneten Ort ab.
5. Nach der letzten Oration küsst dieser Subdiakon den Weihwasserwedel, den er empfangen hat, und legt ihn in die rechte Hand des Priesters, die er ebenfalls küsst: Während Chor[seite] gegen Chor[seite] steht, stimmt der Kantor die Antiphon Besprenge mich (Asperges me) oder Ich sah das Wasser (Vidi aquam). Der Priester aber taucht den Weihwasserwedel in das Wasser und steigt in Begleitung des Subdiakons zur Altarstufe hinauf, dort beugt er die Knie, besprengt dreimal den Altar selbst, das heißt einmal in der Mitte, einmal an der Evangelienseite und einmal an der Epistelseite.
6. Darauf erhebt er sich, immer noch entblößten Hauptes (wenn er nicht Abt ist, der hier die Mitra benutzt), umschreitet den Altar, wobei er auf der rechten oder Epistel-Seite beginnt und bis zur Evangelienseite besprengt [und] in die Mitte der Stufe zurückkehrt. Dann kehrt er nach einer Kniebeugung zur Presbyteriumsstufe zurück und besprengt dort beide Seiten.
7. Er steht dort auf dieser Stufe, dem Chor zugewandt, mit dem Weihwassergefäß zu seiner Rechten, besprengt den herantretenden Abt, wobei er sich vorher und nachher verneigt, dann sich selbst, dann die Altardiener, die bei ihm stehen, und schließlich die übrigen Brüder, die zu zweien und zweien vom oberen Chor[ende] zwischen den Formen und den Sedilien herantreten, so wie sie zu dieser Hore im Chor stehen. Wenn sie besprengt sind, kehren sie durch die Mitte des Chores zurück, indem ein jeder durch den unteren Chor an seinen Platz geht.
8. Die Novizen, die vor den Formen stehen, kehren sofort an ihre Plätze zurück, nachdem sie mit Wasser besprengt wurden. Die sich jedoch außerhalb des Chores befinden, sowohl Mönche als auch Novizen, kommen durch den oberen Choreingang und gehen durch die Mitte des Chores in den Hinteren Chor zurück. Ausgenommen sind die Konversen, bei denen es eine jede Kirche [d.h. Gemeinschaft] so hält, wie die Lage des Oratoriums es erlaubt.
9. Zum Ehre sei dem Vater verneigen sie sich nicht. Und in sehr großen Gemeinschaften wird die Antiphon vom Beginn an wiederholt, so langsam, dass zusammen mit dem Gesang die Besprengung beendet werden kann. In den anderen Gemeinschaften wird dort weitergesungen, wie es im Graduale angegeben ist.
10. Währenddessen, also während der Priester die Gemeinschaft besprengt, empfängt der Altardiener (das ist der Subdiakon, dem nämlich der Dienst am Wasser zukommt), bald nachdem er besprengt wurde, das Weihwasser in einem anderen Gefäß in die linke Hand, und mit der Rechten hält er einen anderen Weihwasserwedel[. Und] er besprengt den Kreuzgang und die offiziellen Orte, nämlich den Kapitelsaal, das Auditorium, das Dormitorium und die Toiletten des Dormitoriums, den Wärmeraum, die Küche, das Refektorium und den Vorratsraum. Wenn er zurückkehrt, gießt er jedoch das übriggebliebene Wasser in das Gefäß beim Kircheneingang, das [Trage-]Gefäß jedoch und den Weihwasserwedel legt er im Vestiarium oder in der Sakristei ab.
11. Wenn die Besprengung der Gemeinschaft zu Ende ist, steigt der Priester zur Altarstufe hinauf mit dem Diakon und beugt die Knie. Nach der Antiphon jedoch betet er aufgerichtet den Vers und die Oration, wobei der Chor in den Stallen zum Altar gewendet steht. Das übriggebliebene Wasser aber wird vom Sakristan in das Gefäß gegeben, woraus es Mönche und Konversen zu entnehmen pflegen, nachdem [der Sakristan] die Gäste und die familia besprengt hat.
12. Nachdem die Oration gebetet wurde, bezeichnen sich Priester und Gemeinschaft, die außerhalb der Stalle steht, [mit dem Kreuz] und verneigen sich zum Altar: Danach beginnt der Priester vor der Altarstufe die Terz und geht zurück zur Stalle des Presbyteriums, nachdem er vor dem Altar die Kniebeugung vollzogen hat, indem er betet Ehre sei dem Vater.
13. Wenn aus irgendeinem Grund das Weihwasser nicht bis zum folgenden Sonntag ausreichen kann, segnet irgendein vom Kantor oder Sakristan bemühter Priester, mit einer violetten Stola über der Kukulle um den Hals gelegt, ohne Feierlichkeit [privatim] anderes [Wasser] im Vestiarium oder an einem anderen Ort in der Kirche, wie oben gesagt wurde, indem er nur die Besprengung auslässt, die Antiphon Besprenge mich (Asperges) und die folgende Oration. Er kann auch gewöhnliches Wasser untermischen, gleichwohl in geringer Menge.
Von anderen Segnungen
14. Die Segnungen anderer Dinge oder auch von Personen werden an ihren ihnen zukommenden Orten und mit den ihnen eigenen Riten beschrieben. Der Ordnung gemäß verhält es sich aber so, dass zu denjenigen, die öffentlich im Chor gespendet werden, die Gemeinschaft in den Stallen dem Altar zugewendet steht, sofern nicht anders angegeben. Die zu segnenden Personen jedoch oder die Dinge [stehen] an der Presbyteriumsstufe.
15. Der segnende Priester stehe entweder im Chor oder an dieser Stufe oder im Altarraum, wie gesagt wurde; und er betet entblößten Hauptes, außerhalb der Stalle stehend, zum Altar gewendet den Vers und die Orationen der Segnung, [und zwar] im Ton der Oration der Horen, wie weiter unten beschrieben. In den Vigilien jedoch segnet der Obere bedeckten Hauptes den Leser der zweiten, dritten und vierten Lesung einer jeden Nokturn, [wobei] er mit der Gemeinschaft sitzt.
16. Zu den feierlicheren Segnungen bekleidet sich der Priester mit den angemessenen Gewändern, wenigstens aber mit der Stola. Zu den gewöhnlichen, die er vom Chor aus spendet, wird nur das Mönchskleid gebraucht, das ist die Kukulle. Zu den anderen jedoch, die ohne Feierlichkeit [privatim] stattfinden, also entweder im Vestiarium oder an einem anderen heiligen Ort, trage er eine weiße oder andersfarbige Stola, die er über der Kukulle um den Hals hängend umgelegt hat.
17. Die zu segnenden Dinge werden immer zusammen mit dem Weihwasser und dem Weihwasserwedel zu seiner Rechten abgelegt. Zu segnende Personen jedoch stellen sich an die Stufe, eine jede auf der Seite ihres Chores, wenn eine besondere Vorschrift dem nicht entgegensteht.
Der Vers, die Orationen und die Eigenriten einer jeden Segnung finden sich an ihren Stellen und am Schluss des Messbuchs.

Samstag, 10. Dezember 2011

Rituale cisterciense Deutsch - 5. Buch, 5. Kapitel: Die Ordnung bei der Empfehlung der Seele

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Rituale cisterciense (1892), Buch 5, Kapitel 5:

5. Kapitel: Die Ordnung bei der Empfehlung der Seele

[1.] Wenn der Kranke sich wirklich dem Tode nähert, wird er, bekleidet in das Mönchsgewand, wenn es machbar ist, zu Boden gelegt auf eine Matte oder grobe Decke, die über geweihte Asche in Form eines Kreuzes und eine andere Matte oder Stroh gebreitet ist. Dann schlägt der Infirmar oder sein Helfer die Tabula mit schnell aufeinander folgenden Schlägen im Kreuzgang, der Sakristan gibt in der Kirche das Zeichen mit der größeren Glocke bis zu vier Mal, das heißt ein drei Mal unterbrochenes Schlagen; und alle, die es hören, kommen schnell zum Sterbenden, indem sie mit lauter Stimme und bis zum Infirmitorium [der Krankenstation] wiederholen: Ich glaube an Gott, den Vater, den allmächtigen, etc. Der Kantor bringt das Ritualbuch mit, und der Sakristan, dem Brüder helfen, eine zweifache Stola, von der eine schwarz, die andere violett, ist, den Hirtenstab für den Abt, ein kürzeres Kreuz, eine gesegnete, brennende Kerze in der Absconsa, das Rauchfass, Kohlen, das Schiffchen und Weihwasser mit Weihwasserwedel.
2. Wenn das Offizium in der Kirche gesungen wird, bleiben wenige im Chor zurück, denen der Kantor einen Wink gibt, [die übrigen] gehen zum Sterbenden: Es sei denn, es handelt sich um ein vorgeschriebenes Offizium, das zu unterbrechen nicht gestattet ist. Denn wenn es ein vorgeschriebener Festtag ist, werden deswegen die Vespergottesdienste oder die Nokturnen nicht schneller gesungen. An anderen Tagen jedoch, verrichten diejenigen, die im Chor zurückbleiben, gewöhnlich schneller das begonnene Offizium und folgen sofort den anderen. Wenn sie im Kapitel sein sollten, gegen sie hinaus; wenn im Refektorium, unterbrechen sie, auch in der vierzigtägigen Fastenzeit, die Mahlzeit und kommen nach der Übergabe der Seele zurück, ohne ein neuerliches Zeichen, einen [neuerlichen] Vers oder Segen des Lesers, nehmen wieder die Lesung auf und setzen die Mahlzeit fort. Wenn sie bei der Kollatslesung sitzen, spricht der Leser bald: Du aber, Herr, und nachdem der Vers Die göttliche Hilfe gesprochen wurde, gehen sie direkt ins Infirmitorium.
3. Nachdem sich alle also dort versammelt haben und sich gleichsam in zwei Chöre aufgeteilt um das Bett gestellt haben, besprengt der Obere, nachdem er die violette Stola empfangen hat und das Weihwasser, den Kranken und die Anwesenden, wobei er spricht Besprenge mich, etc. Dann reicht er dem Kranken das Bild des Gekreuzigten zum Kuss und richtet ihn mit gefälligen Worten in der Hoffnung auf das ewige Leben auf: Nachdem das in Kürze geschehen ist und das Bild des Gekreuzigten vor den Augen des Sterbenden aufgerichtet wurde, gibt er in seine Hand die brennende, gesegnete Kerze, wenn nötig mit Hilfe des Infirmars.
4. Darauf rezitiert er, nachdem er mit den Anwesenden die Knie gebeugt hat, fromm die folgende Litanei, wobei der Chor auf die einzelnen [Anrufungen] antwortet.
Kyrie eléyson. Christ eléyson. Kyrie eléyson.
Sancta Maria, Ora pro eo.
[etc.]
5. Darauf fügt er die folgenden Gebete hinzu, wenn die Seele im Todeskampf ihres Auszugs bedrängt wird.
Proficiscere, anima christiana [etc.]
Deus misericors
Commendo te omnipotenti Deo
Suscipe Domine
Commendamus tibi
Delicta juventutis
[etc.]
6. Unterdessen singt der Konvent, während der Abt mit dem Kantor, dem Sakristan und dem Infirmar die obenstehenden Gebete rezitiert, wechselseitig auf einem Ton die sieben Bußpsalmen. Der Beichtvater jedoch steht dem kranken Sterbenden bei [und] spricht über ihn die Formel der letzten Absolution in dieser Form:
Auctoritate Die omnipotenti … [etc.]
7. Wenn dann die Seele noch bedrängt wird, werden Psalm 117 Danket dem Herrn etc. und Psalm 118 Wohl denen etc. gebetet, der als Ganzes auf die Horen aufgeteilt ist. Nachdem sie gebetet wurden, geht der Konvent weg, wenn [der Sterbende] bis dahin noch nicht verschieden ist; und es bleibt dort mit dem Kreuz, dem Weihwasser und der angezündeten Kerze ein Priester zurück, der fähig ist, dem Sterbenden zu helfen, der ihn aufmuntert und in Abständen sanft ermahnt: 1. Dass er fest an alle Glaubensartikel, das Symbolon der Apostel glaube, und [es], wenn er kann, rezitiere. 2. Dass er auf Christus hoffe, der ihm gnädig ist aufgrund seiner Milde und durch die Wohltat der Passion, und [dass er hoffe] auf die Fürsprache der seligen Maria und aller Heiligen, die ihn ins ewige Leben begleiten werden. 3. Dass er aus ganzem Herzen einen Akt der Gottesliebe hervorlocke. 4. Dass er Trauer empfinde wegen der Liebe Gottes, die, wenn auch nur leichtest, oft von ihm verletzt wurde, sowohl gegenüber Gott, dem Herrn, als auch gegenüber dem Nächsten. 5. Dass er von Herzen allen verzeihe, die ihn auf irgendeine Weise angegriffen haben, und dass er von denen Verzeihung erbitte, die er irgendwie beleidigt hat. 6. Dass er den Schmerz und die Beschwerde der Krankheit als Strafe für seine Sünden geduldig und willig ertrage, etc.
8. Er kann ihm auch diese kleinen Bitten eingeben:
Miserere mei Deus secundum magnam misericordiam tuam.
[etc.]
9. Dies und ähnliches kann ein kluger Priester, nach dem Fassungsvermögen der Person, dem Sterbenden in der Volkssprache oder lateinisch eingeben; dann [kann er auch] über ihn Kapitel 17 des Evangeliums und die Leidensgeschichte nach Johannes lesen; und auch andere Gebete über das Leiden [des Herrn] kann er beten, wie am Schluss des folgenden Kapitels [angegeben].

Sonntag, 9. Oktober 2011

Rituale cisterciense Deutsch - 1. Buch, 19. Kapitel: Von der Beweihräucherung (I)





19. Kapitel: Von der Beweihräucherung

[1.] Die Materie des Räucherwerks soll einzig aus reinem Weihrauch bestehen, der einen guten Geruch [verbreitet]; wenn aber etwas hinzugefügt wird, überwiege die Menge des Weihrauchs bei weitem.
2. Wenn er jedoch ins Weihrauchfass einzulegen ist, hält der Thuriferar mit der Rechten das geschlossene Schiffchen mit dem Weihrauch und dem Löffel und trägt das mit glühenden Kohlen gefüllt und geöffnete Rauchfass mit der Linken; er verneigt sich vor dem Zelebranten. Dann nimmt der Diakon am Altar oder der assistierende Priester außerhalb des Altar[bereichs] mit seiner Hand das Schiffchen und legt, nachdem er es geöffnet hat, den leeren Löffel, den er küsst, in die Hand des Abtes oder (in seiner Abwesenheit) in die des zelebrierenden Priesters, die er ebenfalls küsst und spricht: Benedicite Pater Reverende [Sprecht den Segen, Hochwürdiger Vater]. Zum Herrn [Abt] von Cîteaux spricht er Reverendissime [Hochwürdigster].
3. Der Zelebrant steht, auch vor ausgesetztem Allerheiligsten, und nimmt drei Mal den Weihrauch aus dem Schiffchen, entblößten Hauptes (es ist erlaubt außerhalb des Altar[bereichs]) und nachdem er den Löffel empfangen hat; dann gibt er [ihn] drei Mal in das Weihrauchfass, wobei er spricht: Ab illo benedicaris in cujus honore cremaberis. Amen. [Von ihm mögest du gesegnet sein, zu dessen Ehre du verbrannt wirst. Amen.]  Der Thuriferar steht unterdessen zur Linken des Altardieners und hält mit der Rechten den Fuß des vor dem Zelebranten erhobenen Rauchfasses. Der Zelebrant hingegen macht mit der rechten Hand, nachdem er den Löffel dem Altardiener zurückgegeben hat, worauf der seine Hand und den Löffel küsst, das Zeichen des Kreuzes über den Weihrauch im Rauchfass.
4. Auf diese Weise wird immer und überall der Weihrauch eingelegt und gesegnet: Ausgenommen aber, wenn das Allerheiligste Sakrament ausgesetzt ist, [denn dann] wird [der Ritus] des Kusses unterlassen, und auch der Segen [wird unterlassen], wenn außerhalb der Messe ihm [dem Allerheiligsten] Weihrauch dargebracht wird. In Messen für Verstorbene wird gleichfalls [der Ritus] des Kusses unterlassen. Zum Offertorium jedoch in diesen Messen wird mit der eigenen Oration, die an ihrem Ort zu erklären ist, der Weihrauch gesegnet. Zur Elevation der Hostie und des Kelches in der Messe schließlich legt der Thuriferar selbst Weihrauch ohne Segen ein.


Vom Inzens des Altars
5. Nachdem der Weihrauch eingelegt und gesegnet wurde, nimmt der Diakon, wenn sofort inzensiert wird, wie in der Messe üblich, mit der Rechten das geschlossene Rauchfass vom Thuriferar, nachdem er dem Thuriferar das Schiffchen zurückgegeben hat, [und zwar] am oberen Teil der Ketten, und mit der Linken am unteren, wendet sich bald dem Zelebranten zu, küsst den oberen Teil des Rauchfasses und die linke Hand dessen, in die er diesen [Gefäß]-Teil legt, und mit ähnlichem Ritus legt er, nachdem er ihn geküsst hat, den unteren Teil der Ketten in die rechte Hand des Priesters, die der Diakon küsst.
6. Nachdem er das Weihrauchfass so empfangen hat, dass er es leicht führen und zurückziehen kann, beugt der Zelebrant vor dem allerheiligsten Sakrament die Knie mit den Altardienern [zu beiden Seiten => „hier und dort“], die ihm maßvoll die Kasel an den Achseln anheben, darauf inzensiert er aufgerichtet das Kreuz mit dreifachem Ductus, als würde er das Rauchfass ehrfürchtig darbieten; darauf beugt er die Knie wiederum.
7. Dann, wenn Reliquien oder Figuren der Heiligen auf dem Altar aufgestellt sind, inzensiert er diese, [und zwar] zuerst diejenigen, die auf der Evangelienseite stehen, indem er zwei Mal das Rauchfass schwingt, und gleicherweise diejenigen, die auf der Epistelseite stehen.
8. Dann wird der Inzens des Altars fortgeführt, wobei er drei Mal das Rauchfass in gleicher Entfernung von seiner Mitte bis zur Ecke der Epistel[-Seite] schwingt. Dann senkt er die Hand und inzensiert den hinteren Teil dieser Seite mit einem Ductus und mit einem weiteren den oberen. Darauf erhebt der die Hand, wendet sich dem Altar zu und beweihräuchert die Altarplatte mit dreifachem Ductus, als ließe er das Rauchfass kreisen, bis zur Mitte. Wenn er an der Altarmitte vorbeigeht, beugt er die Knie und beweihräuchert in gleicher Ordnung und Weise den anderen Teil dieses [Altars]. Nachdem er jedoch mit ebenso vielen Ductus den oberen Teil, den unteren und die Altarplatte der Evangelienseite inzensiert hat, führt er die Hand abwärts und beweihräuchert, als würde er zurückweichen, die Vorderseite des Altars von der Ecke der Evangelienseite an zur Altarmitte. Dort beugt er die Knie, schreitet zur Beweihräucherung der restlichen Vorderseite und bleibt an der Ecke der Epistelseite.
9. Nachdem er so den Altar inzensiert hat, gibt er das Rauchfass dem Diakon zurück, der dann unterhalb der besagten Ecke steht: Dieser legt die rechte Hand unter die Rechte des Zelebranten, die er küsst, nimmt das Rauchfass am unteren Teil der Ketten, mit der Linken jedoch am oberen, wobei er dessen Handhabe ebenfalls küsst. Dann jedoch tritt er in angemessener Weise zurück, inzensiert drei Mal den Zelebranten, wobei der sich vorher und nachher tief verneigt.
10. Fernerhin sei der Zelebrant, während er beweihräuchert, sich bewusst, dass er nicht den Kopf oder den Körper zugleich mit dem Rauchfass bewegt: Vielmehr hält die Linke bewegungslos die oberen Ketten, während er mit einer würdevollen und schönen Bewegung der Rechten das Rauchfass zugweise und gefällig mit angemessenem Intervall nach vorne und zu sich zurück schwingt. Deshalb bewege er, während er hin- und wieder zurückgeht, den Fuß, der dem Altar näher ist, und gleiche den Schritt dem Zug des Rauchfasses an, so dass Hände und Füße dezent in der Bewegung übereinstimmen.


Von der Beweihräucherung des Evangeliums und der Opfergaben
11. Wenn zum Evangelium Weihrauch genommen werden soll, wird zuerst etwas Weihrauch eingelegt und gesegnet, wie gesagt wurde. Nachdem jedoch der Diakon gesprochen hat Aus dem heiligen Evangelium etc. [und] während der Chor antwortet Ehre sei Dir, o Herr., beweihräuchert er das Buch, nachdem er das Rauchfass aus der Hand des Thuriferars entgegengenommen hat, der zu seiner Rechten etwas hinter ihm steht. [Er beweihräuchert es] zuerst in der Mitte, dann die rechte Seite dieses Buches, drittens schließlich die linke. Nach dem dritten Zug gibt er das Rauchfass dem Thuriferar zurück und singt das Evangelium.
12. Nachdem vom Zelebranten das Komm, Heiligmacher etc. [Veni, sanctificator] gesprochen wurde, wird Weihrauch eingelegt, wie oben gesagt, wenn die Opfergaben zu beweihräuchern sind: Er wird jedoch mit dem eigenen Gebet Auf die Fürsprache [Per intercessionem] gesegnet, wie im Messordo [angegeben]. Nachdem er sofort (wie wir gesagt haben) das Rauchfass entgegengenommen hat, ohne dass eine Ehrbezeigung gemacht wurde, zeichnet er (auch wenn das Allerheiligste Sakrament ausgesetzt ist) dreimal mit dem Rauchfass das Kreuz ab über Kelch und Hostie zugleich. Darauf umkreist er zweimal Kelch und Hostie von rechts nach links und einmal von links nach rechts.
13. Bei einem jeden Inzens aber betet er die folgenden Worte: Beim ersten Kreuzzeichen spricht er: Dieser Weihrauch [incensum istud], beim zweiten von dir gesegnet [a te benedictum], beim dritten steige, Herr, zu dir auf. [ascendat ad te Domine]. Beim ersten Umkreisen Und laß herabkommen [Et descendat], beim zweiten auf uns [Super nos]. Beim dritten Deine Barmherzigkeit [Misericordia tua].
14. Nach einer Kniebeugung und nachdem vom Diakon der Kelch beiseite gestellt wurde, inzensiert er aufgerichtet dreimal das Kreuz und beugt wiederum die Knie. Wenn er auch den Altar beweihräuchern muss, (wie es an Sermo-Festen und bei feierlichen Messen geschieht) beginnt er mit den Worten des Gebets Wie Weihrauch steige [Dirigatur] etc. und inzensiert das Kreuz, wie im Messordo angegeben. Und er fährt mit dem Inzens fort, wie oben unter Nummer 7, wobei er das Gebet so verteilt, dass es zugleich mit der Beweihräucherung beendet ist. Nachdem dies [so] vollzogen wurde, gibt er das Rauchfass dem Diakon zurück und spricht: Der Herr entzünde [Accendat] etc.
15. An Festen mit 12 Lektionen, während der feierlichen Oktaven und an Tagen mit zwei Messen (MM.) gibt der Zelebrant, nachdem er das Kreuz inzensiert hat, das Rauchfass dem Diakon zurück, ohne etwas zu sagen, und wäscht sich die Hände.

Von der Beweihräucherung der Personen
16. In feierlicheren Messen, nachdem der Altar zu Beginn der Messe beweihräuchert wurde, wird der Zelebrant mit dreifachem Zug vom Diakon inzensiert; gleicherweise auch nach dem Evangelium, wenn der Abt nicht im Chor sein sollte; wenn er jedoch anwesend ist, wird keiner von beiden beweihräuchert.
17. Wenn nach den Opfergaben auch der Altar inzensiert wird, hält der Diakon, nachdem er den Zelebranten wie oben beweihräuchert hat, das Rauchfass, beugt die Knie an der Altarstufe und begibt sich zur Presbyteriumsstufe, wo er stehend auf der Abtsseite zuerst den Abt selbst mit dreifachem Zuge inzensiert. Darauf den Kantor (wenn er mit dem Pluviale bekleidet ist) und nachher seine Chor[seite] mit doppeltem Zug. An dritter Stelle [inzensiert er], auf der Priorseite stehend, den Sukzentor, dann dessen Chor[seite]. An vierter Stelle [inzensiert er], nachdem er zur Altarstufe zurückgekehrt ist, auf der Evangelienseite den Subdiakon, dem er dann zugewendet steht. An fünfter Stelle wird er selbst, an seiner Stufe stehend, vom Thuriferar  ebenfalls mit doppeltem Zug inzensiert. Dann beweihräuchert der Thuriferar einen jeden der Akolythen mit einfachem Zug.
18. Wenn vielleicht ein zu beweihräuchernder Prälat anwesend sein sollte, zum Beispiel ein Kardinal, ein Legat oder ein apostolischer Nuntius, ein Erzbischof oder ein Bischof, [wird so verfahren]: Wenn er mit Mitra und Pluviale angetan ist, wird er zu Beginn der Messe nach dem Zelebranten inzensiert, nach dem Evangelium und zum Offertorium. Wenn er jedoch in gewöhnlicher Kleidung der feierlichen Messe beiwohnt, wird er nur nach den Opfergaben und nach dem Zelebranten beweihräuchert, [unf zwar] in dieser Ordnung: 1. natürlich (wenn es mehrere sind) der Kardinal, 2. der Legat oder apostolische Nuntius, 3. der Erzbischof, 4. der Bischof, 5. der benedizierte Abt. Doch wenn der Kaiser oder König anwesend sein sollte, wird er beweihräuchert vor dem Bischof oder Erzbischof. Doch in diesen Fällen sollen deren Kapläne und der Brauch befragt werden.
19. Das Allerheiligste Sakrament, das Kreuz, der Zelebrant, der König und die Prälaten werden mit dreifachem Zug inzensiert. Der Chor und die [geweihten] Altardiener mit doppeltem Zug, die Akolythen nur mit einfachem Zug.
20. Der Beweihräuchernde und der Beweihräucherte sollen einander zugewandt stehen und sich gegenseitig mit der Verneigung des entblößten Hauptes grüßen, wobei die Würde zu bedachten ist. Denn der Größere / Gewichtigere wird sich vor dem Kleineren / Unbedeutenderen nur leicht verneigen, und der gewichtigste inzensierte Prälat segnet den Beweihräuchernden: Wenn er die Mitra gebraucht und (liturgisch) bekleidet ist, soll er sie auf dem Haupt tragen, ausgenommen, wenn er nach dem Evangelium inzensiert wird.

Montag, 3. Oktober 2011

Klaus Gamber - ein Priester, Forscher und Kritiker

Msgr. Dr. Dr. Klaus Gamber (1919-1989)
 Die "Liturgiewissenschaftlichen Quellen und Forschungen", Band 98, stellen in ihrer Publikation "Gottesdienst als Feld theologischer Wissenschaft im 20. Jahrhundert", wie schon berichtet, viele eminente Liturgiewissenschaftler in Kurzbiographien vor. Auch Klaus Gamber gehört zu ihnen, obwohl der Laacher Benediktiner P. Angelus A. Häußling gleich zu Beginn seiner Zeilen ausführt, wie umstritten und streitbar der 1989 plötzlich Verstorbene war. Gleichwohl ist dem Verfasser eine Würdigung gelungen, die den Zuspruch des Gewürdigten gefunden hätte. Wiederholt führt Häußling aus, wie fleißig Gamber seine Forschungen betrieb und wie zahlreich seine Publikationen waren, die er, oft in eigens von ihm gegründeten Reihen, der Öffentlichkeit übergab. Klaus Gamber hatte einen eigenwilligen Stil, in der Forschung argumentativ weiterzukommen: Nicht selten waren es Vermutungen, von ihm selbst angestellt, die seine weiterführenden Thesen stützen sollten. Auch das ist manchmal vonnöten, gerade wenn man, wie Gamber, vor allem die Zeit vor dem Jahr 1000 beleuchtet. Weshalb Gamber hier vorgestellt wird, liegt deshalb aber auf der Hand: Seine Fleißarbeit "Codices liturgici latini antiquiores" versammelt die für die abendländische Liturgiegeschichte wesentlichen Quellen. Zudem gehörte die "Alt-Gallikanische" Liturgie zu den besonderen Interessengebieten von Msgr. Klaus Gamber, ein Umstand, der ihn empfänglich gemacht hat für die geistliche Dimension des spätantiken Christentums.