Freitag, 30. März 2012

Rituale cisterciense Deutsch(1892), 3. Buch, 20. Kapitel: Von der Großen [Kar-]Woche

Rituale cisterciense (1892), Buch III, Kapitel 20: Von der Großen [Kar-]Woche

[1.] Keine Votivmesse, wie gesagt wurde im Buch II, noch Requiem-Messen sollen in dieser ganzen Woche gesungen werden, es sei denn für einen anwesenden Verstorbenen; die Messen aber, die von den Hebdomadaren von der Seligen [Maria] und für die Verstorbenen [gesungen werden], werden gefeiert vom Wochentag an ihren eigenen Altären; ausgenommen sind die Tage des Karfreitags und des Karsamstags, an denen keine Messe privatim gesungen wird. Doch auch für einen anwesenden Verstorbenen kann am Gründonnerstag keine Messe gesungen oder eine private Messe gefeiert werden, es sei denn, sie wird vom Tage [genommen].
2. Am Dienstag und Mittwoch wird die Passion vom Diakon im Evangelienton gesungen; es wird irgendeine Kapelle zurückhaltend vorbereitet, ohne überflüssigen Schmuck, mit vier Kerzenleuchtern und weißen Kerzen, einigen Decken, wenn sie zu haben sind, und einem weißen Altartuch, sowie dann ein vergoldeter Schrein, in dem verschließbar am folgenden Tag die heilige Eucharistie aufbewahrt wird. Nach der Komplet des Mittwochs wird das Fastentuch [die Cortina] vom Presbyterium weggenommen.
3. Die Kommemorationen der Heiligen, wenn sie denn vorkommen, werden wie gewöhnlich bis zur Vesper des Mittwochs ausschließlich gehalten. An den drei folgenden Tagen jedoch wird das regulare Offizium nach dem unten beschriebenen Ritus gehalten, bis zur Messe des Karsamstags: im Chor werden die Horen der Seligen [Maria] ausgelassen, die von den Einzelnen privatim rezitiert werden, wie am Sonntag.
4. Nachdem das Zeichen für die Vigilien in der Stunde nach Mitternacht wie gewohnt gegeben wurde, beugen die Brüder auf das Zeichen des Oberen hin die Knie und sind frei für das Gebet eine halbe Stunde lang. Wenn die Betrachtung jedoch beendet ist, beten sie über den Formen kniend Vater unser, Gegrüßet seist du und Ich glaube. Daraufhin richten sie sich auf, wie üblich, bekreuzigen sich, verneigen sich vor dem Altar und bald beginnt derjenige, der die erste Antiphon der Nokturnen gewöhnlich anstimmt, diese [Antiphon], und der folgende den Psalm, wobei der Konvent sich in den Stallen einander zuwendet; und so für das Übrige in gewohnter Ordnung, dass also die erste Antiphon der zweiten und dritten Nokturn vom Chor des Invitatoriums begonnen wird.
5. Zu den Versikeln wenden sie sich zum Altar, sprechen leise das Vater unser vor den Lesungen über die Miserikordien verneigt, sitzen zu den Lesungen und erheben sich, wenn der Kantor das dritte Responsorium einer jeden Nokturn wieder von vorne beginnt; dieselbe Ordnung wird überall beibehalten, auch beim feierlichen Totenoffizium, obgleich die Anordnung ebenda deutlich ist, bis auf dass die Lesungen vom Analogium und die Responsorien von einzelnen [Mönchen] nacheinander gesungen werden, wie wir es in Buch I, Kap. 11 eingerichtet haben.
6. Gegen Ende des neunten Responsoriums zündet der Sakristan eine gewöhnliche Kerze in der Mitte der Presbyteriumsstufe an, während die erste Antiphon der Laudes angestimmt wird von demjenigen, der den neunten Psalm der Nokturnen begonnen hat. Während der Psalm Laudate Dominum in Sanctis ejus [Lobt Gott in seinen Heiligen] gesungen wird, löscht der Sakristan alle Lichter der Kirche, die angezündete Kerze auf der Stufe ausgenommen; diese löscht er erst, wenn der Abt oder der Kantor die Antiphon zum Benediktus anstimmt.
7. Diese Antiphon nach dem Benediktus und nach dem Magnifikat wird extra Stallum [aus der Stalle herausgetreten] gesungen. Wenn der Kantor jedoch den Vers Christus factus est [Christus wurde gehorsam] anstimmt, fallen alle über die Formen nieder, und nachdem von allen unter Schweigen Vater unser etc. gesprochen wurde, beginnt der Obere mit gedämpfter Stimme den Psalm Miserere [Erbarme dich, Ps 50], den die Chöre wechselseitig ohne Gesang und ohne Ehre sei dem Vater fortführen. Am Schluss spricht der kniende Obere in der gleichen Stimmlage die Collecta Respice [Siehe auf], ohne Lasset uns beten, und ohne den [Gebets]-Abschluss auszusprechen, den er leise spricht; und wenn von allen zusammen schweigend Vater unser und Gegrüßet seist du Maria, etc. gesprochen wurde, erheben sie sich auf ein Zeichen des Oberen hin, verneigen sich und gehen hinaus.
8. Zur Prim wird wie oben Vater unser, Gegrüßet und Ich glaube gebetet, sie bekreuzigen sich und verneigen sich. Darauf beginnt der Subinvitator sofort ohne irgendeinen Gesang den ersten Psalm dieser Hore, das ist Deus in nomine [Gott, in deinem Namen] etc., der Vers Christus factus est [Christus wurde gehorsam] etc. wird ebenfalls indirectum [auf einem Ton] von allen kniend gesungen, das Vater unser etc. wie oben: Doch nach der Collecta erheben sich sofort alle, verneigen sich und gehen, wie gewöhnlich, in den Kapitelsaal, wobei der Obere vorangeht: [währenddessen] wird die Glocke [geläutet] oder die Tabula geschlagen.
9. Wenn alle sitzen, beginnt der Invitator sofort mit der entsprechenden Regellesung, ohne Segen oder Tu autem [Du aber, Herr]. Dann liest er die Ordensbeschlüsse, wie sonst, und das Kapitel der an diesem Tag speziell zu beachtenden Riten. Nachdem das geschehen ist, verneigt er sich und geht an seinen Platz, unter Auslassung des Totengedächtnisses.
10. Nachdem vom Oberen aber Benedicite gesagt und die Regel ausgelegt wurde, werden [dann], wenn irgendwelche Kurzmitteilungen („Brevia“) für Verstorbene zu lesen sind, sie auf Weisung des Oberen gelesen, und gleicherweise, wenn ein Verstorbener anwesend ist, wird er auf Zuspruch des Kantors hin absolviert; und alles geschehe so, wie es Brauch ist. Der Obere jedoch sehe vor allem darauf, dass in diesen ungewohnten Zeremonien nicht irgendeine Verwirrung sich einschleicht; denn alles werde ausgeführt mit Frömmigkeit, unter Schweigen und Hingabe, welche sich an solchen Tagen geziemt; und es werden die Clamationes [Proklamationen] abgehalten. Darauf, wenn aufsteht, wer vorsteht, erheben sich alle, verneigen sich nach Osten gewandt und gehen schweigend hinaus.
11. Die Terz, Sext und Non werden in gleicher Weise ohne Gesang verrichtet. Zur Vesper wird, wiewohl nicht gesungen wird, begonnen mit dem ersten Wort der ersten Antiphon, die der Invitator anstimmt, und in gleicher Weise werden die anderen abwechselnd begonnen. Der Abt, oder in seiner Abwesenheit der Kantor, stimmt die Antiphon an, die nach dem Magnifikat extra Stallum [außerhalb der Stalle] gebetet wird. Das Übrige wie weiter oben.
12. Am Gründonnerstag und Karsamstag wird vor der Komplet die Lesung im Kreuzgang gehalten, wie weiter unten [beschrieben]; nicht jedoch am Karfreitag: Wenn jedoch Vater unser und Gegrüßet seist du gebetet wurden, wie zu den anderen Horen, beginnt der Subinvitator wie üblich [den Psalm] Cum invocarem [Wenn ich rufe] mit gedämpfter Stimme. Das Canticum Nunc dimittis [Nun entlässt du] wird in gleicher Tonhöhe den vier im Brevier angegebenen Psalmen angefügt, wie üblicherweise das Glaubensbekenntnis Quicumque zur Prim sonntags an die Psalmen angefügt wird. Nach der Oration wird, während die Brüder knien, das Zeichen mit der Tabula gegeben zum dreimaligen Gebet des Gegrüßet seist du Maria, und nachher werde die Betrachtung gehalten und die Besprengung wie sonst auch.
13. Man muss wissen, dass von der Vesper des Donnerstags, diese ausgenommen, bis zur Non des Karsamstags alle Horen, ausgenommen die Vigilien und die Laudes, zurückhaltend, mit gesenkter und andächtiger Stimme, ohne Gesang, gebetet werden: Dergestalt jedoch, dass der Klang der Psalmodie klar und deutlich tönt und die Pausen gehalten werden in der Mitte und am Schluss der Verse. Auch die Verse vor und nach dem Essen werden in gedämpfterem Ton indirectum im Refektorium gebetet, wie es die Tischdiener machen; zur Danksagung geht man auch nicht in die Kirche. Nichtsdestotrotz werden die Lesung im Refektorium, im Kapitel und vor der Komplet, wie auch die Antiphonen zum Mandatum [der Fußwaschung] mit lauter Stimme gesungen.
14. Wenn die Glocken in der Messe des [Grün-]Donnerstags zum Gloria in excelsis [Ehre sei Gott in der Höhe] geläutet wurden, schweigen sie von da ab vollständig in der Kirche, in der Uhr, im Refektorium und im Dormitorium bis zur Messe des Karsamstags; und zu allen Horen, der Mahlzeit, dem Mandatum [Fußwaschung] etc. wird in gewohnter Ordnung die hölzerne Tabula geschlagen, die im Kreuzgang hängt. Gleicherweise wird, wo es sie gibt, die Orgel nicht gespielt vom Gloria in excelsis des genannten Donnerstags bis zu ebendiesem Hymnus in der Messe des Karsamstags.

Dienstag, 20. März 2012

Rituale cisterciense Deutsch (1892), 3. Buch, 19. Kapitel: Die Ordnung am Palmsonntag

Rituale cisterciense, Buch III, Kapitel 19: Die Ordnung am Palm[-Sonntag] 

[1.] Am Samstag vor dem Palmsonntag erhält kein Diakon den Wochen[dienst] „vom Evangelium“ [i.e. der wöchentliche Altardienst], wie es der Ordnung entspräche, noch ein Priester die Woche [als Hebdomadar]: sondern jene, denen der Kantor diese Dienste auf einer eigenen Tafel mit dem Rat des Oberen aufträgt. Auf jener Tafel nämlich muss er jene Brüder anzeigen, die das Gloria laus, Popule meus, Agios, die Litaneien, zum Mandatum [der Fußwaschung] der Mönche am Gründonnerstag, etc. zu singen haben.
2. Zu den Vespern, den Vigilien und zur Messe dieses Sonntags werden drei Lampen angezündet. Das Benedicamus Domino [Singet dem Herrn] etc. und die Hymnen der Horen werden im Ton der Sermo-Feste gesungen und zum Hochamt werden Reliquien auf den Altar gestellt.
3. Vor dem Kapitel bringt der Sakristan in diesen [Kapitelsaal] eine violette Stola, den Abtsstab, das Rituale oder Kollektar, enthaltend den Text der Exkommunikation, eine angezündete Kerze in der Absconsa [Windlicht] und die anzuzündende und auszulöschende Kerze. Sobald jedoch der Abt den Abschnitt der Regel in gewohnter Weise auslegt, treten Sakristan und Kantor hinzu, jener mit dem Stab, der Stola und der angezündeten Kerze, dieser mit dem Rituale oder Kollektar, und sie verneigen sich vor ihm. Darauf übergibt der Sakristan ihm die Stola, den Stab und die Kerze mit dem geschuldeten Kuss der Dinge und der Hand. Wenn der Abt abwesend sein sollte, werden diese Dinge nichtsdestotrotz bei jedwedem Oberen so gehandhabt, der das Kapitel hält, ausgenommen der Stab.
4. Sodann erhebt sich der Abt mit dem Konvent, küsst die Stola in der Mitte, die der Sakristan ihm [sodann] um den Hals legt, nimmt den Stab in seine linke Hand und in seine rechte die entzündete Kerze, während alle einander zugewandt entblößten Hauptes stehen, [und] liest aus dem Buch, das der Kantor geöffnet mit beiden Händen vor ihm hält, die Exkommunikationsformel, wie folgt:
Im Namen [auctoritate] des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und aller Heiligen, und im Namen [auctoritate] des ganzen Ordens schließen wir aus die Verschwörer, die Brandstifter, die Diebe, die [zu Unrecht etwas] Besitzenden und alle, die die Arbeit der Oberen, Visitatoren oder Richter, die vom Generalkapitel bestellt wurden, während der Visitationen, Wahlen, Korrekturmaßnahmen oder anderer Anordnungen behindern, oder die jenen beipflichten, die dies tun, [und zwar] von sich aus oder durch andere, durch Briefe, Bitten, Drohungen, Hinterhältigkeiten oder sich der Hilfe von Weltlichen bedienen, So sei es, So sei es. Danach wirft er die Kerze zu Boden, gibt den Stab und die Stola dem Sakristan zurück, der sich nach einer Verneigung mit dem Kantor zurückzieht, und beendet das Kapitel wie andernorts beschrieben.
5. Vor der Terz bereitet der Sakristan Oliven- oder Palmzweige oder [Zweige] ähnlicher Bäume auf einem Tisch bei der Presbyteriumsstufe vor, nach derselben Art, wie wir es oben von den zu segnenden Kerzen in Kap. 16 gesagt haben, und in den Kapitelsaal trägt er das Analogium mit dem Evangelientext. Der Exorzismus des Wassers wird vom Abt vollzogen, der auch die Terz beginnt und nachher die Zweige segnet und austeilt, wie – unter Beachtung der Umstände – bei den Kerzen am Fest der Reinigung; in gleicher Weise werden die Zweige während der Prozession getragen.
6. Wenn nämlich der Obere die Zweige austeilt, nimmt der Diakon das enthüllte Kreuz, die Akolythen nehmen ihre Kerzenleuchter, der Subdiakon nimmt das Weihwasser und, indem der Thuriferar vorangeht, halten sie die Prozession wie in Buch I, Kap. 17 beschrieben. Der Sakristan jedoch sorge dafür, dass das Analogium mit dem Evangelientext aus dem Kapitelsaal an den Ort gebracht wird, an dem der Diakon das Evangelium liest, das ist der Eingang der Kirche.
7. Wenn sie in Prozession zur zweiten Station kommen, gehen sie so, dass am Beginn der letzten, wenn der Kantor das Ave Rex noster [Sei gegrüßt, unser König] beginnt, alle außer Diakon und Akolythen, mit den Knien und den Händen die Erde berührend, zum Kreuz gewandt die Venia vollziehen; ihm wenden sich auch Subdiakon und Thuriferar zu, [die] hinter ihm [stehen]. Wenn sie singen Fili David [Sohn Davids], stehen sie auf und stehen daraufhin zum Kreuz gewandt, bis das Gloria laus [Verherrlichung, Lob] begonnen wird.
8. Gegen Schluss der genannten Antiphon nimmt der Subdiakon, nachdem er das Weihwasser mit dem Aspergill auf dem Boden abgestellt hat, das Kreuz aus den Händen des Diakons und hält es zum Konvent gewendet zu Häupten des Analogiums, das dorthin gebracht wurde. Inzwischen spricht der Diakon vor dem Kreuz kniend still Munda cor meum [Reinige mein Herz] und geht, nachdem er den [Evangelien-]Text mit beiden Händen genommen hat, zum Abt, begleitet vom Thuriferar, damit er den Weihrauch ins Rauchfass einlegt und von ihm den Segen erbittet.
9. Wenn er das Schiffchen dem Abt hinhält, übergibt er den [Evangelien-]Text einem von den Älteren, damit er ihn halte, und nimmt das Buch zum Segen wieder an sich, wenn der Weihrauch eingelegt wurde. [Den Segen] erbittet er verneigt. Nachdem er die Hand des Segnenden geküsst hat, richtet er sich auf, verneigt sich wiederum mit dem Thuriferar, geht zum Analogium zurück, verneigt sich vor dem Kreuz, singt und beweihräuchert wie üblich das Buch, das er nach dem Evangelium geöffnet dem Abt zum Kuss darreicht, wie oben [beschrieben] in Begleitung[.] Nachdem es geküsst wurde schließt er es, gibt es weiter und man hält es, wie gesagt wurde, während er, nachdem er das Rauchfass entgegengenommen hat, den Abt beweihräuchert, wenn er zelebriert. Wenn der Abt nicht zelebriert, nichtsdestotrotz aber an der Prozession teilnimmt, beweihräuchert er weder ihn noch den Zelebranten; darüber siehe in Buch I, Kap. 19, und dieselbe Überlegung gilt für die Messe.
10. Nach der Beweihräucherung des Zelebranten nimmt er den [Evangelien-]Text und wenn er zurückkehrt, legt er [ihn] auf das Analogium, nachdem er eine Verneigung vor dem Kreuz gemacht hat. Darauf nimmt der Sakristan das Analogium weg, der Subdiakon gibt das Kreuz dem Diakon zurück und nimmt wieder das Weihwasser; er stehe wie gewöhnlich bei den anderen Stationen vor dem Diakon. Zwischenzeitlich wiederholt der Chor, der auch einander zugewandt steht, den Vers Gloria laus, den zwei Brüder, die gegen Ende des Evangeliums in die Kirche gegangen sind, hinter der verschlossenen Tür stehen und sich zur Prozession hinwenden, mitsamt den anderen Versen singen, wie in den Processionalia angegeben.
11. Nach der Wiederholung des Beginns dieser Verse von jenen Brüdern kehren sie zur Prozession zurück und ordnen sich an ihrem Platz ein. Wenn der Abt oder, in seiner Abwesenheit, der Kantor das Responsorium Ingrediente [Einziehend] anstimmt, treten alle in die Kirche ein und legen die Zweige, die sie in Händen tragen, vor sich auf den Formen ab bis zur Passion. Dann wird die Messe wie an Sermo-Festen gefeiert, mit Kyrie, Sanctus und Agnus Dei im Ton der Vierzigtägigen Fastenzeit.
12. Zelebrant und Altardiener, in die Sakristei zurückgekehrt, waschen sich die Hände und gehen, nachdem sie die entsprechenden Gewänder angelegt haben, mit den Zweigen zum Altar. Die Akolythen jedoch und der Thuriferar tragen keine Zweige: Wenn sie nämlich zur Altarstufe kommen und die Leuchter abgestellt haben, nehmen sie die Zweige der Altardiener in Empfang und legen sie an einem vorbereiteten Ort ab, an dem sie ihre [Zweige] vor der Prozession zurückgelegt haben; dann verrichten sie ihren Dienst wie in Buch II beschrieben.
13. Gegen Ende des Traktus nimmt der Diakon ohne Zweig vom Ministerium [i.e. der Kredenz] das Buch der Passion und geht mit den Akolythen, die anstelle der Lichter und des Weihrauchs ihre Zweige tragen, und nach einer Kniebeugung in der Mitte der Altarstufe zum unbedeckten Pult, auf das er das obengenannte Buch legt. Und während dort die vorgenannten Akolythen stehen wie zum Evangelium, beginnt er unvermittelt und singt die Passion im eigenen Ton.
14. Doch wenn, zur Erleichterung des Diakons, die dringende Notwendigkeit besteht, die Passion zu dritt zu singen, was der Abt zu sehen hat, kann der Zelebrant selbst an der linken Seite des Altars die Person Christi übernehmen, der Subdiakon aber singe ohne Zweig (wenigstens habe er die Diakonatsweihe) nach Anlegen der Stola die Stimmen der Juden von dem anderen Pult an der Presbyteriumsstufe nach Norden gewandt bis zum Evangelium. Oder, wenn die Armut an Mönchen es so mit sich bringt, singe der Priester auf der Evangeliumsseite alleine die gesamte Passion.
15. Andernfalls erheben sich der Zelebrant und der Subdiakon mit den Zweigen, die sie genommen haben [und] die die Akolythen ihnen gebracht haben, gleichzeitig mit dem Diakon und begeben sich direkt zur Epistelseite auf dem kürzesten Weg, [und] dort den Zweig in seiner [des Priesters] linken Hand haltend, so auch der Subdiakon, der ihm zur Rechten steht, liest er [der Priester für sich] die Passion bis zum Augenblick des Todes Christi: Nachdem er das gelesen hat, wendet er sich zum singenden Diakon und der ebenfalls [zum Diakon] gewendete Subdiakon steht zu seiner Linken, hält den Zweig in der linken Hand und die Rechte liegt auf der Brust.
16. Vom Beginn der Passion an stehe der Konvent im Chor wie zum Evangelium: Doch er antworte weder Gloria tibi Domine [Ehre sei Dir, o Herr], noch mache er das Kreuzzeichen. Wenn jedoch der Diakon singt: Emisit spiritum [Er gab den Geist auf], fallen alle auf ihr Angesicht nieder für die Zeit eines einzigen Vater unser, der Zelebrant [fällt nieder] in der Mitte der Altarstufe und der Subdiakon unterhalb zu seiner Rechten, dem Altar zugewandt, der Diakon zum Buch hin, die Akolythen, die bei ihm stehen, [ihm] gegenüber zur südlichen Wand des Presbyteriums hin, die anderen zum Altar. Sie alle erheben sich, wenn der Zelebrant aufsteht.
17. Wo der Diakon die Passion singt oder Diakone sie singen, die nicht die Altardiener sind, stehen diese, also der Diakon der Messe und der Subdiakon wie beim Introitus des Zelebranten, der die rechte Hand auf das Buch legt und die Passion liest; und unterhalb von ihm fallen sie nieder, indem sie hier und dort prosternieren.
18. Andernfalls vollendet der Zelebrant, nachdem er sich erhoben hat, die Passion, wie vorher stehend, [und] sagt: Munda cor meum, Jube Domine [Reinige mein Herz, Weise, Herr] etc. und er liest das Evangelium Altera autem die [Am anderen Tag jedoch] an derselben Epistelseite, [wobei] er sich nicht bekreuzigt, noch am Schluss das Buch küsst. Darauf wendet er sich gänzlich dem Singenden zu. Zwischenzeitlich legt der Thuriferar, an der Altarstufe die Knie beugend, den Zweig ab und bereitet das Weihrauchfass für das Evangelium vor.
19. Nachdem nämlich der Diakon die Passion beendet hat, nimmt er das geschlossene Buch, trägt es ehrfürchtig zum Altar, wie üblich mit den geschuldeten Kniebeugungen; und nachdem er das Munda cor meum gesprochen hat, trägt er auf ähnliche Weise den einzulegenden und zu segnenden Weihrauch zum Zelebranten oder Abt, von dem er auch den gewöhnlichen Segen erhält, wie in Buch II, Kap. 10 und 11 [gesagt]. Dann geht er zum Analogium, wobei die übrigen Diener sich wie gewohnt stellen – ohne Lichter [jedoch], beweihräuchert und singt das Evangelium. Und die Akolythen halten ihre Zweige hier und dort [zu beiden Seiten] wie bei der Passion. Wenn das Evangelium aber gesungen wurde, wird der [Evangelien-]Text zum Kuss [d.h. zum Küssenden] getragen, und das andere geschehe nach der üblichen Weise, [wobei] man die Zweige abgelegt hat.

Donnerstag, 23. Februar 2012

Rituale cisterciense Deutsch (1892), 3. Buch, 18. Kapitel: Von der Zeit der Quadragesima [Fastenzeit]

"Cortina" (Fastentuch) in der ehem. Abteikirche Marienfeld (Westf.), ca. 18. Jahrh., Photo: Daniel Brockpähler, Wikipedia


Rituale cisterciense (1892), Buch 3:

18. Kapitel: Von der Zeit der Quadragesima
[1.] Am Aschermittwoch wird keines Heiligen gedacht, wessen Festtag auch immer sei, noch wird irgendeine Votivmesse gesungen. An anderen Festtagen außerhalb der Karwoche werden, wenn ein Fest mit zwölf Lektionen gefeiert wird, zwei Messen im Konvent gesungen; die erste vom Festtag nach der Terz ohne Kommemoration oder Evangelium des Wochentags am Ende; die andere vom Wochentag nach der Non, mit vorheriger Antiphon Sub tuum [Unter deinem Schutz], mit der üblichen Prostration an den Formen, wo gesungen wird. In einer kleineren Gemeinschaft hört der Konvent diese zur Gänze mit gebeugten Knien im Chor.
2. Zum Vers Adjuva nos [Hilf uns] während des Traktusgesangs der Quadragesima beugen wir die Knie vor den Formen, und gleicherweise zur Oration über das Volk bis zum letzten Der Herr sei mit euch, [dieser Gruß] ausgenommen, zu dem wir aufstehen und dem Brauch nach zum Altar gewandt stehen.
3. An einem jeden Freitag, wenn nicht durch ein Fest mit 12 Lektionen behindert [und] ausgenommen der Karfreitag, beginnt der Kantor nach dem Psalm De profundis [Aus den Tiefen], der Oration und dem Vers Requiescant [Sie mögen ruhen] die sieben Bußpsalmen: Und mit dem den Wochendienst ausübenden Diakon, der das enthüllt Prozessionskreuz genommen hat [und] ohne Kerzen[-begleitung] im Mönchskleid [Kukulle] voranschreitet, umkreist der Schuhe tragende Konvent in Prozession den Kreuzgang [und] geht langsamen Schrittes in die Kirche, so dass [alle] beim Eingang des Chores die Psalmen, welche sie abwechselnd und auf einem Ton [„in directum“] ohne Ehre sei dem Vater singen, abschließen. Sie fügen am Schluß des letzten [Psalms] den vorgenannten Vers Ehre sei ohne Verneigung an.
4. So in den Chor eingetreten, singen sie die Antiphon Ne reminiscaris [Denke nicht an] [und] nachdem die Cortina [das Fasten- oder Hungertuch, der Fastenvorhang] weggezogen wurde, prosternieren die Priester an der Presbyteriumsstufe, so dass sich die älteren in der Mitte befinden, und beide Chöre einander zugewandt an der Seite, mit dem Arm den Kopf abstützend. Die Juniores prosternieren gleicherweise hier und dort im Novizenchor, doch nicht in derselben Linie; die Kranken [prosternieren] im Hinteren Chor, die Novizen außerhalb des Chores und die Konversen (so sie anwesend sein sollten) in ihrem Chor, das ist im Schiff der Kirche.
5. Der Obere hingegen, in der Mitte der Altarstufe und er selbst auf Knien, beginnt die Litanei, wie im Kollektar [angegeben], und der Chor wiederholt das, was er singt, bis zum Vers Pater de coelis Deus [Gott Vater im Himmel]. Dann nämlich und zu den folgenden Versen antwortet [der Chor] nur Miserere nobis [Erbarme dich unser] oder Ora pro nobis [Bitte für uns]. Nachdem die Orationen vom knienden Oberen gesungen wurden, stehen alle auf, verneigen sich vor dem Altar und entfernen sich.
6. Am Samstag vor dem ersten Sonntag [der Quadragesima] und darauffolgend (die Sonntage ausgenommen) wird die Vesper am Ende der Messe vom Fasten gesungen, vor der Mahlzeit. Der [Fasten-]Vorhang [Cortina] wird vor dem Presbyterium aufgehängt und die Kreuze und Bildnisse werden nach der Komplet ebendieses [ersten] Sonntags verhüllt.
7. Der [Fasten-]Vorhang wird jedoch nicht an Festtagen mit 12 Lektionen und an Sonntagen ausgebreitet, [das heißt: nicht] von der ersten Vesper bis zum Ende der Komplet des Festtages oder Sonntags, sowie nicht zur Messe des Wochentags, die gesungen wird nach der Non an Festtagen. An Wochentagen wird er sodann weggezogen zur Elevation des Sakraments während der Messe, zur Litanei nach der Prozession am Freitag, zur Segnung eines Novizen, zur feierlichen Messe oder zu Exequien, wenn ein Verstorbener anwesend ist, bis die sieben Bußpsalmen nach dem Begräbnis beendet sind, wenn ein Bischof der Konventmesse beiwohnt und bei ähnlichen [Gelegenheiten].
8. Gleicherweise wird das Kreuz enthüllt, wenn es in Prozession mitgetragen oder zum Kommunionempfang oder zur Salbung eines Kranken, zum Begräbnis der Verstorbenen etc. [vorangetragen] wird, bis es wieder an seinem Ort aufgestellt wird.
9. An allen Tagen, an denen die Vesper vor der Mahlzeit gesungen wird, zur fünften nachmittäglichen Stunde, kommt ein jeder der Brüder, wenn der Sakristan zum Biberes [Trunk] das Zeichen in der Kirche gegeben hat, in den Chor. [Er] bringt dem Herrn ein schlichtes, privates Gebet mit gebeugten Knien vor seiner Stalle zum Altar gewandt dar, indem er still die Suffragien [Bittgebete] der Quadragesima Tribularer etc. spricht.
10. An jenem ersten Sonntag [der Quadragesima], während die Matutinalmesse gesungen wird, trägt der Kantor, dem die vom Prior zugewiesenen Brüder helfen, die vom Oberen am vorhergehenden Samstag ausgewählten Bücher in den Kapitelsaal und ordnet sie auf einem Tisch, der mit einer Decke oder einem Tuch ehrenvoll und geziemend bedeckt ist, so vor dem Sitz des Abtes an, dass die einzelnen [Bücher] auf der Seite des jeweiligen Chores liegen, an den sie ausgeteilt werden sollen, [zusammen] mit den Namen der Brüder, denen sie zugedacht sind.
11. Nachdem alle also im Kapitelsaal nach der Messe versammelt sind, auch die Kranken, die dasein können, und wenn die gewöhnlichen Gebete gesprochen wurden, wird aus der Regel De Quadragesimae observatione [Die Beobachtung der vierzigtägigen Fastenzeit] etc. gelesen, wie im 1. Buch, Kapitel 22 [beschrieben, und] nachdem dies nach der Kommemoration der Verstorbenen ausgelegt wurde, geht der Kantor auf Weisung des Abtes mit seinem Helfer zum Tisch, verneigt sich zuerst vor dem Oberen selbst und nimmt das bezeichnete Buch entblößten Hauptes mit beiden Händen vom Tisch [und] übergibt es ihm ehrfürchtig, indem er sich vorher und nachher verneigt. Der Sukzentor verhält sich ebenso und gibt das Buch dem Prior; und danach verteilen sie hier und dort die Bücher nach demselben Ritus. Die Einzelnen jedoch, die die Bücher, ebenfalls mit beiden Händen, in Empfang nehmen, verneigen sich aus Freude über die göttlichen Schriften tief und frohgemut.
12. In den Messen während der Zeit der ganzen Quadragesima gebrauchen die Altardiener keine Dalmatiken, außer am vierten Sonntag. Am Passionssonntag [5. Sonntag in der Fastenzeit] zum Introitus warten die Diener nicht, wie üblich, die Zeit ab, um in den Chor einzutreten, sondern, sobald sie hören, dass der Vers des Psalms nach dem Introitus angestimmt wird, treten sie sofort ein und gehen zum Altar, nachdem sie sich vor der Presbyteriumsstufe wie gewohnt verneigt haben. Und auch während des letzten Responsoriums einer jeden Nokturn stehen alle auf, da nach der Wiederholung kein Ehre sei dem Vater gesungen wird, bis zum Osterfest, wenn der Kantor es von Neuem aufnimmt, und bleiben stehen, wie während des feierlichen Totenoffiziums.

Samstag, 18. Februar 2012

Rituale cisterciense Deutsch (1892), 3. Buch, 17. Kapitel: Vom Beginn der Fastens

Rituale Cisterciense (1892) - 3. Buch, 17. Kapitel: Vom Beginn des Fastens
[1.] Am Mittwoch des Fastenbeginns (i.e. am „Aschermittwoch“] werden die Terz und die Sext im unteren Chor gesungen, zur Mitte der achten Morgenstunde, und die Brüder sind frei für die Lesung bis zur Non, deren erstes Zeichen zur zehnten Stunde gegeben wird. Der Sakristan jedoch stellt die zu segnende Asche in einem Gefäß zusammen mit dem Weihwasser und dem Weihwasserwedel auf einen Schemel, der mit einem Leinentuch bedeckt ist, [und zwar] rechts vom Analogium, das in der Mitte der Presbyteriumsstufe steht. Die Asche soll hergestellt werden aus den am vorhergehenden Palmsonntag gesegneten Zweigen oder aus anderen verbrennbaren Dingen.
2. Um die elfte [Stunde], nachdem das gewöhnliche Zeichen gegeben wurde, wird die Non im unteren Chor gesungen, während der Obere und die Altardiener sich in der Sakristei in die angemessenen Gewänder kleiden, das heißt der Obere [bekleidet sich] mit Stola und violettem Pluviale über der Albe, der Diakon mit der Stola, die übrigen nur mit der Albe.
3. Nachdem die Non gesungen wurde, ziehen alle außerhalb des Chores die Schuhe aus und gehen, nachdem sie die Nachtschuhe oder Sandalen [dort] zurückgelassen haben, in den oberen Chor, wo sie sich in der Ordnung aufstellen, wie zur Messe üblich, zum Altar gewandt. Danach, wenn der Kantor die Antiphon Exurge [Erhebe dich] anstimmt, wenden sie sich einander zu und setzen sie fort, während der wie oben ausgeführt angekleidete und barfüßige Obere mit den Altardienern, angeführt vom Thuriferar, hinzutritt zu Stufe, mit Stab, wenn er Abt ist, [jedoch] ohne Akolythen.
4. Nachdem die Antiphon wiederholt wurde, wenden sich die Brüder dem Altar zu, und der Obere singt den Vers Ostende nobis [Zeige uns]. Nach der Antwort Et salutare [Und [dein] Heil] etc. fallen sie über den „Formen“ [auf die Knie], wobei sie sprechen Kyrie eleyson. Nachdem der Obere gesprochen hat Et ne nos inducas [Und führe uns nicht] etc., antworten sie Sed libera [Sondern erlöse uns] etc. Und vom Kantor begonnen, wird der ganze Psalm Deus misereatur [Got erbarme sich] mit Ehre sei dem Vater und Flexa [i.e. der übliche Rezitationston] abwechselnd gesungen. Sobald der Obere Der Herr sei mit euch gesungen hat, stehen sie auf und stehen in den Stallen, zum Altar gewandt, bis zum Introitus der Messe.
5. Der Obere, nach Norden gewandt, segnet die Asche, wie im Messbuch angegeben. Nachdem er sie besprengt und inzensiert hat, wobei der Diakon ihm mit den üblichen Küssen Weihrauch, Weihwasserwedel und Weihrauchfass anreicht, tritt der Chorsenior mit Stola, wie oben in Kapitel 16 [beschrieben], hinzu, nimmt von der Asche mit dem rechten Daumen und Zeigefinger, wobei er auf der Stufe steht, während der Obere ihm zugewandt verneigten Hauptes steht, [und] legt ihm in Kreuzesform [die Asche] auf, wobei er spricht: Memento, homo, quia pulvis es et in pulverem reverteris [Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst].
6. Bald darauf verneigt er sich vor dem Oberen, wenn er nicht selbst der Abt ist, beugt die Knie auf der Stufe, und der Abt legt ihm, zum Chor gewandt, in ähnlicher Weise die Asche auf, darauf den Altardienern und den übrigen Herantretenden, in der gleichen Ordnung, wie es im vorangehenden Kapitel gesagt worden ist über die Kerzen, die [er] entgegennimmt. Die Einzelnen treten hinzu jeweils zu zweit, verneigen sich vorher und nachher, empfangen mit gebeugten Knien die Asche, die der Thuriferar, der das Rauchfass weggestellt hat, in einem Gefäß etwas hinter dem Oberen zu seiner Rechten hält.
7. Währenddessen steht der Chor gegen den Altar gewendet und singt die Antiphonen, wie in den Büchern [verzeichnet]; der Prior aber oder der Obere, bei Abwesenheit des Priors, bringt die [Asche] aus dem Chor hinaus und legt sie den Gästen und der Familia auf, nachdem er die Asche [selbst] empfangen hat. [Er] legt sich eine violette Stola über die Kukulle und ihm ist ein Bruder beigegeben, den der Kantor bestimmt hat, der vor ihm die Asche in einem anderen Gefäß trägt.
8. Wenn im Chor ein Bischof oder Fürst anwesend sein sollte, der nicht zur Stufe kommen möchte, [so wird] dem Bischof oder Abt dort von einem würdigen [Senior] des Chores, der dem Abt die Asche aufgelegt hat oder vom Abt selbst, sobald ihm die Asche aufgelegt wurde, in ähnlicher Weise [die Asche] aufgelegt vor den Altardienern, dem knienden Fürsten jedoch nach diesen [Altar-]Dienern.
9. Wenn außer dem Zelebranten kein Priester anwesend ist, um [ihn] bestreuen zu können, legt er selbst sich die Asche auf und spricht, wie bei allen anderen: Gedenke, Mensch etc.
10. Nachdem die Antiphon Immutemur [Wir werden umgewandelt] begonnen wurde, geht der Wochendienst habende Priester in die Sakristei und legt die Schuhe und die entsprechenden Gewänder an, [und] bereitet sich darauf vor, die Messe zu feiern. Doch wenn der Abt selbst Hebdomadar sein sollte, trägt der Kantor einem anderen die [Zelebration der] Messe auf.
11. Wenn die Auflegung der Asche beendet ist, wendet sich der Obere, am gleichen Ort stehend, dem Altar zu und singt die Oration Concede nobis [Gewähre uns], und nachdem der Konvent Amen geantwortet hat, beginnt der Kantor sogleich mit dem Introitus der Messe. Der Abt zieht sich, nachdem er dem Altar die Ehre erwiesen hat, mit den Altardienern in die Sakristei zurück, und der vorbereitete Priester, dem der Altardiener ohne Dalmatik vorausgeht, schreitet zum Altar wie üblich. Der Chor hingegen bleibt bis zum Ende der Messe barfüßig.

Dienstag, 24. Januar 2012

Rituale cisterciense Deutsch (1892), 2. Buch: Von der Feier der Messen, Kap. 1

Abbaye cistercienne de Tamié, historische Aufnahme mit der Altaraustattung nach Dom Alexis Presse

Buch 2, Kap. 1: Von der Zurichtung des Altars und des Ministeriums [der Kredenz]

[1.] Ein Altar, an dem die Messe gefeiert wird, muss aus Stein sein, konsekriert von einem Prälaten, der dies tun darf; oder aber [zumindest muss es] eine steinerne Altarplatte sein, gleicherweise konsekriert, die wenigstens anderthalb Fuß lang und fünfzehn Daumen breit, die eingelassen ist in die schlichte hölzerne Tafel auf achtzehn Linien [, wobei sie das Holz] etwas überragt, damit sie wahrgenommen werden kann; sie soll von der Vorderseite des Altars etwa fünf Daumen entfernt sein.
2. Selten jedoch und nur bei dringender Notwendigkeit werden diese Altäre in Gebrauch genommen: doch (wenn es sich machen lässt) sollen steinerne Altäre konsekriert werden, die ungefähr vier Fuß hoch und breit, sowie fünf oder sechs lang sind. Der Hoch[-Altar] jedoch habe neun oder zehn Fuß in der Länge, wo die Örtlichkeit ausreicht.
3. Keine hölzernen Profile werden um die Ecken des Altars geführt: Hingegen werden vier, oder wenigstens drei Tücher über ihm ausgebreitet; von ihnen bedecken zwei die gesamte flache Oberseite, das oberste jedoch fällt so an beiden Seiten hinab, dass es nach beendeter Messe der Länge nach unter der Decke aufgefaltet wird, die sie bedecken muss. Nichtsdestoweniger kann die Vorderseite des Altars oder der vordere Teil mit einem „Mantel“ (pallium) geschmückt werden, der farblich dem Offizium entspricht.
4. In der Mitte des hinteren Teiles wird ein Kreuz mit dem Bildnis des Gekreuzigten aufgestellt, das zum vorderen Teil gewendet ist; und zwei Leuchter mit Kerzen werden daneben so aufgestellt, dass das gesamte Kreuz hervorsticht und der Fuß des Kreuzes höher als die Leuchter ist. Diese Leuchter sollen sich unterscheiden von den gewöhnlichen und (wenn mehrere aufgestellt werden) sollen sie verschieden sein, das heißt, einige größer, nämlich diejenigen, die dem Kreuz am nächsten stehen, andere kleiner, die weggerückt werden, [allerdings] in gleichmäßigem Abstand.
5. Nichts werde beim oder auf dem Altar abgestellt, das der Bescheidenheit und der geziemlichen Armut des Ordens zuwider ist; alle überflüssigen Neuheiten und bekanntermaßen Kurioses werde mit Bestimmtheit ausgeschlossen; noch werde irgendetwas aufgestellt, das für das Opfer nicht gebraucht wird.
6. Zur Zeit der Messen wird zu Füßen des Kreuzes eine Tafel mit den Stillgebeten aufgestellt; auf der Epistelseite [liegt] das Messbuch auf einem Kissen und auf der Evangelienseite [steht] die Tafel mit dem Evangelium des hl. Johannes [d.i. das sogen. „Schlussevangelium „]. An Sermo-Festtagen, bei Professfeiern und am ersten Sonntag des Advents werden die Reliquien der Heiligen hinzugefügt, sie sind zwischen den Leuchtern aufzustellen, wie in Buch 1, Kap. 18 [ausgeführt].
7. Von der rechten Seite aus, das ist die Epistelseite, zur Wand hin befinde sich das „Ministerium“ bzw. die Kredenz ohne darauf stehendes Bildnis oder Kreuz; sie wird zur Zeit der Messe mit einem reinen Leinentuch bedeckt, das seitlich hinunterreicht: auf sie werden gestellt ein Schälchen mit den (so es machbar ist) gläsernen Ampullen und das Handtuch; und für die Konventmesse der Kelch mit dem Purifikatorium, die Patene, die Hostie, die Palla, das lange und ausgebreitete Offertoriumsvelum und die Burse mit dem sudarium [Schweißtuch], das ist das Korporale. Daneben befinde sich der Stab mit der dünnen Kerze zum Anzünden der Kerzen, die Lichtputze und der Auslöscher; und dann noch die Piscina, um die Ablution der Finger ausgießen zu können.
8. Auf derselben Seite, unterhalb der Hochaltarstufe befinden sich die Sedilien, die Stallen mit den „Formen“ für den Zelebranten und die Altardiener der Konventmesse; und in der Mitte der Presbyteriumsstufe das Analogium für die Segnungen und die Epistel.
9. Auf der linken Seite, das ist die Evangelienseite, befinde sich ein anderes Analogium auf der Ebene des Presbyteriums, um den Text der Evangelien ablegen zu können, der in der feierlichen Messe gelesen wird; es [das Analogium] sollte deshalb eine Decke in der geeigneten Farbe bekommen.
10. Im Vestiarium [der Sakristei] werden daraufhin auf einem Tisch die Gewänder des Priesters ausgelegt, in der Reihenfolge, wie sie angelegt werden müssen; und ähnliches [gilt] für die Gewänder des Diakons zur Rechten und des Subdiakons zur Linken. Die anderen niederen Altardiener bekleiden sich gegenseitig. Es wird ebenfalls eine Pfanne vorbereitet, das heißt eine Feuerstelle mit glühenden Kohlen, Zangen, das Schiffchen mit Weihrauch und dem Löffel und das Weihrauchfass, wenn es gebraucht wird.
11. Das Wasser jedoch zum Händewaschen, zwei Handtücher, eines für den Priester und den Diakon, ein anderes für den Subdiakon und die übrigen Altardiener befinden sich wenn möglich zusammen mit dem Wein außerhalb des Vestiariums, der größeren Schicklichkeit und Sauberkeit wegen, vor allem [aber] außerhalb der Kirche.

Freitag, 30. Dezember 2011

Rituale cisterciense Deutsch: 1. Buch, 20. Kapitel


Rituale cisterciense 1892, Buch 1:
20. Kapitel: Von der Segnung des Wassers und anderer Dinge
[1.] Am Sonntag, nachdem das erste Zeichen zur Terz gegeben wurde, stellt der Sakristan, nachdem er eine formula oder einen Schemel zur Rechten des Analogiums in die Mitte der Presbyteriumsstufe gestellt hat, Salz und Wasser in unterschiedlichen Gefäßen mit einem Weihwasserwedel auf die formula.
2. Nachdem jedoch das Vaterunser und das Gegrüßet seist Du gebetet wurden, nach der Terz der Seligen [Jungfrau Maria], und nachdem der Obere des Chores das Zeichen gegeben hat, nimmt der Priester, der die Messe zelebrieren wird und der bekleidet ist mit Albe und einer Stola, die vor der Brust gekreuzt ist, das Kollektar in beide Hände, geht zum Analogium, legt das Buch darauf und verneigt sich tief vor dem Altar. Danach segnet er, nachdem er sich aufgerichtet hat, das Salz und das Wasser, wie es im Buch steht: Die Altardiener und der Konvent stehen derweil entblößten Hauptes in ihren Stallen zum Altar gewendet.
3. Zum Vers Die göttliche Hilfe (adjutorium) bezeichnet er sich [mit dem Kreuz]. Wenn er den Exorzismus betet, streckt er die geöffnete rechte Hand, deren Finger aneinandergelegt sind, über das Salz oder das Wasser aus, während er die Linke auf die Brust legt. Zu den Orationen aber und zum Der Herr sei mit euch legt er beide Hände vor der Brust zusammen.
4. Etwa gegen Ende der vorletzten Oration kommt der Subdiakon zum Priester, bietet ihm das Gefäß mit Salz dar, aus dem er dreimal Salz mit dem rechten Daumen und Zeigefinger entnimmt und in das Wasser gibt, wobei er mit diesem [Salz] das Kreuzzeichen macht und spricht: Die Vermischung von Salz und Wasser geschehe gleichermaßen im Namen des Va+ters und das Soh+nes und des Heiligen +Geistes. Amen. Danach nimmt der Subdiakon dieses Gefäß weg und stellt es an einem geeigneten Ort ab.
5. Nach der letzten Oration küsst dieser Subdiakon den Weihwasserwedel, den er empfangen hat, und legt ihn in die rechte Hand des Priesters, die er ebenfalls küsst: Während Chor[seite] gegen Chor[seite] steht, stimmt der Kantor die Antiphon Besprenge mich (Asperges me) oder Ich sah das Wasser (Vidi aquam). Der Priester aber taucht den Weihwasserwedel in das Wasser und steigt in Begleitung des Subdiakons zur Altarstufe hinauf, dort beugt er die Knie, besprengt dreimal den Altar selbst, das heißt einmal in der Mitte, einmal an der Evangelienseite und einmal an der Epistelseite.
6. Darauf erhebt er sich, immer noch entblößten Hauptes (wenn er nicht Abt ist, der hier die Mitra benutzt), umschreitet den Altar, wobei er auf der rechten oder Epistel-Seite beginnt und bis zur Evangelienseite besprengt [und] in die Mitte der Stufe zurückkehrt. Dann kehrt er nach einer Kniebeugung zur Presbyteriumsstufe zurück und besprengt dort beide Seiten.
7. Er steht dort auf dieser Stufe, dem Chor zugewandt, mit dem Weihwassergefäß zu seiner Rechten, besprengt den herantretenden Abt, wobei er sich vorher und nachher verneigt, dann sich selbst, dann die Altardiener, die bei ihm stehen, und schließlich die übrigen Brüder, die zu zweien und zweien vom oberen Chor[ende] zwischen den Formen und den Sedilien herantreten, so wie sie zu dieser Hore im Chor stehen. Wenn sie besprengt sind, kehren sie durch die Mitte des Chores zurück, indem ein jeder durch den unteren Chor an seinen Platz geht.
8. Die Novizen, die vor den Formen stehen, kehren sofort an ihre Plätze zurück, nachdem sie mit Wasser besprengt wurden. Die sich jedoch außerhalb des Chores befinden, sowohl Mönche als auch Novizen, kommen durch den oberen Choreingang und gehen durch die Mitte des Chores in den Hinteren Chor zurück. Ausgenommen sind die Konversen, bei denen es eine jede Kirche [d.h. Gemeinschaft] so hält, wie die Lage des Oratoriums es erlaubt.
9. Zum Ehre sei dem Vater verneigen sie sich nicht. Und in sehr großen Gemeinschaften wird die Antiphon vom Beginn an wiederholt, so langsam, dass zusammen mit dem Gesang die Besprengung beendet werden kann. In den anderen Gemeinschaften wird dort weitergesungen, wie es im Graduale angegeben ist.
10. Währenddessen, also während der Priester die Gemeinschaft besprengt, empfängt der Altardiener (das ist der Subdiakon, dem nämlich der Dienst am Wasser zukommt), bald nachdem er besprengt wurde, das Weihwasser in einem anderen Gefäß in die linke Hand, und mit der Rechten hält er einen anderen Weihwasserwedel[. Und] er besprengt den Kreuzgang und die offiziellen Orte, nämlich den Kapitelsaal, das Auditorium, das Dormitorium und die Toiletten des Dormitoriums, den Wärmeraum, die Küche, das Refektorium und den Vorratsraum. Wenn er zurückkehrt, gießt er jedoch das übriggebliebene Wasser in das Gefäß beim Kircheneingang, das [Trage-]Gefäß jedoch und den Weihwasserwedel legt er im Vestiarium oder in der Sakristei ab.
11. Wenn die Besprengung der Gemeinschaft zu Ende ist, steigt der Priester zur Altarstufe hinauf mit dem Diakon und beugt die Knie. Nach der Antiphon jedoch betet er aufgerichtet den Vers und die Oration, wobei der Chor in den Stallen zum Altar gewendet steht. Das übriggebliebene Wasser aber wird vom Sakristan in das Gefäß gegeben, woraus es Mönche und Konversen zu entnehmen pflegen, nachdem [der Sakristan] die Gäste und die familia besprengt hat.
12. Nachdem die Oration gebetet wurde, bezeichnen sich Priester und Gemeinschaft, die außerhalb der Stalle steht, [mit dem Kreuz] und verneigen sich zum Altar: Danach beginnt der Priester vor der Altarstufe die Terz und geht zurück zur Stalle des Presbyteriums, nachdem er vor dem Altar die Kniebeugung vollzogen hat, indem er betet Ehre sei dem Vater.
13. Wenn aus irgendeinem Grund das Weihwasser nicht bis zum folgenden Sonntag ausreichen kann, segnet irgendein vom Kantor oder Sakristan bemühter Priester, mit einer violetten Stola über der Kukulle um den Hals gelegt, ohne Feierlichkeit [privatim] anderes [Wasser] im Vestiarium oder an einem anderen Ort in der Kirche, wie oben gesagt wurde, indem er nur die Besprengung auslässt, die Antiphon Besprenge mich (Asperges) und die folgende Oration. Er kann auch gewöhnliches Wasser untermischen, gleichwohl in geringer Menge.
Von anderen Segnungen
14. Die Segnungen anderer Dinge oder auch von Personen werden an ihren ihnen zukommenden Orten und mit den ihnen eigenen Riten beschrieben. Der Ordnung gemäß verhält es sich aber so, dass zu denjenigen, die öffentlich im Chor gespendet werden, die Gemeinschaft in den Stallen dem Altar zugewendet steht, sofern nicht anders angegeben. Die zu segnenden Personen jedoch oder die Dinge [stehen] an der Presbyteriumsstufe.
15. Der segnende Priester stehe entweder im Chor oder an dieser Stufe oder im Altarraum, wie gesagt wurde; und er betet entblößten Hauptes, außerhalb der Stalle stehend, zum Altar gewendet den Vers und die Orationen der Segnung, [und zwar] im Ton der Oration der Horen, wie weiter unten beschrieben. In den Vigilien jedoch segnet der Obere bedeckten Hauptes den Leser der zweiten, dritten und vierten Lesung einer jeden Nokturn, [wobei] er mit der Gemeinschaft sitzt.
16. Zu den feierlicheren Segnungen bekleidet sich der Priester mit den angemessenen Gewändern, wenigstens aber mit der Stola. Zu den gewöhnlichen, die er vom Chor aus spendet, wird nur das Mönchskleid gebraucht, das ist die Kukulle. Zu den anderen jedoch, die ohne Feierlichkeit [privatim] stattfinden, also entweder im Vestiarium oder an einem anderen heiligen Ort, trage er eine weiße oder andersfarbige Stola, die er über der Kukulle um den Hals hängend umgelegt hat.
17. Die zu segnenden Dinge werden immer zusammen mit dem Weihwasser und dem Weihwasserwedel zu seiner Rechten abgelegt. Zu segnende Personen jedoch stellen sich an die Stufe, eine jede auf der Seite ihres Chores, wenn eine besondere Vorschrift dem nicht entgegensteht.
Der Vers, die Orationen und die Eigenriten einer jeden Segnung finden sich an ihren Stellen und am Schluss des Messbuchs.

Samstag, 10. Dezember 2011

Rituale cisterciense Deutsch - 5. Buch, 5. Kapitel: Die Ordnung bei der Empfehlung der Seele

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Rituale cisterciense (1892), Buch 5, Kapitel 5:

5. Kapitel: Die Ordnung bei der Empfehlung der Seele

[1.] Wenn der Kranke sich wirklich dem Tode nähert, wird er, bekleidet in das Mönchsgewand, wenn es machbar ist, zu Boden gelegt auf eine Matte oder grobe Decke, die über geweihte Asche in Form eines Kreuzes und eine andere Matte oder Stroh gebreitet ist. Dann schlägt der Infirmar oder sein Helfer die Tabula mit schnell aufeinander folgenden Schlägen im Kreuzgang, der Sakristan gibt in der Kirche das Zeichen mit der größeren Glocke bis zu vier Mal, das heißt ein drei Mal unterbrochenes Schlagen; und alle, die es hören, kommen schnell zum Sterbenden, indem sie mit lauter Stimme und bis zum Infirmitorium [der Krankenstation] wiederholen: Ich glaube an Gott, den Vater, den allmächtigen, etc. Der Kantor bringt das Ritualbuch mit, und der Sakristan, dem Brüder helfen, eine zweifache Stola, von der eine schwarz, die andere violett, ist, den Hirtenstab für den Abt, ein kürzeres Kreuz, eine gesegnete, brennende Kerze in der Absconsa, das Rauchfass, Kohlen, das Schiffchen und Weihwasser mit Weihwasserwedel.
2. Wenn das Offizium in der Kirche gesungen wird, bleiben wenige im Chor zurück, denen der Kantor einen Wink gibt, [die übrigen] gehen zum Sterbenden: Es sei denn, es handelt sich um ein vorgeschriebenes Offizium, das zu unterbrechen nicht gestattet ist. Denn wenn es ein vorgeschriebener Festtag ist, werden deswegen die Vespergottesdienste oder die Nokturnen nicht schneller gesungen. An anderen Tagen jedoch, verrichten diejenigen, die im Chor zurückbleiben, gewöhnlich schneller das begonnene Offizium und folgen sofort den anderen. Wenn sie im Kapitel sein sollten, gegen sie hinaus; wenn im Refektorium, unterbrechen sie, auch in der vierzigtägigen Fastenzeit, die Mahlzeit und kommen nach der Übergabe der Seele zurück, ohne ein neuerliches Zeichen, einen [neuerlichen] Vers oder Segen des Lesers, nehmen wieder die Lesung auf und setzen die Mahlzeit fort. Wenn sie bei der Kollatslesung sitzen, spricht der Leser bald: Du aber, Herr, und nachdem der Vers Die göttliche Hilfe gesprochen wurde, gehen sie direkt ins Infirmitorium.
3. Nachdem sich alle also dort versammelt haben und sich gleichsam in zwei Chöre aufgeteilt um das Bett gestellt haben, besprengt der Obere, nachdem er die violette Stola empfangen hat und das Weihwasser, den Kranken und die Anwesenden, wobei er spricht Besprenge mich, etc. Dann reicht er dem Kranken das Bild des Gekreuzigten zum Kuss und richtet ihn mit gefälligen Worten in der Hoffnung auf das ewige Leben auf: Nachdem das in Kürze geschehen ist und das Bild des Gekreuzigten vor den Augen des Sterbenden aufgerichtet wurde, gibt er in seine Hand die brennende, gesegnete Kerze, wenn nötig mit Hilfe des Infirmars.
4. Darauf rezitiert er, nachdem er mit den Anwesenden die Knie gebeugt hat, fromm die folgende Litanei, wobei der Chor auf die einzelnen [Anrufungen] antwortet.
Kyrie eléyson. Christ eléyson. Kyrie eléyson.
Sancta Maria, Ora pro eo.
[etc.]
5. Darauf fügt er die folgenden Gebete hinzu, wenn die Seele im Todeskampf ihres Auszugs bedrängt wird.
Proficiscere, anima christiana [etc.]
Deus misericors
Commendo te omnipotenti Deo
Suscipe Domine
Commendamus tibi
Delicta juventutis
[etc.]
6. Unterdessen singt der Konvent, während der Abt mit dem Kantor, dem Sakristan und dem Infirmar die obenstehenden Gebete rezitiert, wechselseitig auf einem Ton die sieben Bußpsalmen. Der Beichtvater jedoch steht dem kranken Sterbenden bei [und] spricht über ihn die Formel der letzten Absolution in dieser Form:
Auctoritate Die omnipotenti … [etc.]
7. Wenn dann die Seele noch bedrängt wird, werden Psalm 117 Danket dem Herrn etc. und Psalm 118 Wohl denen etc. gebetet, der als Ganzes auf die Horen aufgeteilt ist. Nachdem sie gebetet wurden, geht der Konvent weg, wenn [der Sterbende] bis dahin noch nicht verschieden ist; und es bleibt dort mit dem Kreuz, dem Weihwasser und der angezündeten Kerze ein Priester zurück, der fähig ist, dem Sterbenden zu helfen, der ihn aufmuntert und in Abständen sanft ermahnt: 1. Dass er fest an alle Glaubensartikel, das Symbolon der Apostel glaube, und [es], wenn er kann, rezitiere. 2. Dass er auf Christus hoffe, der ihm gnädig ist aufgrund seiner Milde und durch die Wohltat der Passion, und [dass er hoffe] auf die Fürsprache der seligen Maria und aller Heiligen, die ihn ins ewige Leben begleiten werden. 3. Dass er aus ganzem Herzen einen Akt der Gottesliebe hervorlocke. 4. Dass er Trauer empfinde wegen der Liebe Gottes, die, wenn auch nur leichtest, oft von ihm verletzt wurde, sowohl gegenüber Gott, dem Herrn, als auch gegenüber dem Nächsten. 5. Dass er von Herzen allen verzeihe, die ihn auf irgendeine Weise angegriffen haben, und dass er von denen Verzeihung erbitte, die er irgendwie beleidigt hat. 6. Dass er den Schmerz und die Beschwerde der Krankheit als Strafe für seine Sünden geduldig und willig ertrage, etc.
8. Er kann ihm auch diese kleinen Bitten eingeben:
Miserere mei Deus secundum magnam misericordiam tuam.
[etc.]
9. Dies und ähnliches kann ein kluger Priester, nach dem Fassungsvermögen der Person, dem Sterbenden in der Volkssprache oder lateinisch eingeben; dann [kann er auch] über ihn Kapitel 17 des Evangeliums und die Leidensgeschichte nach Johannes lesen; und auch andere Gebete über das Leiden [des Herrn] kann er beten, wie am Schluss des folgenden Kapitels [angegeben].