Dienstag, 22. Januar 2013

Rituale cisterciense (1892), 3. Buch, 16. Kapitel: Von der Reinigung der heiligen Maria

16. Kapitel: Von der Reinigung der heiligen Maria

[1.] Wenn das Fest der Reinigung [Mariens] auf den Sonntag der Septuagesima oder der [auf ihn] folgenden fällt, wird es auf den Montag verlegt. Die Segnung der Kerzen jedoch, die Austeilung und die Prozession geschehen am Sonntag selbst: wenn nicht anderes in der Diözese zu befolgen ist; aber in der folgenden Messe, die vom Oberen, der diese [Kerzen] gesegnet hat mit violetten Dalmatiken zu feiern ist, werden die Kerzen gelöscht bis zum Offertorium, wenn sie zum Zelebranten zu bringen sind im weiter unten beschriebenen Ritus.
2. An welchem Tag sie nun aber auch gesegnet werden: der Sakristan bereitet vor der Terz einen Tisch auf der Presbyteriumsstufe vor, zur Rechten des Analogium, ein Gefäß mit Weihwasser (oder, falls es ein Sonntag ist, mit vom Zelebranten zu segnendem [Wasser]) mit Aspergill, Kerzenleuchter zum Abstellen der Kerzen der Altardiener, wenn diese beschäftigt sind, die zu segnenden Kerzen selbst auf dem Tisch, der mit einem sauberen Leinentuch bedeckt sein soll, das allseitig herabhängt, und an der Evangelienseite das Prozessionskreuz mit Tragstange.
3. Wenn die Terz gebetet wurde, wendet sich der Chor dem Altar zu, während der Zelebrant und die Altardiener in die Sakristei zurückgehen, und violette Paramente, die ihnen passen, anlegen, das heißt: der Obere die Stola und das Pluviale, der Diakon die Stola, die Akolythen Leuchter und der Thuriferar das Schiffchen mit dem Rauchfass; so gehen sie direkt in der gewohnten Ordnung zur Presbyteriumsstufe. Wenn sie dort ankomme, verneigen sie sich, und wenn der Abt die Orationen der Segnung singt, stellen die Akolythen die Leuchter auf der Vorderseite der Kredenz ab und kehren zum Segnenden zurück, dort stehen sie mit gefalteten Händen hinter dem Diakon zur Rechten und [hinter] dem Subdiakon zur Linken; der Thuriferar jedoch stehe gleichsam zwischen Diakon und dem ersten Akolythen, der das Rauchfass hält, welches er nach dem Inzens der Kerzen an einem geeigneten Ort abstellt.
4. Während am Schluss der Segnung der Zelebrant die Kerzen besprengt und beweihräuchert, [wobei] der Diakon hilft, der danach eine [Kerze] von ihnen anzündet[;], tritt der [nächst] Würdigere des Chores, sei es der Abt oder irgendein anderer, ohne Stola mit der Kukulle zur Rechten des Diakons und nimmt aus dessen Händen die entzündete Kerze entgegen [und] reicht sie dem Zelebranten dar, [wobei] er zugleich diese [Kerze] und die rechte Hand des Zelebranten küsst, [und] sich vor ihm vorher und nachher verneigt. Wenn es aber der Abt ist, verneigt er sich weder, noch beugt er die Knie, noch wird irgendetwas geküsst, sei es beim Geben, sei es beim Empfangen; oder besser noch verneigt sich der Zelebrant, wenn er nicht selbst der Vorsteher (praelatus) ist, nachdem er die Kerze empfangen hat, ein wenig vor dem darbringenden Abt; doch wird weder dessen Hand noch dessen Kerze geküsst. Zwischenzeitlich stimmt der Kantor die Antiphon und das Canticum an, wie in den Büchern [verzeichnet], immer bei ihrem Beginn wiedereinsetzend, den der Chor, einander zugewandt, weitersingt.
5. Bald übergibt der Zelebrant seine Kerze dem Thuriferar, damit er sie auf den Leuchter stelle, und er nimmt eine andere angezündete [Kerze] aus der Hand des Diakons entgegen und [sie] in der Mitte haltend [und] zum Konvent gewendet, gibt er sie dem [nächst] Würdigeren des Chores, von dem er die seine empfangen hat, der die Knie beugt und die Hand des Darreichenden und die Kerze am untersten Ende küsst. Mit einem ähnlichen Ritus teilt er die anderen Kerzen an den Diakon und die anderen Altardiener, und an die einzelnen Mönche des Chores, die Novizen, Konversen, Gäste und Familienmitglieder (= im Hausverband lebenden Helfer, die „familia“) aus, [die] jeweils zu zweien [kommen, und] im gleichen Abstand und gleichem Geh[tempo] hier und dort herantreten.
6. Wenn Prälaten anwesend sind, die nicht an die Stufe herantreten möchten, nämlich ein Kardinal oder Bischof, oder ein Abt eines anderen Ordens, empfängt der [nächst] Würdigere des Chore, der die Kerze dem Zelebranten dargebracht hat, andere entzündete Kerzen (nach seiner eigenen) aus dessen Hand, stehend [und] ohne Kuss, und überreicht sie jenen mit gebührender Hochachtung. Doch wenn jemand von jenen zur Stufe gehen möchte, empfange er die Kerze vor jedwedem Altardiener ohne Kuss oder irgendeiner Verneigung, wie oben [gesagt], aus der Hand des Zelebranten. Auch die Priester empfangen ihre [Kerzen] vor den Akolythen, die Akolythen aber vor den übrigen.
7. Solange der Zelebrant die Kerzen austeilt, steht der Subdiakon zu seiner Linken und der Diakon zur Rechten, [wobei er] die angezündeten [Kerzen] vom Akolythen entgegennimmt, der hinter ihm steht, und die einzelnen [Kerzen] dem Priester mit Küssen [weiter-]reicht, wie gesagt wurde. Wenn jedoch der Diakon und der Subdiakon ihre [Kerzen] empfangen, reicht der Thuriferar anstelle des Diakons die vom Akolythen angezündeten [Kerzen] dem Zelebranten: von ihm nimmt er auch nach den Priestern die Kerze vor den Akolythen entgegen, und deren Dienst übernimmt er bei den anzuzündenden Kerzen, die ihnen der Priester übergibt. Sodann stellen die Akolythen die empfangenen Kerzen sofort auf ihren Leuchtern ab; und gleicherweise stellen sie die Kerzen vom Diakon, wenn er dem Zelebranten dient, und von Subdiakon und Thuriferar vor Beginn der Prozession auf die vorbereiteten Leuchter.
8. Wenn die Kerzen ausgeteilt wurden stimmt der Kantor sofort die Antiphon Exurge [Erhebe dich] etc. an und der Chor singt sie weiter, wobei er sich zum Gloria Patri verneigt. Zwischenzeitlich wäscht sich der Zelebrant, an den Altar zurückgekehrt, mit den Altardienern die Hände, [wobei] vom Subdiakon das Wasser in eine Schüssel gegossen wird, die ein Akolyth hält, vom Diakon jedoch das Handtuch dargereicht wird. Nach der Wiederholung der Antiphon singt der Priester die Collecta Exaudi [Erhöre] stehend vor der Presbyteriumsstufe, der Chor stehe ebenfalls, zum Altar gewandt.
9. Der Diakon jedoch gehe zur Altarstufe, beuge die Knie, und nehme das Kreuz von der Epistelseite; die Akolythen nehmen gleichermaßen ihre Leuchter von der Kredenz, und steigen langsam zusammen mit ihm ohne irgendeine Verneigung von der Altarstufe hinab, um die Prozession zu halten, während der Zelebrant, nachdem die Collecta gebetet wurde, Weihrauch ins Rauchfass einlegt, wobei ihm vom Subdiakon das Schiffchen und vom Thuriferar das Rauchfass dargeboten wird. Nachdem das geschehen ist, nimmt der Subdiakon die Kerze des Zelebranten vom Leuchter, der dort auf der Stufe abgestellt ist, reicht sie ihm mit den entsprechenden Küssen, wenn nicht der assistierende Priester dabei ist, der dies alles tut; und sofort geht er, nachdem er Weihwasser und Aspergill genommen hat, mit dem Thuriferar dem Brauch entsprechend dem Kreuz voraus, beide ohne Kerzen.
10. Wenn der Kantor jedoch die Antiphon Ave gratia plena [Sei gegrüßt, Gnadenvolle] anstimmt, gehe der Konvent hinaus, hinter dem Kreuz her, und halte in den Händen die brennenden Kerzen, [und zwar] so, dass die rechts Seienden diese in der rechten Hand halten, das Processionale jedoch in der linken, und umgekehrt die links Seinenden in der linken [Hand] die Kerze und in der rechten das Processionale halten; sie halten die Prozession und stehen, wie in Buch I, Kap. 17 [gesagt]. Irgendeiner der Novizen jedoch oder der Konversen, die hinter dem Abt gehen, oder auch der Sakristan selbst, bringe die Kerzen der Diener im Heiligtum in die Sakristei, damit sie nach ihrem Zurückkommen mit ihnen zum Altar treten.
11. Wenn die Prozession gehalten wurde, gehen die Altardiener und der Zelebrant direkt in die Sakristei, wo sie die entsprechenden Paramente von weißer Farbe anziehen und mit Dalamatiken zum Altar gehen in der gewohnten Weise[.] Sie halten Kerzen in den gefalteten Händen, außer den Akolythen, die ihre [Kerzen] mit den Leuchtern tragen, und dem Thuriferar, dessen Kerze auf ihrem Leuchter bei der Kredenz bleibt.
12. Wenn sie an der Altarstufe angelangt sind, gebe der Zelebrant seine Kerze dem Diakon, er und der Subdiakon übergeben ihre [Kerzen] dem Thuriferar, damit er (der zwischenzeitlich das Rauchfass mit dem Schiffchen abgestellt hat) sie auf die Leuchter bei der Kredenz stellt. Dann beginnen sie, nach der Kniebeugung, die Messe und fahren in ihr fort, wie im Missale [angegeben]. Wenn die Brüder sodann in den Chor eingetreten sind, stellen sie zusammen die einzelnen Kerzen vor oder neben sich an einen geeigneten Ort, bis zum Evangelium.
13. Wenn der Zelebrant den das Evangelium verlesenden Diakon gesegnet hat, reicht der Subdiakon oder der Sakristan ihm eine Kerze mit Kuss, die er mit gefalteten Händen bis zum Ende des Evangeliums hält. Auch der Chor hält, während das Evangelium gelesen wird, mit einer Hand die Kerzen, wie bei der Prozession, [wobei] die andere auf der Brust liegt. Die Altardiener jedoch, die beim [Evangelien-] Text stehen, haben keine [Kerzen], ausgenommen die Akolythen. Nach dem Evangelium gibt der Zelebrant die Kerze an den Sakristan zurück, bevor der [Evangelien-] Text geküsst wird, und gleicherweise stellt der Konvent die seinen dahin zurück, wo sie vorher gestanden haben, [um sie] nach dem Offertorium wieder zu nehmen.
14. Nachdem nämlich der Abt die Gott zu weihende Opfergabe dargebracht hat, nach dem Gebet des Veni Sanctificator [Komm, Heiligmacher], [und] nach der Kniebeugung, wendet er sich den Altardienern zu und nimmt seine Kerze aus der Hand des Diakons entgegen. Die Altardiener nehmen alle ihre [Kerzen] und warten, bis der Abt zur Altarstufe hinabsteigt, während der Sakristan und sein Gehilfe etwas hinter ihnen zum Altar hin stehen. Der Sakristan nimmt vom an der Stufe stehenden Abt, gleichsam [auf ihn] zugehend, die Kerze aus seiner Hand mit Verneigungen vorher und nachher und den üblichen Küssen entgegen, verbleibt aber darauf zu seiner Rechten, und sein Gehilfe zur Rechten ebendieses Sakristans, um die ausgelöschten Kerzen entgegenzunehmen und wegzulegen, die der Sakristan aus der Hand des Zelebranten annimmt, unauffällig löscht und ihm übergibt.
15. Bald also, sowie der Zelebrant seine Kerze dem Sakristan übergeben hat, verneigt sich der Diakon vor dem Abt, küsst die Kerze, die er hält, bringt sie ihm dar, wobei er ihm die Hand küsst und sich wiederum verneigt, [und] dem Subdiakon und den anderen Altardienern Platz macht, die mit dem gleichen Ritus, einer nach dem anderen, ihre Kerzen opfern. Wenn Prälaten anwesend sein sollten, die hinzutreten möchten, kommen sie vor den Altardienern, [und] opfern die Kerzen ohne Kuss oder Verneigung.
16. Danach komme der Zelebrant zur Presbyteriumsstufe, und dort, in der Mitte zwischen den Heiligtumsdienern sitzend oder stehend (wie es ihm gefällt), nehme er die Kerzen der einzelnen Brüder entgegen, die zu zweien und zweien der Ordnung nach herantreten, [und] diese mit dem gleichen Ritus wie oben opfern. Der Diakon jedoch, zu seiner Rechten stehend, nimmt sie aus der Hand des Abtes entgegen, übergibt sie dem Sakristan, der sie auslöscht und weglegt, wobei ihm sein Gehilfe hilft. Darauf kehrt der Zelebrant, die Knie an der Altarstufe beugend, [an den Altar] zurück, inzensiert die Opfergabe und den Altar und setzt die Messe fort.

Mittwoch, 16. Januar 2013

Gedruckte Liturgiebücher des Zisterzienserritus - eine Ausstellung in Sainte Marie du Désert (F)

Jeder ordensgeschichtlich Interessierte wird früher oder später auf die Druckausgaben der zisterziensischen Liturgiebücher und auf die Häuser des Ordens, die später Druckereien besaßen, stoßen. Auch wenn die Sorge um angemessene liturgische Bücher nur ein kleiner Aspekt der Ordensgeschichte ist, zählen die frühen und frühesten (in öffentlichen Verlagshäusern gedruckten) Editionen zu den wirklich wertvollen Gütern des kulturellen Erbes der Zisterzienser. Für die Zisterzienser ist dieser Aspekt sicher nicht vorrangig - aber bedenkenswert ist er allemal. Deshalb sei an dieser Stelle auf die mit viel Einsatz eingerichtete Ausstellung in Sainte Marie du Désert (Erzbistum Toulouse) hingewiesen, die in anderer Form die bemerkenswerte Ausstellung in Cîteaux im Jahre 2010 "Printemps des livres de Louange" fortführt. In der Abtei Désert werden ebenfalls die herausragenden Ausgaben der Zisterzienser Liturgiegeschichte vorgestellt, allerdings beschränkt auf die gedruckten Editionen, die sich im Besitz der Gemeinschaft befinden. Vielleicht kann das Interesse an der Liturgiegeschichte des Ordens auch das Bewußtsein für das Patrimonium des Ordens stärken, ohne das der heutige Glaubensweg nur ein kurzsichtiges Vorantasten bliebe.      

Freitag, 4. Januar 2013

Rituale Cisterciense Deutsch, 3. Buch, 11. Kapitel: Von der Kollatslesung und der Komplet

11. Kapitel: Von der Kollatslesung und der Komplet

[1.] Wenn das Zeichen zur Kollation - das ist die Lesung vor der Komplet - gegeben wurde, gehen die Brüder, sobald sie durch die läutende Glocke zusammengerufen werden, in den [Lesegang] Kreuzgang der Kollation bei der Kirche, oder, wenn die Kälte es dringlich erscheinen lässt, in den Kapitelsaal, nicht jedoch in die Kirche. Und, sich voreinander verneigend, setzen sie sich dergestalt, dass unterhalb des Priors zum unteren Kreuzgang hin die Priester seines Chores sind, die Jüngeren jedoch entgegengesetzt. Auf der anderen Seite hingegen zur Kirche hin die Priester des Abtschores, und entgegengesetzt die jüngeren Mönche und alle Novizen. Wer der Kollatslesung vorsteht, sitzt in der Mitte der Älteren vor dem Analogium, auf das der vorlesende Bruder das geöffnete Buch gelegt hat, bis jener [Obere] kommt. Und er liest sitzend an seinem Platz, wenn er es möchte, [jedoch] schweigend.
2. Sobald der Obere kommt, stehen alle auf und es verneigen sich vor ihm, wenn es der Abt ist, diejenigen, vor denen er hergeht; und sie stehen so unbedeckten Hauptes und mit seitlich herabgelassenen Armen da, bis für den Leser der Segen gesprochen wurde [und] ohne neuerliche Verneigung setzen sie sich mit bedecktem Haupt, sobald der Obere sitzt. Sodann liest der Leser, der in der vorherige Woche zur Mahlzeit gelesen hat, den Stoff für die im Chor zu machende Betrachtung. An den Samstagen jedoch, wenn die Füße gewaschen werden, liest er nicht, noch empfängt er den Segen, außer nach dem Mandatum: Denn gleich, wenn der Obere dazukommt, setzen sich alle zusammen mit ihm.
3. Wenn vier oder fünf [Doppel-]Seiten gelesen sind, oder wie viel die Zeit erlaubt, sage der Obere: Tu autem [Du aber…], der Lektor [hingegen fährt fort]: Domine miserere nobis [Herr, erbarme dich unser]; und der Konvent [antwortet] aufstehend: Deo gratias. Dann wenden sich alle nach Osten oder zum Kreuzgang des Kapitels [und] der Obere singe, ohne sich zu bekreuzigen, mit der Flexa: Adjutorium nostrum, etc. [Unsere Hilfe, etc.] und wenn der stehende Konvent geantwortet hat: Qui fecit, etc. [Der Himmel und Erde gemacht hat.], verneigen ich alle und treten in folgender Ordnung in die Kirche ein: 1. Zuerst gehen die Novizen, gefolgt vom Magister, 2. [dann] die Priester und Jüngeren des Chores, die in der Nähe der Kirche sitzen, 3. [dann] der, der den Konvent leitet, 4. [dann] die Priester und Jüngeren des anderen Chores.
4. Nach dem Zeichen, auf einen Laut des Oberen hin, sprechen alle kniend oder verneigt, der [liturgischen] Zeit entsprechend, das Vater unser und das Gegrüßet seist du, Maria, unter Schweigen, und nach dem Lautzeichen wird die Hore begonnen, wie anderweitig [beschrieben], unter Voranschickung des Verses Converte nos, etc. [Bekehre uns, etc.], indirectum [auf einem Ton gesungen]. Die Psalmen psalliert man stehend und ohne Gesang: der Hymnus jedoch mit Noten [unterlegt]. Zum Vers Custodi nos [Behüte uns] wird die gewisse Glocke geläutet bis zum Deo gratias.Wenn der Priester spricht Benedicat, etc. [Es segne, etc.], bekreuzigen sich alle und sprechen darauf still kniend oder verneigt, wie zu Beginn der Hore, Vater unser, Gegrüßet seist du und Ich glaube. Wenn diese [Gebete] gesprochen wurden, wird die Komplet der Seligen [Jungfrau Maria] begonnen, ausgenommen am Vigiltag des Osterfestes; gegen deren Ende, also wenn der letzte Psalm gebetet wird, zündet der Kirchendiener zwei Kerzen an der Altarstufe an, oder aber beim Altar.
5. Nach dem Vers Dulce nomen, etc. [Süßer Name; der Komplet B.M.V.] erheben sich alle und stehen „extra stalla“, außerhalb der Stalle zum Altar gewendet, und, vom Kantor begonnen, singen alle feierlich die Antiphon Salve Regina weiter. Zum Vers Ave Maria beugen sie die Knie über die Artikel [Fingerknochen] der Hände, und während vom stehenden Oberen die Collecta gebetet wird, bleiben sie über die Knie gebeugt. Darauf knien sie oder verneigen sich über die Miserikordien, wenn derselbe [Obere] kniend oder gestützt wie die übrigen Divinum auxilium [Die göttliche Hilfe] und Fidelium, etc. [Die Seelen der Gläubigen] spricht.
6. Dann wird, außer am Vigiltag der Geburt des Herrn, das Zeichen zum Englischen Gruß gegeben, damit sie [die Klostergemeinde] drei Mal Gegrüßet seist du, Maria sprechen, stehend oder kniend über den „Artikeln“ [Handknöcheln], wie in Buch I, Kap. 2 [gesagt] und darauf halten sie mit gebeugten Knien stehend [!] zum Altar das Gebet bis zum Lautzeichen des Oberen: Wenn sie es gehört haben, stehen alle auf, verneigen sich, gehen in der Ordnung einer nach dem anderen durch den oberen Zugang des Chores hinaus, [wobei] der Obere vorausgeht, [und] verneigen sich wiederum, wenn sie am Hochaltar vorbeigehen. Der Obere steht bei dem Gefäß mit Weihwasser an der untersten Stufe der Dormitorium[streppe], wo er, wenn er das Aspergill entgegengenommen hat, die einzelnen besprengt, die sich vor ihm verneigen und ins Dormitorium hinaufgehen. Danach gehen sie, wenn die Nola [die kleine Glocke] des Dormitoriums für die Dauer etwa eines De profundis [Ps.129] geläutet hat, ohne Verzug ins Bett.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Rituale Cisterciense Deutsch, 4. Buch, 12. Kapitel: Von der Rasur

12. Kapitel: Von der Rasur

[1.] Das Haar wird geschnitten am Vigiltag der Geburt des Herrn oder an dessen Vortag, am Vigiltag von [Mariae] Reinigung, am Samstag vor dem ersten Sonntag im März, am Mittwoch der Großen [oder Kar-] Woche, am Samstag vor dem vierten Sonntag nach Ostern, am Vigiltag von Pfingsten, am Vigiltag des hl. Johannes des Täufers, unseres hl. Vaters Stephan, der Aufnahme [Mariens] und der Geburt der Seligen Maria, des hl. Dionysius und von Allerheiligen, sowie am Samstag vor dem ersten Adventsonntag.
2. Am entsprechenden Tag bringen die Wochendiener der Küche, nachdem man mit der Tabula zur Arbeit gerufen hat, warmes Wasser in den Kreuzgang[arm] des Refektoriums oder in den Wärmeraum; der Vestiarmönch oder ein anderer für Derartiges Zuständiger bringt Kämme, Zangen, Rasiermesser und [Schärf-]Steine dorthin und bereitet sie vor, zusammen mit Leinentüchern und den nötigen Gefäßen, und die Brüder rasieren sich gegenseitig auf Weisung des Oberen hin.
Generalabt Gabriel Sortais mit der "Corona"
3. Die Rasur der Corona falle nicht klein aus, wenn ein Haarkranz oberhalb der Ohren stehengelassen wird, der [aber] nicht die Breite des kleinen Fingers übersteigt. Die übrigen Haare unterhalb und oberhalb werden alle abgeschnitten. Der Bart jedoch wird einfach mit dem Rasiermesser gleichmäßig und überall rasiert, so dass keine vorstehenden Barthaare auf der Oberlippe oder Unterlippe [zurück-]bleiben.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Rituale cisterciense Deutsch (1689), 3. Buch, 24. Kapitel: Vom Fest des Leibes Christi

Rituale cisterciense (1689), Drittes Buch, Kapitel 24: Vom Fest des Leibes Christi

1. Am Donnerstag nach dem Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit bereitet der Sakristan vor, was notwenig ist für den Feiertag des Leibes Christi, das ist einen etwas hervorragenden Ort, zurückhaltend geschmückt, in der Mitte des zurückliegenden Teils des Altars, um bequem ohne Stufen reponieren zu können, das Gefäß, in dem das Heiligste Sakrament ausgesetzt wird, einen Baldachin für die Prozession, eine Monstranz (tabernaculum ostensorium, „Zeige-Tabernakel“), also eine silberne, vergoldete Pyxis, in deren oberstem runden Abschnitt sich eine doppelte kristallene Lunula befindet, hinter der leicht eine Hostie eingeschlossen und bei der Prozession getragen werden kann; diese zu konsekrierende Hostie schneidet er so zurecht, dass sie in diese Rundung passt, ohne dass sie ihre oberen Partien berührt oder das Kristall.
2. Sehr wünschenswert und in höchstem Maße geziemlich ist es, dass nach altem Brauch am Altar, wo das Allerheiligste Sakrament ausgestellt ist, keine Messen gefeiert werden, noch dass es umliegend ausgestellt wird; aber es ist jedoch üblich in dieser gesamten Oktav, es [das Allerh. Sakrament] auf dem Altar unbedeckt auszustellen, während die Vesper und das göttliche Offizium, zu denen sich eine große Volksmenge gesellt, gebetet werden; und das Generalkapitel des Ordens gestattet gewissen Klöstern, wie denen in den Städten, in denen [die Bräuche] sich schon eingebürgert haben, der Sitte zu folgen: Daher kann in diesen Klöstern der Priester an diesem Donnerstag, nach der örtlichen Gewohnheit, im Hochamt die Hostie, von deren Beschaffenheit die Rede war, konsekrieren und diese in eine Monstranz einfügen, die er mit der gebührenden Ehrfurcht an einem Ort verschließt, wo sie für gewöhnlich steht.
Von der Aussetzung des Allerheiligsten Sakraments
3. Wenn jedoch der Allerheiligste Leib Christi auszusetzen ist, bekleidet sich der Sakristan oder der Hebdomadarpriester mit Stola und Pluviale von weißer Farbe über einer Albe, und zum Beginn des folgenden Offiziums, wenn der Konvent wie üblich versammelt ist und im Chor kniet, geht er, indem der Kirchendiener im Mönchskleid mit dem Weihrauchfass ihm vorangeht, zum Altar und trägt mit beiden Händen die Burse mit dem Korporale, auf der der Tabernakelschlüssel liegt. Dann, während vier Kerzen brennen, beugt der Priester an der Stufe die Knie, steigt hinauf, enthüllt den Altar, faltet das Korporale auseinander, und, nachdem er den Schrein geöffnet hat, in dem das Sakrament verschlossen war, stellt die Pyxis auf das Korporale, beugt die Knie und steigt zur Stufe hinab.
4. Dort stehend, legt er mit Hilfe des Thuriferars Weihrauch in das Fass ein, ohne irgendeinen Segen oder Kuss; und mit gebeugten Knien verneigt er sich tief, dann inzensiert er drei Mal das Sakrament, verneigt sich wiederum, und gibt dem Altardiener das Weihrauchfass zurück, der es bei dem „Ministerium“ [Kredenz] abstellt. Das Sakrament wird nicht mehr beweihräuchert: Vielmehr steht der Priester auf, tritt an den Altar, beugt die Knie, stellt die Pyxis in den vorbereiteten Thron, macht wiederum eine Kniebeuung und geht mit dem Altardiener weg, während im Chor das Offizium beginnt.
5. Wenn vielleicht einmal eine größere Feierlichkeit erwünscht ist, wie beispielsweise zu Beginn eines Jubiläums oder eines vom Bischof angezeigten Vierzigstundengebets, kann der Obere selbst oder ein anderer Zelebrant bei Beachtung der Angemessenheit dieses tun, [und zwar] mit Diakon und Subdiakon, die mit Dalmatiken bekleidet sind, und einem Thuriferar in Albe; in diesem Fall, wobei höchstens sechs Kerzen brennen, faltet der Diakon das Korporale auseinander und holt die Pyxis heraus, die der Subdiakon (falls sie aufgehängt ist) herablässt; und im Chor kann die Antiphon Paratur gesungen werden, wie sie sich findet in den Vigilien des Festes, das wir behandeln: Dem kann für ein Jubiläum, oder auch nach der obengenannten Oration, vom Zelebranten angefügt werden der Vers V Omnia a te expectant Domine. R Ut des illis eam [sic!] in tempore. und die Collecta Actiones nostras etc. mit der einfachen Konklusion.
6. Bei anderen Aussetzungen jedoch geschieht dies nicht: Sondern nachdem der Priester beweihräuchert hat wie oben beschrieben, betet der Konvent still das Sakrament an, wie im Zeremoniale er Bischöfe, Buch 2, Kap. 33 angezeigt. Wenn tatsächlich am Tag, zum Beispiel vor der Vesper, wie unten gesagt, wiederum das Sakrament enthüllt wird, nimmt der Sakristan, während der Konvent nach der Marianischen Hore kniet, in Kukulle mit der Stola um den Hals und wenn zwei oder höchstens vier Kerzen brennen, ohne Inzens das vor der Pyxis aufgestellt Velum weg; oder er stellt diese herausgenommene Pyxis in den Thron, wobei er vorher und nachher die Knie beugt.
Von der Prozession
7. Am Festtag wird das Sakrament zur Prozession, die nur im Kreuzgang zu halten ist, feierlich herausgeführt nach folgendem Ritus: Nachdem die Terz gesungen wurde, kehren der Zelebrant und die Altardiener in die Sakristei zurück, wo sie sich wie zur Messe ankleiden, während die Glocken geläutet werden, und der Sakristan verteilt weiße Kerzen an die einzelnen Brüder und häuslichen Mitarbeiter: der Diakon, der vom Kantor bestimmt wurde, bekleidet sich auch mit Stola und Dalmatik über der Albe, um das Kreuz an der Spitze der Prozession zwischen den Kerzenträgern zu tragen, die Alben angezogen haben; Ältere in Kukullen treten zum vorbereiteten Baldachin; der Kirchendiener zündet die Kerzen des Altars und der Brüder an.
8. Die so Vorbereiteten treten zum Altar, wie wir für den Gründonnerstag gesagt haben; voraus geht der Thuriferar mit dem nicht rauchenden Weihrauchfass und dem Schiffchen zur Altarstufe; es folgt der Kreuzträger zwischen den Kerzenträgern, und er bleibt mit jenen [dort] in der Mitte der Presbyteriumsstufe; die Älteren mit dem Baldachin treten heran und stehen mitten im Presbyterium gegen die Altarmitte; die Altardiener und der Zelebrant kommen zur Stufe und der Konvent steht zum Altar gewendet und hält die Kerzen, wie wir gesagt haben beim [Fest der] Reinigung [Mariens].
9. Darauf beugen alle die Knie, außer Kreuzträger und Akolythen, und der Diakon läßt unter dem Schweigen des Chors die Pyxis erscheinen mit den üblichen Kniebeugungen, stellt sie mitten auf das Korporale auf den Altar und kehrt zum Zelebranten zurück; er steht und ihm reicht er den Weihrauch zum Einlegen, ohne Segen oder Kuß, und wenn er kniet gibt er ihm das Weihrauchfass. Nachdem aber der Zelebrant das Sakrament beweihräuchert hat, steigt der Diakon, nachdem er das Weihrauchfass dem Thuriferar übergeben hat, zum Altar hinauf und nimmt, wie zum Gründonnerstag gesagt wurde, die Pyxis und legt sie stehend in die Hände des knienden Zelebranten, dem zwischenzeitlich der Subdiakon das Schultervelum umgelegt hat, das ihm vom Thuriferar vom Ministerium angereicht worden ist.
10. Der Zelebrant empfängt mit den von diesem Velum verhüllten Händen die Pyxis in der Weise, dass das in die Hostie eingeprägte Bildnis zur Prozession gewandt ist; und er steht auf und geht mitten zwischen den Altardienern, die ihm beidseitig seine Arme stützen, unter den Baldachin. Sobald aber der Diakon das Sakrament vom Altar genommen hat und wenn vom Kantor das Responsorium Eduxit angestimmt worden ist, geht der Kreuzträger hinaus mit den Kerzenträgern und die Brüder folgen in der Ordnung, wie bei anderen Prozessionen üblich, [und] sie verneigen sich tief, wenn sie am Sakrament vorübergehen: Vom Thuriferar oder den Thuriferaren, wenn zwei anwesend sein können, wird der Weg in der Mitte der Prozession beweihräuchert, wie in Kap. 20 [gesagt].
11. An einer jeden Station steht der Konvent wie sonst auch, und der Zelebrant hält das Sakrament in den Händen ohne es irgendwie abzusetzen oder zu beweihräuchern: obgleich dies ausdrücklich verboten ist im Caeremoniale Episcoporum, es sei denn [an Orten], wo der Weg länger ist und eine Kirche vorhanden ist, auf deren Altar das allerheiligste Sakrament abgesetzt werden soll. Alle Brüder jedoch, die dem Zelebranten vorausgehen, ausgenommen der Kreuzträger und die Akolythen, beugen die Knie vor dem Leib des Herrn, bevor sie zum Stehen kommen, und ähnlich halten sie es, wenn sie vom Ort, wo sie stehen, weggehen. Diejenigen jedoch, die den Baldachin begleiten oder ihm folgen, machen keinerlei Ehrbezeigung, und der Zelebrant singt nicht mit den anderen.
12. Bei der Rückkehr der Prozession gehen der Kreuzträger und die Akolythen direkt in die Sakristei, die Brüder, die beim Einzug singen, stehen im Chor zum Altar gewendet mit den brennenden Kerzen, bis das Sakrament dem Diakon zurückgegeben wurde und die Älteren sich mit dem Baldachin zurückgezogen haben, und der Zelebrant beugt die Knie. Dann nämlich beugen gleichzeitig alle die Knie bis zum Beginn der Messe und fahren mit dem Responsorium fort, das vom Kantor im Kreuzgang begonnen wurde.
13. Nachdem der Diakon sich auf die Knie niedergelassen hat, nimmt er die Pyxis vom stehenden Zelebranten entgegen, steht auf und stellt sie sie wie vorher in die Mitte des Korporales auf den Altar, und darauf geht er zum Zelebranten zurück; dem reicht er, nachdem ihm vom Subdiakon das Schultervelum abgenommen wurde, den Weihrauch und das Rauchfass zum Inzens des Herrenleibes wie in Nr. 9. und nachdem das geschehen ist, steigt derselbe Diakon zum Altar hinauf und stellt das Sakrament in den Thron; die Akolythen kehren zusammen zur Altarstufe zurück; die Kerzen im Chor werden gelöscht und die gewöhnlichen Lampen werden entzündet; der Kantor beginnt stehend mit dem Konvent den zu singenden Introitus nach dem gewohnten Ritus; und der Zelebrant spricht das Schuldbekenntnis mit den Altardienern wie sonst auch, wobei er auf das Genaueste alle Kniebeugungen und Ehrbezeigungen beobachtet, die am Anfang des Messbuchs vorgeschrieben sind, wo vom Zelebrationsritus vor dem Allerheiligsten Sakrament gesprochen wird.
14. Doch wenn an diesem Tag der Abt mit den Pontifikalien zelebrieren möchte, muss das Sakrament entweder weggeschlossen oder verhüllt werden: Denn es ziemt sich nicht, dass ein Zelebrant mit Mitra oder anderem vor ihm [dem Sakrament] steht oder sitzt, noch kann dann die Ordnung der Zeremonien und Riten, die in solchen Messen einzuhalten ist, beobachtet werden. Gleiches ist von der Vesper zu sagen.
15. Nach der Sext bedeckt der Sakristan mit einem aufgehängten Velum geziemend das Sakrament bis zum Beginn der regularen Vesper: jener [nämlich], wie gesagt wurde für die bestimmten Klöster, die in Städten gelegen sind, [und] in denen es üblich ist, des Volksandrangs wegen ausgesetzt zu lassen; in diesem Fall seien jeweils zwei Brüder aufeinanderfolgend zu zweit eine halbe Stunde lang anwesend, die vom Kantor auf der Tabula bestimmt hat, [und] sie beten mit gebeugten Knien vor dem Herrn.
Von der Reposition
16. Nach der Vesper, auf reguläre Art gesprochen [i.e. in Klöstern außerhalb von Städten], wird das Sakrament in diesem Ritus reponiert. Der Abt, oder in der Oktav der Hebdomadarpriester, geht aus dem Chor mit dem Sakristan und dem Thuriferar, oder auch mit dem Diakon und dem Subdiakon (wenn sie wie in Nr. 5 eingesetzt werden sollen), während der Invitator den Versikel vor dem Magnifikat singt, und er bekleidet sich mit der Stola über der Albe und dem Pluviale.
17. Während jedoch das Benedicamus Domino gesungen wird, geht er zur Altarstfe, wobei ihm der Thuriferar mit dem Rauchfass und der Sakristan mit dem Schultervelum vorausgehen, dort beugt er die Knie, während alle, nachdem der Vers Fidelium gebetet wurde, auf die Knie niederfallen, der Kantor [aber] mit Pausen und ehrfürchtig  den Vers Tantum ergo etc. und Genitori  etc. und drittens Domine salvum fac Regem beginnt.
18. Dann steht der Zelebrant auf, legt Weihrauch in das Rauchfass ein und beweihräuchert kniend wie oben [gesagt] das Sakrament, bevor es aus dem Thron genommen wird. Diese Regel nämlich wird befolgt: dass während der Aussetzung nicht beweihräuchert wird, es sei denn, nachdem [das Sakrament] auf dem Korporale inmitten des Altars abgesetzt wurde; während der Reposition jedoch wird inzensiert, bevor es auf den Altar gestellt wird. Darüber hinaus [aber] wird in beiden Fällen, nach jenem Inzens, der zu Beginn vom Zelebranten ausgeführt wurde, weder von ihm, noch von einem anderen mehr beweihräuchert. Dazu müssen in höchstem Maße jene angehalten werden, die meinen, durch überflüssige Beweihräucherungen dem Leib Christi viel Ehre zu erweisen.
19. Wenn der Gesang im Chor beendet wurde, erhebt sich der Zelebrant und singt aus dem Buch, wenn es nötig ist, den Vers Misericors et miserator [Dominus]. Escam dedit timentibus se] und die Collecta Deus qui nobis etc. einzig mit einfacher Konklusion Qui vivis etc. Danach wird ihm das Schultervelum umgelegt von den Altardienern und er allein steigt zum Altar hinauf, beugt die Knie, erhebt sich und nimmt mit den vom Velum bedeckten Händen die Pyxis vom Thron, hält sie mit der Linken am Knauf, mit der Rechten am Fuß dergestalt, dass das Bild der Hostie zum Chor zeigt: Während dieser die Venia erbittet, wie am Ende der Messe ausgerichtet, segnet er ihn, indem er langsam das Zeichen des Kreuzes mit jenem Gefäß macht von der Stirn zur Brust und von der Linken zur Rechten, wobei er nichts spricht. Bald darauf hält er die Pyxis wieder vor die Brust, [und] nachdem er kurz innehält, vollzieht er eine Drehung zur Evangelienseite hin und stellt das Sakrament auf das Korporale, beugt die Knie, und sich erhebend verschließt er [es] im Schrank oder in der Kapsel: Vom Chor wird derweil die Antiphon Mane etc. gesungen, die der Kantor gleich nach dem Segen anstimmt. Darauf kehrt [der Priester] nach der Kniebeugung an der Stufe in die Sakristei zurück in der Ordnung, in der er kam, die Altarkerzen werden gelöscht und alle stehen auf, [und] gehen nach der Verneigung hinaus.
20. Dieser Ritus wird während der ganzen Oktav befolgt, sowohl vom Abt am Festtag und am Oktavtag, als auch, wie wir gesagt haben, vom Hebdomadarpriester an den anderen Tagen innerhalb der Oktav. Der Obere des Orts kann jedoch zugunsten der Tagelöhner [am Tage Arbeitenden] diesen Segen an den einfachen Tagen [der Oktav] bis nach dem Ende der Komplet verschieben; und dann wird das Sakrament schweigend ausgesetzt, wie oben [gesagt], nach der Kollatslesung, die im Kreuzgang stattfindet, [und] vor dem Beginn der Komplet; und der Priester bekleidet sich erst, wenn im Chor das Salve Regina gesungen wird.
21. Innerhalb der Oktav wird morgens vor dem Beginn der regularen Terz ausgesetzt und am Sonntag nach der Besprengung mit Weihwasser. Wenn in Städten jedoch am Sonntag früher ausgesetzt werden sollte, besprengt der Priester, nach der Wasserweihe, weder den Altar noch das Presbyterium: Sondern sofort, wenn er sich in Richtung Südosten gedreht hat [„mit den Nieren sich zwischen Süden und Osten umwandte“], damit er den Rücken nicht dem Sakrament zuwendet, besprengt er die Brüder, die, wie es Brauch ist, hinzutreten.

Freitag, 30. März 2012

Rituale cisterciense Deutsch(1892), 3. Buch, 20. Kapitel: Von der Großen [Kar-]Woche

Rituale cisterciense (1892), Buch III, Kapitel 20: Von der Großen [Kar-]Woche

[1.] Keine Votivmesse, wie gesagt wurde im Buch II, noch Requiem-Messen sollen in dieser ganzen Woche gesungen werden, es sei denn für einen anwesenden Verstorbenen; die Messen aber, die von den Hebdomadaren von der Seligen [Maria] und für die Verstorbenen [gesungen werden], werden gefeiert vom Wochentag an ihren eigenen Altären; ausgenommen sind die Tage des Karfreitags und des Karsamstags, an denen keine Messe privatim gesungen wird. Doch auch für einen anwesenden Verstorbenen kann am Gründonnerstag keine Messe gesungen oder eine private Messe gefeiert werden, es sei denn, sie wird vom Tage [genommen].
2. Am Dienstag und Mittwoch wird die Passion vom Diakon im Evangelienton gesungen; es wird irgendeine Kapelle zurückhaltend vorbereitet, ohne überflüssigen Schmuck, mit vier Kerzenleuchtern und weißen Kerzen, einigen Decken, wenn sie zu haben sind, und einem weißen Altartuch, sowie dann ein vergoldeter Schrein, in dem verschließbar am folgenden Tag die heilige Eucharistie aufbewahrt wird. Nach der Komplet des Mittwochs wird das Fastentuch [die Cortina] vom Presbyterium weggenommen.
3. Die Kommemorationen der Heiligen, wenn sie denn vorkommen, werden wie gewöhnlich bis zur Vesper des Mittwochs ausschließlich gehalten. An den drei folgenden Tagen jedoch wird das regulare Offizium nach dem unten beschriebenen Ritus gehalten, bis zur Messe des Karsamstags: im Chor werden die Horen der Seligen [Maria] ausgelassen, die von den Einzelnen privatim rezitiert werden, wie am Sonntag.
4. Nachdem das Zeichen für die Vigilien in der Stunde nach Mitternacht wie gewohnt gegeben wurde, beugen die Brüder auf das Zeichen des Oberen hin die Knie und sind frei für das Gebet eine halbe Stunde lang. Wenn die Betrachtung jedoch beendet ist, beten sie über den Formen kniend Vater unser, Gegrüßet seist du und Ich glaube. Daraufhin richten sie sich auf, wie üblich, bekreuzigen sich, verneigen sich vor dem Altar und bald beginnt derjenige, der die erste Antiphon der Nokturnen gewöhnlich anstimmt, diese [Antiphon], und der folgende den Psalm, wobei der Konvent sich in den Stallen einander zuwendet; und so für das Übrige in gewohnter Ordnung, dass also die erste Antiphon der zweiten und dritten Nokturn vom Chor des Invitatoriums begonnen wird.
5. Zu den Versikeln wenden sie sich zum Altar, sprechen leise das Vater unser vor den Lesungen über die Miserikordien verneigt, sitzen zu den Lesungen und erheben sich, wenn der Kantor das dritte Responsorium einer jeden Nokturn wieder von vorne beginnt; dieselbe Ordnung wird überall beibehalten, auch beim feierlichen Totenoffizium, obgleich die Anordnung ebenda deutlich ist, bis auf dass die Lesungen vom Analogium und die Responsorien von einzelnen [Mönchen] nacheinander gesungen werden, wie wir es in Buch I, Kap. 11 eingerichtet haben.
6. Gegen Ende des neunten Responsoriums zündet der Sakristan eine gewöhnliche Kerze in der Mitte der Presbyteriumsstufe an, während die erste Antiphon der Laudes angestimmt wird von demjenigen, der den neunten Psalm der Nokturnen begonnen hat. Während der Psalm Laudate Dominum in Sanctis ejus [Lobt Gott in seinen Heiligen] gesungen wird, löscht der Sakristan alle Lichter der Kirche, die angezündete Kerze auf der Stufe ausgenommen; diese löscht er erst, wenn der Abt oder der Kantor die Antiphon zum Benediktus anstimmt.
7. Diese Antiphon nach dem Benediktus und nach dem Magnifikat wird extra Stallum [aus der Stalle herausgetreten] gesungen. Wenn der Kantor jedoch den Vers Christus factus est [Christus wurde gehorsam] anstimmt, fallen alle über die Formen nieder, und nachdem von allen unter Schweigen Vater unser etc. gesprochen wurde, beginnt der Obere mit gedämpfter Stimme den Psalm Miserere [Erbarme dich, Ps 50], den die Chöre wechselseitig ohne Gesang und ohne Ehre sei dem Vater fortführen. Am Schluss spricht der kniende Obere in der gleichen Stimmlage die Collecta Respice [Siehe auf], ohne Lasset uns beten, und ohne den [Gebets]-Abschluss auszusprechen, den er leise spricht; und wenn von allen zusammen schweigend Vater unser und Gegrüßet seist du Maria, etc. gesprochen wurde, erheben sie sich auf ein Zeichen des Oberen hin, verneigen sich und gehen hinaus.
8. Zur Prim wird wie oben Vater unser, Gegrüßet und Ich glaube gebetet, sie bekreuzigen sich und verneigen sich. Darauf beginnt der Subinvitator sofort ohne irgendeinen Gesang den ersten Psalm dieser Hore, das ist Deus in nomine [Gott, in deinem Namen] etc., der Vers Christus factus est [Christus wurde gehorsam] etc. wird ebenfalls indirectum [auf einem Ton] von allen kniend gesungen, das Vater unser etc. wie oben: Doch nach der Collecta erheben sich sofort alle, verneigen sich und gehen, wie gewöhnlich, in den Kapitelsaal, wobei der Obere vorangeht: [währenddessen] wird die Glocke [geläutet] oder die Tabula geschlagen.
9. Wenn alle sitzen, beginnt der Invitator sofort mit der entsprechenden Regellesung, ohne Segen oder Tu autem [Du aber, Herr]. Dann liest er die Ordensbeschlüsse, wie sonst, und das Kapitel der an diesem Tag speziell zu beachtenden Riten. Nachdem das geschehen ist, verneigt er sich und geht an seinen Platz, unter Auslassung des Totengedächtnisses.
10. Nachdem vom Oberen aber Benedicite gesagt und die Regel ausgelegt wurde, werden [dann], wenn irgendwelche Kurzmitteilungen („Brevia“) für Verstorbene zu lesen sind, sie auf Weisung des Oberen gelesen, und gleicherweise, wenn ein Verstorbener anwesend ist, wird er auf Zuspruch des Kantors hin absolviert; und alles geschehe so, wie es Brauch ist. Der Obere jedoch sehe vor allem darauf, dass in diesen ungewohnten Zeremonien nicht irgendeine Verwirrung sich einschleicht; denn alles werde ausgeführt mit Frömmigkeit, unter Schweigen und Hingabe, welche sich an solchen Tagen geziemt; und es werden die Clamationes [Proklamationen] abgehalten. Darauf, wenn aufsteht, wer vorsteht, erheben sich alle, verneigen sich nach Osten gewandt und gehen schweigend hinaus.
11. Die Terz, Sext und Non werden in gleicher Weise ohne Gesang verrichtet. Zur Vesper wird, wiewohl nicht gesungen wird, begonnen mit dem ersten Wort der ersten Antiphon, die der Invitator anstimmt, und in gleicher Weise werden die anderen abwechselnd begonnen. Der Abt, oder in seiner Abwesenheit der Kantor, stimmt die Antiphon an, die nach dem Magnifikat extra Stallum [außerhalb der Stalle] gebetet wird. Das Übrige wie weiter oben.
12. Am Gründonnerstag und Karsamstag wird vor der Komplet die Lesung im Kreuzgang gehalten, wie weiter unten [beschrieben]; nicht jedoch am Karfreitag: Wenn jedoch Vater unser und Gegrüßet seist du gebetet wurden, wie zu den anderen Horen, beginnt der Subinvitator wie üblich [den Psalm] Cum invocarem [Wenn ich rufe] mit gedämpfter Stimme. Das Canticum Nunc dimittis [Nun entlässt du] wird in gleicher Tonhöhe den vier im Brevier angegebenen Psalmen angefügt, wie üblicherweise das Glaubensbekenntnis Quicumque zur Prim sonntags an die Psalmen angefügt wird. Nach der Oration wird, während die Brüder knien, das Zeichen mit der Tabula gegeben zum dreimaligen Gebet des Gegrüßet seist du Maria, und nachher werde die Betrachtung gehalten und die Besprengung wie sonst auch.
13. Man muss wissen, dass von der Vesper des Donnerstags, diese ausgenommen, bis zur Non des Karsamstags alle Horen, ausgenommen die Vigilien und die Laudes, zurückhaltend, mit gesenkter und andächtiger Stimme, ohne Gesang, gebetet werden: Dergestalt jedoch, dass der Klang der Psalmodie klar und deutlich tönt und die Pausen gehalten werden in der Mitte und am Schluss der Verse. Auch die Verse vor und nach dem Essen werden in gedämpfterem Ton indirectum im Refektorium gebetet, wie es die Tischdiener machen; zur Danksagung geht man auch nicht in die Kirche. Nichtsdestotrotz werden die Lesung im Refektorium, im Kapitel und vor der Komplet, wie auch die Antiphonen zum Mandatum [der Fußwaschung] mit lauter Stimme gesungen.
14. Wenn die Glocken in der Messe des [Grün-]Donnerstags zum Gloria in excelsis [Ehre sei Gott in der Höhe] geläutet wurden, schweigen sie von da ab vollständig in der Kirche, in der Uhr, im Refektorium und im Dormitorium bis zur Messe des Karsamstags; und zu allen Horen, der Mahlzeit, dem Mandatum [Fußwaschung] etc. wird in gewohnter Ordnung die hölzerne Tabula geschlagen, die im Kreuzgang hängt. Gleicherweise wird, wo es sie gibt, die Orgel nicht gespielt vom Gloria in excelsis des genannten Donnerstags bis zu ebendiesem Hymnus in der Messe des Karsamstags.

Dienstag, 20. März 2012

Rituale cisterciense Deutsch (1892), 3. Buch, 19. Kapitel: Die Ordnung am Palmsonntag

Rituale cisterciense, Buch III, Kapitel 19: Die Ordnung am Palm[-Sonntag] 

[1.] Am Samstag vor dem Palmsonntag erhält kein Diakon den Wochen[dienst] „vom Evangelium“ [i.e. der wöchentliche Altardienst], wie es der Ordnung entspräche, noch ein Priester die Woche [als Hebdomadar]: sondern jene, denen der Kantor diese Dienste auf einer eigenen Tafel mit dem Rat des Oberen aufträgt. Auf jener Tafel nämlich muss er jene Brüder anzeigen, die das Gloria laus, Popule meus, Agios, die Litaneien, zum Mandatum [der Fußwaschung] der Mönche am Gründonnerstag, etc. zu singen haben.
2. Zu den Vespern, den Vigilien und zur Messe dieses Sonntags werden drei Lampen angezündet. Das Benedicamus Domino [Singet dem Herrn] etc. und die Hymnen der Horen werden im Ton der Sermo-Feste gesungen und zum Hochamt werden Reliquien auf den Altar gestellt.
3. Vor dem Kapitel bringt der Sakristan in diesen [Kapitelsaal] eine violette Stola, den Abtsstab, das Rituale oder Kollektar, enthaltend den Text der Exkommunikation, eine angezündete Kerze in der Absconsa [Windlicht] und die anzuzündende und auszulöschende Kerze. Sobald jedoch der Abt den Abschnitt der Regel in gewohnter Weise auslegt, treten Sakristan und Kantor hinzu, jener mit dem Stab, der Stola und der angezündeten Kerze, dieser mit dem Rituale oder Kollektar, und sie verneigen sich vor ihm. Darauf übergibt der Sakristan ihm die Stola, den Stab und die Kerze mit dem geschuldeten Kuss der Dinge und der Hand. Wenn der Abt abwesend sein sollte, werden diese Dinge nichtsdestotrotz bei jedwedem Oberen so gehandhabt, der das Kapitel hält, ausgenommen der Stab.
4. Sodann erhebt sich der Abt mit dem Konvent, küsst die Stola in der Mitte, die der Sakristan ihm [sodann] um den Hals legt, nimmt den Stab in seine linke Hand und in seine rechte die entzündete Kerze, während alle einander zugewandt entblößten Hauptes stehen, [und] liest aus dem Buch, das der Kantor geöffnet mit beiden Händen vor ihm hält, die Exkommunikationsformel, wie folgt:
Im Namen [auctoritate] des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und aller Heiligen, und im Namen [auctoritate] des ganzen Ordens schließen wir aus die Verschwörer, die Brandstifter, die Diebe, die [zu Unrecht etwas] Besitzenden und alle, die die Arbeit der Oberen, Visitatoren oder Richter, die vom Generalkapitel bestellt wurden, während der Visitationen, Wahlen, Korrekturmaßnahmen oder anderer Anordnungen behindern, oder die jenen beipflichten, die dies tun, [und zwar] von sich aus oder durch andere, durch Briefe, Bitten, Drohungen, Hinterhältigkeiten oder sich der Hilfe von Weltlichen bedienen, So sei es, So sei es. Danach wirft er die Kerze zu Boden, gibt den Stab und die Stola dem Sakristan zurück, der sich nach einer Verneigung mit dem Kantor zurückzieht, und beendet das Kapitel wie andernorts beschrieben.
5. Vor der Terz bereitet der Sakristan Oliven- oder Palmzweige oder [Zweige] ähnlicher Bäume auf einem Tisch bei der Presbyteriumsstufe vor, nach derselben Art, wie wir es oben von den zu segnenden Kerzen in Kap. 16 gesagt haben, und in den Kapitelsaal trägt er das Analogium mit dem Evangelientext. Der Exorzismus des Wassers wird vom Abt vollzogen, der auch die Terz beginnt und nachher die Zweige segnet und austeilt, wie – unter Beachtung der Umstände – bei den Kerzen am Fest der Reinigung; in gleicher Weise werden die Zweige während der Prozession getragen.
6. Wenn nämlich der Obere die Zweige austeilt, nimmt der Diakon das enthüllte Kreuz, die Akolythen nehmen ihre Kerzenleuchter, der Subdiakon nimmt das Weihwasser und, indem der Thuriferar vorangeht, halten sie die Prozession wie in Buch I, Kap. 17 beschrieben. Der Sakristan jedoch sorge dafür, dass das Analogium mit dem Evangelientext aus dem Kapitelsaal an den Ort gebracht wird, an dem der Diakon das Evangelium liest, das ist der Eingang der Kirche.
7. Wenn sie in Prozession zur zweiten Station kommen, gehen sie so, dass am Beginn der letzten, wenn der Kantor das Ave Rex noster [Sei gegrüßt, unser König] beginnt, alle außer Diakon und Akolythen, mit den Knien und den Händen die Erde berührend, zum Kreuz gewandt die Venia vollziehen; ihm wenden sich auch Subdiakon und Thuriferar zu, [die] hinter ihm [stehen]. Wenn sie singen Fili David [Sohn Davids], stehen sie auf und stehen daraufhin zum Kreuz gewandt, bis das Gloria laus [Verherrlichung, Lob] begonnen wird.
8. Gegen Schluss der genannten Antiphon nimmt der Subdiakon, nachdem er das Weihwasser mit dem Aspergill auf dem Boden abgestellt hat, das Kreuz aus den Händen des Diakons und hält es zum Konvent gewendet zu Häupten des Analogiums, das dorthin gebracht wurde. Inzwischen spricht der Diakon vor dem Kreuz kniend still Munda cor meum [Reinige mein Herz] und geht, nachdem er den [Evangelien-]Text mit beiden Händen genommen hat, zum Abt, begleitet vom Thuriferar, damit er den Weihrauch ins Rauchfass einlegt und von ihm den Segen erbittet.
9. Wenn er das Schiffchen dem Abt hinhält, übergibt er den [Evangelien-]Text einem von den Älteren, damit er ihn halte, und nimmt das Buch zum Segen wieder an sich, wenn der Weihrauch eingelegt wurde. [Den Segen] erbittet er verneigt. Nachdem er die Hand des Segnenden geküsst hat, richtet er sich auf, verneigt sich wiederum mit dem Thuriferar, geht zum Analogium zurück, verneigt sich vor dem Kreuz, singt und beweihräuchert wie üblich das Buch, das er nach dem Evangelium geöffnet dem Abt zum Kuss darreicht, wie oben [beschrieben] in Begleitung[.] Nachdem es geküsst wurde schließt er es, gibt es weiter und man hält es, wie gesagt wurde, während er, nachdem er das Rauchfass entgegengenommen hat, den Abt beweihräuchert, wenn er zelebriert. Wenn der Abt nicht zelebriert, nichtsdestotrotz aber an der Prozession teilnimmt, beweihräuchert er weder ihn noch den Zelebranten; darüber siehe in Buch I, Kap. 19, und dieselbe Überlegung gilt für die Messe.
10. Nach der Beweihräucherung des Zelebranten nimmt er den [Evangelien-]Text und wenn er zurückkehrt, legt er [ihn] auf das Analogium, nachdem er eine Verneigung vor dem Kreuz gemacht hat. Darauf nimmt der Sakristan das Analogium weg, der Subdiakon gibt das Kreuz dem Diakon zurück und nimmt wieder das Weihwasser; er stehe wie gewöhnlich bei den anderen Stationen vor dem Diakon. Zwischenzeitlich wiederholt der Chor, der auch einander zugewandt steht, den Vers Gloria laus, den zwei Brüder, die gegen Ende des Evangeliums in die Kirche gegangen sind, hinter der verschlossenen Tür stehen und sich zur Prozession hinwenden, mitsamt den anderen Versen singen, wie in den Processionalia angegeben.
11. Nach der Wiederholung des Beginns dieser Verse von jenen Brüdern kehren sie zur Prozession zurück und ordnen sich an ihrem Platz ein. Wenn der Abt oder, in seiner Abwesenheit, der Kantor das Responsorium Ingrediente [Einziehend] anstimmt, treten alle in die Kirche ein und legen die Zweige, die sie in Händen tragen, vor sich auf den Formen ab bis zur Passion. Dann wird die Messe wie an Sermo-Festen gefeiert, mit Kyrie, Sanctus und Agnus Dei im Ton der Vierzigtägigen Fastenzeit.
12. Zelebrant und Altardiener, in die Sakristei zurückgekehrt, waschen sich die Hände und gehen, nachdem sie die entsprechenden Gewänder angelegt haben, mit den Zweigen zum Altar. Die Akolythen jedoch und der Thuriferar tragen keine Zweige: Wenn sie nämlich zur Altarstufe kommen und die Leuchter abgestellt haben, nehmen sie die Zweige der Altardiener in Empfang und legen sie an einem vorbereiteten Ort ab, an dem sie ihre [Zweige] vor der Prozession zurückgelegt haben; dann verrichten sie ihren Dienst wie in Buch II beschrieben.
13. Gegen Ende des Traktus nimmt der Diakon ohne Zweig vom Ministerium [i.e. der Kredenz] das Buch der Passion und geht mit den Akolythen, die anstelle der Lichter und des Weihrauchs ihre Zweige tragen, und nach einer Kniebeugung in der Mitte der Altarstufe zum unbedeckten Pult, auf das er das obengenannte Buch legt. Und während dort die vorgenannten Akolythen stehen wie zum Evangelium, beginnt er unvermittelt und singt die Passion im eigenen Ton.
14. Doch wenn, zur Erleichterung des Diakons, die dringende Notwendigkeit besteht, die Passion zu dritt zu singen, was der Abt zu sehen hat, kann der Zelebrant selbst an der linken Seite des Altars die Person Christi übernehmen, der Subdiakon aber singe ohne Zweig (wenigstens habe er die Diakonatsweihe) nach Anlegen der Stola die Stimmen der Juden von dem anderen Pult an der Presbyteriumsstufe nach Norden gewandt bis zum Evangelium. Oder, wenn die Armut an Mönchen es so mit sich bringt, singe der Priester auf der Evangeliumsseite alleine die gesamte Passion.
15. Andernfalls erheben sich der Zelebrant und der Subdiakon mit den Zweigen, die sie genommen haben [und] die die Akolythen ihnen gebracht haben, gleichzeitig mit dem Diakon und begeben sich direkt zur Epistelseite auf dem kürzesten Weg, [und] dort den Zweig in seiner [des Priesters] linken Hand haltend, so auch der Subdiakon, der ihm zur Rechten steht, liest er [der Priester für sich] die Passion bis zum Augenblick des Todes Christi: Nachdem er das gelesen hat, wendet er sich zum singenden Diakon und der ebenfalls [zum Diakon] gewendete Subdiakon steht zu seiner Linken, hält den Zweig in der linken Hand und die Rechte liegt auf der Brust.
16. Vom Beginn der Passion an stehe der Konvent im Chor wie zum Evangelium: Doch er antworte weder Gloria tibi Domine [Ehre sei Dir, o Herr], noch mache er das Kreuzzeichen. Wenn jedoch der Diakon singt: Emisit spiritum [Er gab den Geist auf], fallen alle auf ihr Angesicht nieder für die Zeit eines einzigen Vater unser, der Zelebrant [fällt nieder] in der Mitte der Altarstufe und der Subdiakon unterhalb zu seiner Rechten, dem Altar zugewandt, der Diakon zum Buch hin, die Akolythen, die bei ihm stehen, [ihm] gegenüber zur südlichen Wand des Presbyteriums hin, die anderen zum Altar. Sie alle erheben sich, wenn der Zelebrant aufsteht.
17. Wo der Diakon die Passion singt oder Diakone sie singen, die nicht die Altardiener sind, stehen diese, also der Diakon der Messe und der Subdiakon wie beim Introitus des Zelebranten, der die rechte Hand auf das Buch legt und die Passion liest; und unterhalb von ihm fallen sie nieder, indem sie hier und dort prosternieren.
18. Andernfalls vollendet der Zelebrant, nachdem er sich erhoben hat, die Passion, wie vorher stehend, [und] sagt: Munda cor meum, Jube Domine [Reinige mein Herz, Weise, Herr] etc. und er liest das Evangelium Altera autem die [Am anderen Tag jedoch] an derselben Epistelseite, [wobei] er sich nicht bekreuzigt, noch am Schluss das Buch küsst. Darauf wendet er sich gänzlich dem Singenden zu. Zwischenzeitlich legt der Thuriferar, an der Altarstufe die Knie beugend, den Zweig ab und bereitet das Weihrauchfass für das Evangelium vor.
19. Nachdem nämlich der Diakon die Passion beendet hat, nimmt er das geschlossene Buch, trägt es ehrfürchtig zum Altar, wie üblich mit den geschuldeten Kniebeugungen; und nachdem er das Munda cor meum gesprochen hat, trägt er auf ähnliche Weise den einzulegenden und zu segnenden Weihrauch zum Zelebranten oder Abt, von dem er auch den gewöhnlichen Segen erhält, wie in Buch II, Kap. 10 und 11 [gesagt]. Dann geht er zum Analogium, wobei die übrigen Diener sich wie gewohnt stellen – ohne Lichter [jedoch], beweihräuchert und singt das Evangelium. Und die Akolythen halten ihre Zweige hier und dort [zu beiden Seiten] wie bei der Passion. Wenn das Evangelium aber gesungen wurde, wird der [Evangelien-]Text zum Kuss [d.h. zum Küssenden] getragen, und das andere geschehe nach der üblichen Weise, [wobei] man die Zweige abgelegt hat.